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Interaktive Karte : Wölfe in SH: Hier waren sie unterwegs

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Sie tappten in Fotofallen oder hinterließen Spuren: In SH sind seit 2007 mehrere Wölfe nachgewiesen worden.

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erstellt am 03.Okt.2017 | 18:16 Uhr

Eekholt | Als der erste wilde Wolf nach fast 200 Jahren seine Pfoten wieder auf schleswig-holsteinischen Boden setzte, war das eine Sensation. Die Tierart war seit dem 19. Jahrhundert durch Verfolgung und durch Vernichtung von Wald in SH ausgerottet. Der letzte wurde 1820 bei Brokenlande erlegt - und nun gerät ein Exemplar bei Eutin in einen Verehrsunfall. Das Tier kam beim Zusammenprall mit einem Auto ums Leben und steht mittlerweile ausgestopft im Kreishaus in Eutin hinter Glas. Es sollte mehrere Jahre der einzige eindeutige Nachweis für einen Wolf in SH sein. Dennoch war klar: Das Land musste sich vorbereiten auf die Rückkehr des Raubtiers. Denn die Rückkehr der Wölfe hat zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen Befürwortern und Gegnern dieser Entwicklung geführt.

Erst seit 2012 kam es nach dem folgenschweren Unfall wieder vermehrt zu Nachweisen von Wölfen. 42 eindeutige Nachweise zählt das Land bis September 2017 - das heißt aber nicht, dass es sich um 42 verschiedene Tiere handelt. Mehrere Nachweise stammen vom selben Tier. Die Experten gehen von Einzeltieren aus, die nicht ansässig sind. Ein Paar oder gar ein Rudel wurde noch nicht ausgemacht. Bei den Nachweisen nicht mit eingerechnet sind Sichtungen und Schafrisse, die keinen eindeutigen Nachweis zulassen. Denn beim Wolfsmanagement - so heißt der Masterplan für den Umgang mit den Wölfen - zählt man nur, was zweifelsfrei bewiesen werden kann.

In der Karte sehen Sie die Wolfsnachweise seit 2007. Die verschiedenen Farben weisen auf das Jahr hin. Klicken Sie auf die Symbole, um mehr zu erfahren.

 

Rot markiert ist ein Ort in Mecklenburg-Vorpommern: Bei Lübtheen ist auf dem Truppenübungsplatz ein Wolfsrudel ansässig. Bereits seit 2008 wird dort ein Rüde gezählt, der 2013 ein Weibchen, eine Fähe, fand. Das Paar bekam in den folgenden Jahren Welpen - von denen sich einige nach SH aufmachten. So ist einer der Wölfe, die 2017 nachgewiesen worden sind, ein junger Rüde aus dem Lübtheener Wurf.

Ein Wolf mit einem Welpen. Diese beiden Tiere kommen nicht aus Lübtheen sondern leben im Wildpark Eekholt.
Ein Wolf mit einem Welpen. Diese beiden Tiere kommen nicht aus Lübtheen sondern leben im Wildpark Eekholt.

Wo sich auf der einen Seite Naturfans freuen, gibt es aber auch Kritiker. Besonders Schäfer beklagen seit der Rückkehr des Wolfs auch immer wieder Risse an ihren Tieren. Für sie ist wichtig: Der Vorfall muss schnell entdeckt und gemeldet werden. Denn nur bei eindeutigen Nachweisen erhält der Tierhalter eine Entschädigung. Der Nachweis erfolgt meist über eine Genprobe, die am getöteten Tier entnommen wird. Dies muss innerhalb von 24 Stunden passieren, da sonst ein Nachweis schwer wird.

Doch das Land ersetzt nur den finanziellen Schaden. „Das ist, als wäre man selbst angegriffen worden“, beschreibt Uwe Michalski aus Garding seine Gefühle, nachdem ein Wolf mehrere seiner Tiere gerissen hatte. Der Wolf hatte zwei Mutterschafe und ein neugeborenes Lamm getötet. Besonders Schafe seien für Wölfe eine leichte Beute, denn die Tiere stehen oft auf wenig gesicherten Wiesen, erklärt Wolfsexperte Jens Matzen. „Durch die Züchtung haben Schafe kaum Fluchtverhalten. Die laufen ein bisschen weiter und gucken.“ Schäfer Michalski lehnt aber das Herdenschutzpaket des Landes ab. Auf Eiderstedt sei es gang und gäbe, dass es keinen Zaun braucht, wo es einen Graben gibt. „Ein Zaun würde ja auch nichts nützen”, glaubt der Landwirt. Für ihn gehört der Wolf nicht nach SH.

Für Wolfsfreunde ist die Rückkehr des Wolfes allerdings ein gutes Zeichen. Umweltminister Robert Habeck bezeichnete die ersten Wolfsnachweise als „tolles Signal dafür, dass Schleswig-Holstien wieder Lebensraum für Kreaturen gibt, die vorher schon ausgerottet waren“. Außerdem weisen Naturschützer darauf hin, dass die Tiere sich unter Rotwild und Rehen meist an schwächelnden Tieren vergreifen und so den Bestand der Beutetiere gesund halten würden.

Wolfsexperten wollen Kritikern auch die Ängste vor dem Tier nehmen. Für den Menschen werden Wölfe nicht als gefährlich eingestuft. Begegnungen sind sehr selten, da Wölfe den Menschen meist zuerst bemerken und sich dann nicht zeigen. Der Wolf ist ein sehr scheues und überwiegend nachtaktives Wildtier und meidet grundsätzlich den Menschen. Sie gehören nicht zur normalen Beute von Wölfen.

Wer dennoch ein solches Tier sieht, sollte nicht weglaufen, sondern stehen bleiben. Zuerst sollte man den Wolf ruhig ansprechen, damit er einen bemerkt. Nicht versuchen, den Wolf anzufassen oder gar zu füttern. Durch lautes Sprechen, Armbewegungen und Klatschen kann man die Tiere vertreiben und sich dabei langsam entfernen. Wer es schafft, ein Foto zu machen, kann es bei den Wolfsbetreuern zur Begutachtung einsenden. Dort wird dann geprüft, ob es sich tatsächlich um einen Wolf handelt oder um einen ähnlich aussehenden Hund wie den Tschechoslowakischen Wolfshund oder den Saarloos Wolfshund.

Der Saarloos Wolfshund sieht dem Wolf ähnlich.

Der Saarloos Wolfshund sieht dem Wolf ähnlich.

Foto: Wikipedia/ Claudia Schröder - Eigentümer, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40377408

Neben direkten Sichtungen oder genetischen Nachweisen nach Rissen können mögliche Nachweise für einen Wolf auch seine Hinterlassenschaften, also Fährten oder Losung sein. Darüber hinaus kamen fünf Wölfe im Straßenverkehr ums Leben. Mehrere Tiere tappten in aufgehängte Fotofallen.

Und zapp: Ein Wolf rennt im Jahr 2012 an einer Wildkamera im Kreis Segeberg vorbei.

Und zapp: Ein Wolf rennt im Jahr 2012 an einer Wildkamera im Kreis Segeberg vorbei.

Foto: Wolfinfozentrum Eekholt

Der Wolf kann laut Nabu überall dort leben, wo er genügend Beute findet und Rückzugsgebiete zur Aufzucht der Welpen vorhanden sind. Die dauerhaft mit Wolfsrudeln und Paaren besiedelten Bundesländer sind Brandenburg (24), Mecklenburg-Vorpommern (4), Niedersachsen (11), Sachsen (18) und Sachsen-Anhalt (11). In Bayern sind zwei Paare und in Thüringen ein residentes Einzeltier bekannt.

Weitere Infos über Wölfe gibt es unter wolfsbetreuer.de.

 

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