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Kommentar : Windrad-Unfälle – Kein Grund zur Panik

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Welche Konsequenz der Absturz eines Rotorflügels von einer der größten Windkraftanlagen Deutschlands haben sollte – und welche nicht. Ein Kommentar von Henning Baethge.

shz.de von
erstellt am 08.Jan.2014 | 07:21 Uhr

Ein bisschen mulmig kann einem ja schon werden, wenn man jetzt auf der A7 an den 200 Meter hohen Windrädern südlich des Elbtunnels vorbeifährt. Von einer Anlage desselben Typs ist in Rheinland-Pfalz aus heiterem Himmel mitten im laufenden Betrieb ein 60 Tonnen schweres Rotorblatt abgebrochen und herabgestürzt. Die Ursache ist bisher ungeklärt. Was, wenn das auch in Hamburg passiert? Fliegt der Flügel dann womöglich mit Schwung die 250 Meter bis zur Autobahn?

Keine Panik. In der Pfalz landete der Rotor bei schwachem Wind zum Glück direkt neben der Anlage auf einem Feld. Und das ist nur der schwächste Grund, aus dem Autofahrer auf der A7 ebenso wie Spaziergänger überall im Norden weiterhin beruhigt die in der Landschaft stehenden Windräder passieren können. Unfälle wie der von letzter Woche sind extrem selten – die Branche sorgt schon aus eigenem wirtschaftlichen Interesse dafür, dass die Anlagen möglichst sicher sind. So weist bisher auch nichts darauf hin, dass der jüngste Absturz mit der Größe oder der Konstruktion der neuen Sechs-Megawatt-Riesen zu tun hat. Vielmehr könnte ein Materialfehler den Absturz verursacht haben. Die Energiewende muss also nicht abgeblasen werden.

Zumindest eine Konsequenz sollte der Unfall im Südwesten allerdings haben. Denn auch wenn solche spektakulären Pannen höchst selten sind, können sie schlimmstenfalls Menschenleben gefährden. Es spricht daher viel dafür, dass für Windkraftanlagen künftig strengere Abstandsregeln zu Straßen und Wegen gelten als bisher. Während die Mindestentfernung zu Wohnsiedlungen in Schleswig-Holstein bereits auf 800 Meter festgelegt ist und zu einzeln stehenden Häusern auf 400 Meter, gibt es für Verkehrswege nur eine weniger weit reichende Soll-Vorschrift, die oft missachtet wird. Andere Bundesländer haben für diese Fälle sogar überhaupt keine Regeln. Beides sollte sich nun ändern.

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