Algenmonitoring : Wo sich die Blaualgen herumtreiben

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Sommer im Norden heißt auch Saison für das Algenmonitoring an den Küsten im Land zwischen den Meeren.

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28. Juli 2012, 10:58 Uhr

Kiel | Entlang der Nordsee nehmen Experten von Ende Mai bis Mitte September alle 14 Tage Wasserproben. "Entlang der Ostsee wird dagegen nur bei Auffälligkeiten hinausgefahren", berichtet Diplom-Biologin Jeanette Göbel vom Landesumweltamt in Flintbek bei Kiel. Um es vorwegzunehmen: Beide Küsten sind sauber. Es gibt keine Konzentration von Mikroalgen, die die Badewasserqualität beeinträchtigt.
Und doch gab es jetzt eine Auffälligkeit, die es nach Angaben von Jeanette Göbel notwendig machte, die Algensituation entlang der Ostseeküste unter die Lupe zu nehmen. Nämlich: "Das plötzlich einsetzende gute Wetter", sagt die Diplom-Biologin, die beim Landesumweltamt für das Algenfrüherkennungssystem zuständig ist. "Bei dieser ersten sommerlichen Phase wollten wir einfach einmal sehen, wie es dort aussieht." Und: Nach dem neuesten Algenreport auf der Basis von Wasserproben an 17 Stellen der Ostsee sieht es gut aus. In der Flensburger und Kieler Förde herrschen harmlose Kieselalgen- und wenige Zweigeißelalgenarten vor. Nur im Bereich der Lübecker Bucht seien "fädige Blaualgen stellenweise in leicht erhöhten Anzahlen vorhanden".
Keine bedrohlichen Algenteppiche
Im Gegensatz zur schleswig-holsteinischen Nordseeküste, an der nach Angaben von Jeanette Göbel keine für den Menschen bedrohlichen Algenteppiche auftreten, kann sich die Situation an der Ostsee zuspitzen. "Denn gerade bei stillem und gutem Wetter breiten sich potenziell giftige Blaualgen schnell aus", sagt die Diplom-Biologin. Bei windarmem Wetter treiben diese fadenartigen Mikroorganismen in Richtung Wasseroberfläche auf. Dies passiert vor allem - und oft massiv - in der zentralen Ostsee zwischen Schweden und Polen.

Tatsächlich ist genau dort nach dem warmen und ruhigen Wetter am Mittwoch und Donnerstag ein riesiger Blaualgen-Teppich zu Tage getreten, wie Daten des Schwedischen Meteorologischen und Hydrologischen Instituts belegen. Das Institut mit Sitz im schwedischen Norrköping überwacht die Algensituation auf der Ostsee aus dem Weltraum. Allerdings könne der Satellit die Algen nur an der Wasseroberfläche und in bis zu wenigen Zentimetern Tiefe erfassen, berichtet Jeanette Göbel - und auch nur, wenn keine Wolken die Sicht versperren.
Hierzulande wird diese Blaualgen-Masse erst dann zum Problem, wenn Wind, Wetter und Meeresströmung so ungünstig zusammenspielen, dass der Algen-Teppich gen Westen driftet. Die Badegäste hatten in letzter Zeit Glück: "Massive Probleme mit Blaualgen an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste hat es zuletzt im Jahr 2006 gegeben", berichtet Jeanette Göbel.

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