Tödliche Unfälle 2015 : Wo Schleswig-Holsteins Straßen am gefährlichsten sind

77 Menschen starben im vergangenen Jahr bei Unfällen - darunter zwei Kinder. Eine traurige Jahresbilanz.

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06. Januar 2016, 20:24 Uhr

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Der Blick auf die Karte ist erschreckend! Über ganz Schleswig-Holstein verteilt kamen im vergangenen Jahr 77 Menschen bei 75 Unfällen ums Leben. Darunter waren auch zwei Kinder in Bad Segeberg und in Garding. Zum Vergleich: 2014 starben deutlich mehr Menschen. Die offizielle Unfallstatistik des Innenministeriums zählte 121 Tote. shz.de hat auf Basis der Polizeimeldungen ausgewertet, wo es 2015 auf Schleswig-Holsteins Straßen am gefährlichsten war*. Bei genauerem Hinsehen ergeben sich Unfallschwerpunkte.

B76: die gefährlichste Straße

B76 in Neudorf-Bornstein: Für den Fahrer des VW-Passat kam jede Hilfe zu spät.
Lauterbach
Ein Pkw prallte auf der B76 bei Neudorf-Bornstein gegen einen Schwerlaster – der Fahrer des Autos war sofort tot, vier weitere Menschen wurden verletzt.

Der Unfallschwerpunkt schlechthin war im vergangenen Jahr die Bundesstraße 76. Sieben Menschen kamen auf der Nord-Ost-Achse Schleswig-Holsteins ums Leben. Drei von sechs Unfällen ereigneten sich dabei fast an gleicher Stelle: in Höhe des kleinen Ortes Neudorf-Bornstein. Immer krachte es beim Überholen. Die Polizei ist längst aufmerksam geworden. Denn Tote sind hier leider keine Neuigkeit. Landwirt Hans-Joachim Dibbern zählte „mindestens 50 Tote“ seit 1961. Das Problem: Die Strecke verleitet zum Überholen. Sie verläuft schnurstracks, wie mit einem Lineal gezogen. Die Polizei hat reagiert. „Die Unfallkommission trifft sich regelmäßig, berät und wird tätig“, erklärt Ove Fallesen vom Landespolizeiamt. Als Folge der Unfälle 2015 wurde erneut das bereits bestehende Überholverbot verlängert. Situation.„Wir haben auf der etwa zwei Kilometer langen Strecke alle 750 Meter Schilder aufstellen lassen“, teilte Andreas Brück von der Kreisverwaltung, Fachbereich Verkehr, mit. Außerdem soll eine durchgezogene Linie auf das Überholverbot hinweisen.

Auch zwei weitere Unfälle auf der B76 passierten beim Überholen. In Höhe Dodau kollidierte ein 22-jähriger Motorradfahrer - ebenfalls auf gerader Strecke - mit einem Auto und starb. Bei Lephan (Kreis Plön) geriet ein 62-Jähriger in den Gegenverkehr und wurde von einem Kieslaster eingeklemmt.

Maßnahmen gegen waghalsige Überholmanöver hätten den tödlichen Unfall auf der B76 in Kiel nicht verhindern können. Weil er Probleme mit seinem Anhänger hatte, stand ein 38-Jähriger neben seinem Auto in der Nothaltebucht. Eine Fahrerin übersah den Mann bei einem Ausweichmanöver und stieß mit ihm zusammen. Der 38-Jährige starb an seinen Verletzungen.

A1: die gefährlichste Autobahn

Ein Toter und ein Schwerverletzter sowie ein riesiges Trümmerfeld - das war die Bilanz eines schweren Verkehrunfalls auf der Autobahn 1 bei Reinfeld.
Jens Burmester
Ein Toter und ein Schwerverletzter sowie ein riesiges Trümmerfeld - das war die Bilanz eines schweren Verkehrunfalls auf der Autobahn 1 bei Reinfeld.

Drei von vier Unfällen auf der Autobahn 1 passierten zwischen Rethwischfeld und Reinfeld im Kreis Stormarn. Die Strecke ist nur etwa sieben Kilometer lang, hat es aber in sich. Drei Menschen starben auf der dreispurigen Autobahn. Ein Mann verunglücke, als er beim Überholen die Kontrolle über sein Auto verlor. Ein weiterer hielt aus ungeklärtem Grund auf dem rechten Fahrsteifen an, stieg aus und wurde von einem Lastwagen überfahren. Ein Dritter wurde ebenfalls von einem Lastwagen überrollt. Es besteht allerdings vermutlich kein Zusammenhang.

Im weiteren Verlauf der A1 in Richtung Norden kam es im Januar zu einem fatalen Glätteunfall. Kurz vor der Anschlussstelle Scharbeutz gerieten zwei Wagen ins Schleudern. Dabei prallte der Pkw eines 77-Jährigen auf den einer 49-jährigen Fahrerin. Die Frau verstarb noch während der Bergungsarbeiten an ihren Kopfverletzungen.

Kreis Schleswig-Flensburg: Die gefährlichste Region

Beim bloßen Blick auf die Karte fällt es schwer, regional zu differenzieren. Ist nun der Norden, Süden oder Osten am gefährlichsten? An der weniger dicht besiedelten Westküste kam es jedenfalls zu vergleichsweise wenig Unfällen. Im vergangenen Jahr galt die B5 noch als Unfallschwerpunkt.

Der Vergleich der Kreise und kreisfreien Städte wird deutlicher: Im Kreis Schleswig-Flensburg gab es die meisten tödlichen Unfälle, besonders rund um Flensburg. In den Städten selbst kommt es allerdings deutlich seltener zu schlimmen Unfällen als auf dem Land. Bis auf Kiel blieben die kreisfreien Städte von tödlichen Unfällen verschont.

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Das Auto bleibt das gefährlichste Verkehrsmittel

Das Auto wurde bei dem Frontalzusammenstoß komplett zerstört.
Kröger
Bei einem schweren Unfall auf der B104 bei Lübeck ist ein Auto in zwei Teile zerrissen worden.

Neben dem Pkw ist das Motorrad noch immer eines der Verkehrsmittel mit der höchsten Unfallquote. 18 Biker starben so im vergangenen Jahr, der erste von ihnen kam bereits im März ums Leben. Bei einem besonders schweren Unfall starben Ende Oktober ein Motorradfahrer und seine erst 20 Jahre alte Begleiterin. Die beiden verunglückten in der Gemeinde Neudorf-Bornstein in Richtung Eckernförde bei einem langgezogenen Überholmanöver. Sie hatten bereits mehrere Fahrzeuge hinter sich gelassen, als sie gegen einen plötzlich links abbiegenden Traktor prallten, teilte die Polizei mit.

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Im Sommer ist es besonders gefährlich

Bei Hemdingen stirbt ein 26-jähriger Motorradfahrer nach einem Zusammenprall mit einem Auto.
Uthoff
Bei Hemdingen stirbt ein 26-jähriger Motorradfahrer nach einem Zusammenprall mit einem Auto.

Tödliche Unfälle durch Glätte sind in Schleswig-Holstein 2015 die Ausnahme gewesen. Die meisten Unfälle wurden im Sommer registriert. Über Gründe kann nur spekuliert werden. Im Frühjahr und Sommer sind beispielsweise mehr Motorradfahrer unterwegs. Der Verkehr durch Touristen scheint keinen signifikanten Einfluss auf die Zahl der tödlichen Unfälle zu haben.

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* Die Karte hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Innenministerium gibt traditionell im Frühjahr eine offizielle Unfallstatistik heraus. Dieses Jahr am 17. März.

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