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Eiskalt : Wo Schuldnern die Heizung abgedreht wird

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Trotz des Winters sind viele Stadtwerke unerbittlich - und drehen zahlungssäumigen Kunden den Hahn zu. Schleswiger Stadtwerke und Eon Hanse reagieren milder.

shz.de von
erstellt am 16.Feb.2010 | 02:15 Uhr

Kiel | Die Euros fliegen derzeit durch den Schornstein. Damit die Stube warm bleibt, wird gerade in älteren Häusern geheizt, was das Zeug hält. Doch einige Schleswig-Holsteiner drehen vergeblich an ihren Heizkörpern. Es wird nicht warm - weil sie die Rechnungen ihres Energieversorgers nicht bezahlt haben. Dann wird der Gashahn abgedreht oder die Fernwärmelieferung eingestellt: Keine warme Dusche, kein warmer Heizkörper, trotz klirrender Kälte.
"Das ist wie in der Kneipe: Wenn der Deckel voll ist und kein Geld fließ, gibts kein Bier mehr", erklärt Wolfgang Podolske, Sprecher der Kieler Stadtwerke. Schließlich habe man Ware geliefert und damit Anspruch auf Bezahlung. Bei den Flensburger Stadtwerken wird derzeit jeden Monat bei rund 50 Kunden die Energielieferung eingestellt. Hier wird laut Stadtwerkesprecher Peer Holdensen kein Unterschied zwischen Sommer und Winter gemacht. Wer nicht zahlt, muss frieren, sofern er auf dreimaliges Mahnen nicht reagiert.
"Je länger die Heizung läuft, desto höher werden die Schulden"
Auch in Neumünster und Husum verzichtet man nach Abschluss des Mahnverfahrens selbst in diesem kalten Winter nicht auf den äußersten Schritt. Betroffene werden bei Zahlungsschwierigkeiten aber genauso wie in Kiel und Flensburg auf die Hilfe von Schuldnerberatungen hingewiesen. "Grundsätzlich sind wir daran interessiert, im Gespräch Alternativen zu finden, zum Beispiel Ratenzahlungen", erklärt Susanne Grabler von den Husumer Stadtwerken. Zudem kenne man seine Pappenheimer und unterscheide zwischen notorisch schlechten Zahlern und solchen, die kurzfristig in Not geraten seien. Doch selbst wenn dann gezahlt wird, ist die Wärme nicht sofort da. In Eckernförde müssen etliche Mieter und Hausbewohner weiter frieren. Das hat technische Gründe. "Bei Gasleitungen, die wieder ans Netz gehen, müssen wir zunächst die Dichtigkeit prüfen", sagt Vertriebsleiter Heiko Lohnert. Da gesperrte Anschlüsse überwiegend in Altbauten zu finden seien, könnte es dort zu technischen Problemen kommen, deren Behebung dauere.
Es gibt aber auch Stadtwerke, die Milde walten lassen: "Es gibt zwar keine grundsätzliche Festlegung, säumige Zahler wegen des strengen Winters zu schonen, bisher haben wir aber wegen der Witterungslage davon abgesehen, Kunden den Gashahn abzudrehen", erklärt Wolfgang Schoofs, Chef der Schleswiger Stadtwerke. "Für die Betroffenen bringt ein Aufschub aber Probleme, denn je länger die Heizung läuft, desto höher werden die Schulden."
Schuldnerberatung: "Die sind findig"
Zurückhaltend agiert derzeit der überregionale Versorger Eon Hanse. Zwar werde nach dreimaliger Mahnung angekündigt, die Lieferung einzustellen, jedoch nur, um Fristen zu wahren. "Wir verschieben die Sperrung, bis das Thermometer wieder im Plus ist", erklärt Sprecherin Franco Fratini.
Längst nicht alle, denen Strom oder Heizung abgestellt wurden, bibbern unter der Wolldecke. "Die sind findig", weiß Hardy Bickel von der Kieler Schuldnerberatung. Sie kriechen bei Nachbarn und Verwandten unter oder zapfen andere Energiequellen an. "Wir haben schon Verlängerungskabel quer durch Treppenhäuser gesehen." Sofern der Strom bei anderen Mietparteien mit deren Zustimmung in die frostige Wohnung geleitet wird, ist alles in Ordnung. Werden jedoch Verteilerkästen im Keller anzapft, macht man sich strafbar.

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