CCS - Alles Panikmache? : Wissenschaftler prüfen CO2-Speicher im Meer

Wie gefährlich ist CCS? Projekt-Koordinator Prof. Dr. Klaus Wallmann (l.) und Dr. Peter Linke wollen Antworten finden. Foto: os
Wie gefährlich ist CCS? Projekt-Koordinator Prof. Dr. Klaus Wallmann (l.) und Dr. Peter Linke wollen Antworten finden. Foto: os

Wissenschaftler sollen die Risiken der CO2-Speicher unter dem Meeresboden prüfen - und warnen jetzt schon vor der CCS-"Panikmache".

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23. Mai 2011, 09:11 Uhr

Kiel | Die Endlagerung von Kohlendioxid im Meeresboden ist ein heikles und viel diskutiertes Thema. Auch in Schleswig-Holstein ist die Gegenwehr gegen CCS (Carbon Dioxide Capture and Storage) groß. Für wissenschaftlich fundierte Argumente - seien sie nun pro oder contra - soll das Projekt "ECO2" der Europäischen Union sorgen, das unter der Leitung des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-Geomar) gestartet und am Freitag vorgestellt wurde.
In den kommenden vier Jahren untersuchen 27 Partnerinstitutionen aus neun Nationen, welche Auswirkungen CCS auf die Umwelt hat, wie sicher mögliche CO2-Speicher sind und welche Risiken existieren. Projekt-Koordinator ist Prof. Dr. Klaus Wallmann. "Wir wollen herausfinden, ob an den Speicherstätten Leckagen entstehen und wie sich diese auf umgebende Ökosysteme auswirken könnten", sagt er.
Kritik an CCS-"Panikmache"
Ziel des Projekts sei nicht eine Rechtfertigung für CCS. "Sollten sich die Risiken als zu groß erweisen, dann könnte eine Schlussfolgerung sein, dass CCS nicht funktioniert", betonte Wallmann. Er gehe aber eher davon aus, dass am Ende über Grenzwerte diskutiert werde, wie viel CO2 entweichen dürfe.
Wallmann kritisierte "Panikmache" im Zusammenhang mit CCS. "Mir wäre mulmig, wenn ich ähnliche Probleme mit Atommüll so lösen würde. Aber die CCS-Technologie ist fehlertolerant. Wenn alles schief läuft, dann haben wir das, was wir heute haben, und das produzierte CO2 würde freigesetzt werden."
Druck verspüren die Wissenschaftler zwar von allen Seiten. "ECO2" sei aber komplett öffentlich finanziert - unter anderem fördert die EU das Projekt mit 10,5 Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln. Eine erste von insgesamt 20 geplanten Schiffsexpeditionen, die der Biologe und Gerätetechniker Dr. Peter Linke koordiniert, soll in den kommenden Tagen starten. Dann geht es vor die Nordseeinsel Juist, wo natürliche CO2-Austritte festgestellt wurden, und anschließend nach Norwegen, wo vor der Küste bereits zwei CO2-Speicher betrieben werden.
(os, shz)

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