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Fahrtzeit durch Umwege : „Wir quälen uns durch euer Land“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Betroffene und Politiker diskutieren in der Akademie Sankelmark über Verkehrsprobleme des nördlichen Landesteils

shz.de von
erstellt am 10.Sep.2013 | 08:00 Uhr

Oeversee | „Wir Dänen fühlen uns verkehrstechnisch plötzlich auf eine Insel versetzt, da alle Hauptverkehrswege durch Schleswig-Holstein stark beeinträchtigt sind. Mangels Alternativen quälen wir uns durch Euer Land!“ Die zusätzliche Fahrtzeit durch Umwege, verringerte Geschwindigkeiten und lange Staus sei mit enormen Kosten für die dänische wie für die skandinavische Wirtschaft verbunden. Hinrich Jürgensen, Vorsitzender des Bundes deutscher Nordschleswiger, unterbreitete in einer Diskussion in der Akademie Sankelmark mehrere Vorschläge zur Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur Norddeutschlands. Die Runde erläuterte und diskutierte Hintergründe der Verkehrspolitik mit ihren Auswirkungen auf Durch- und Einreisende sowie auf Bewohner des Landesteils.

Die Logistikunternehmen rechnen momentan mit Mehrkosten von bis zu 100 Euro pro Kanalquerung. Für Terminwaren-Transporte verringere sich die Verlässlichkeit bei der Lieferung, hier entstehe das wirtschaftlich größere und eventuell nachhaltigere Problem, erklärte der Spediteur Hans-Joachim Wohlert (Bollingstedt). Unerwartete Umleitungen und Staus bedeuten längere Lenkzeiten für die Fahrer. Bei Viehtransporten gelten zudem schärfere tierschutzrechtliche Bedingungen.

Die bevorstehenden Bauarbeiten im Raum Hamburg werden sich nach Ansicht des Unternehmers Peter Hamisch negativ auf die Gästezahlen auswirken, träfen damit den Tourismus. Westküsten-Urlauber und auch dänischeLastzüge seien in den vergangenen Wochen über Husum ausgewichen. Jedoch sei jetzt gerade eine neue Baustelle bei Itzehoe eingerichtet worden. Die Feinabstimmung zwischen den Einsatzstellen müsse verbessert werden, so Hans-Jörg Arp, der als verkehrspolitischer Sprecher der CDUim Landtag sitzt. Einig waren wohl alle Anwesenden darüber, dass alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden müssen, um Bauvorhaben beschleunigt realisierten zu können. Indes wurden richtungsweisende Signale der Landesregierung an die Wirtschaft schmerzlich vermisst.

Der Däne Hinrich Jürgensen nennt vier Vorschläge für die norddeutsche Infrastruktur: ein Ausbau der B5 zur Anbindung an das dänische Straßennetz als zusätzliche Entlastung für die Rader Hochbrücke, der Bau einer doppelspurigen Schienenverbindung von Aarhus nach Hamburg für den Güterverkehr – dann könnten die 850 m langen dänischen Züge ihre Fahrt über die Grenze hinaus fortsetzen, am besten mit einem neuen Kanaltunnel; ferner wünscht sich Jürgensen den Bau eines deutsch-dänischen Grenzbahnhofes für den internationalen Zugverkehr und ein deutsch-dänisches Strukturabkommen zum Vorantreiben von gemeinsamen Maßnahmen.

Zum Rendsburger Tunnel: Der Flensburger Spediteur Hans-Christian Carstensen hatte dem Land vorgeschlagen, den Tunnel vorrangig für Lastwagen zu öffnen. Pkw sollten lediglich zu den Pendlerzeiten passieren dürfen. Dann müssten auch seine Transporter dort nicht ewig im Stau stehen. Bislang habe sich niemand geäußert.

Fazit der Diskussion: Ohne eine verbesserte Verkehrsinfrastruktur werde der Norden als Wirtschaftsraum abgehängt.


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