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Achtrup : Wo die Bürgermeisterin jeden persönlich kennt

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1124 Gemeinden mit teils nur ein paar hundert Bürgern gibt es in Schleswig-Holstein - in ganz Dänemark sind es gerade einmal 98 mit einer Mindest-Einwohnerzahl von 30000.

shz.de von
erstellt am 07.Mär.2008 | 01:16 Uhr

Hannelore Schulze, Bürgermeisterin von Achtrup im Kreis Nordfriesland, ist stolz auf eine noch ganze frische Allianz: 29 Gemeinden und die Stadt Niebüll bilden jetzt gemeinsam das Amt Südtondern. "Die Verhandlungen waren schwierig und Kräfte zehrend. Aber wir haben in Zukunft mehr Schlagkraft und können größere Projekte für die Region durchsetzen", hofft Hannelore Schulze mit einem Augenzwinkern. Die patente Frau, ehemalige Lehrerin, "regiert" seit 2003 in Achtrup und behauptet sich in der Gemeindevertretung allein unter Männern.
Als Bürgermeisterin ist sie Ansprechpartnerin für die großen und kleinen Probleme der Bürger und hat deshalb nie wirklich frei. Ihr Alter, 64 Jahre, sieht man ihr nicht an, sie wirkt agil, kompetent und erzählt mit großer Begeisterung - und auch gern mit Händen und Füßen. Ihr Ehrenamt, zunächst als Gemeindevertreterin und jetzt als Bürgermeisterin, ist für sie Ehrensache. "Ohne freiwilliges Engagement wären wir in Achtrup verloren. Wir haben rund 30 Vereine und Verbände - unsere Bürger engagieren sich." Der Ort mit gut 1500 Einwohnern hat eine Grundschule und einen Kindergarten: das Herzstück des Ortes. Denn viele kleine Dörfer im Land geraten in einen Abwärtsstrudel, wenn der Nachwuchs nicht mehr vor Ort betreut werden kann.
"Unsere Freiwillige Feuerwehr hat keine Nachwuchssorgen"
Achtrup hält eisern dagegen, weist immer neue Baugebiete für junge Familien und auch Gewerbeflächen aus. Über all das wacht Hannelore Schulze und ist - wie sie betont - 24 Stunden für ihre Bürger da. "Jeden Donnerstagnachmittag ist Sprechstunde für die Achtruper." Rund um die Uhr können die Einwohner die Gemeinde über einen Wunsch- und Meckerkasten kontaktieren. Zur Fragestunde kommen Schüler, um ihr Zeugnis kostenfrei beglaubigen zu lassen oder der Rentner, der einen amtlichen Stempel für seine Unterlagen benötigt. Der direkte Kontakt zu den Bürgern ist Hannelore Schulze wichtig: "Ich kenne fast jeden einzelnen hier im Ort. Noch können wir den individuellen Kontakt halten. In den größeren Ämtern wird das schon schwieriger!"
Im Haus der Freiwilligen Feuerwehr hat sich Hannelore Schulze einen kleinen Besprechungsraum eingerichtet. An der Wand hängt eine detailgetreue Karte des Ortes. Die hat ihr Mann für sie aufgehängt. "Damit ich im Notfall jede Straße, jeden Gullydeckel und die Stromversorgung gleich finden kann", erläutert sie und blickt aus dem Fenster. Draußen kommt gerade eine Handvoll Freiwilliger Feuerwehrleute von einem Einsatz zurück. Die Bürgermeisterin empfängt sie mit einem Schulterklopfen - und mit Schokolade. "Unsere Freiwillige Feuerwehr hat keine Nachwuchssorgen" freut sich das Gemeindeoberhaupt. "Die Jugend ist aktiv dabei."
Trotzdem: In die Zukunft Achtrups blickt Hannelore Schulze mit gemischten Gefühlen. Die neue Form der Zusammenarbeit im Großamt Südtondern ist erst wenige Wochen alt und noch nicht erprobt. Wie alle Bürgermeister der verschiedenen Orte an einem Strang ziehen sollen, ist ihr schleierhaft. "So viele Meinungen und Interessen. Das wird schwer", glaubt sie. Dennoch: Die Nachbarn auf der anderen Seite der Grenze machen vor, dass es gehen kann. Hannelore Schulze und "ihre Achtruper" sind auch schon auf dem Weg.
Achtrup in Zahlen
Einwohner: 1563 (Amt Südtondern rund 40 000)
Gemeindefläche in ha: 2999 (Amt Südtondern rund 500 km2)
Haushaltsbudget für 2008: 1 775 400 (Amt Südtondern 16 238 000 )
Einrichtungen: 1 Schule, 1 Kindergarten, DRK-Ortsverein und Sozialstation
Privat geführtes Kinderheim in der alten Mühle
Gemeindevertretung
Von den 13 Sitzen in der Gemeindevertretung haben der SSW und die Wählergemeinschaft WG seit der Kommunalwahl 2003 je fünf und die CDU drei Sitze
Nächste Kommunalwahl: 25. Mai 2008
Ziele
In Achtrup ist man sehr geschichtsbewusst und bemüht, die Vergangenheit der Region durch gewissenhafte Chronikarbeit aufzuarbeiten.
Dorfverschönerung und -erhaltung

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