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Brunftzeit : Wildunfälle: Vorsicht, Autofahrer!

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Der Oktober bringt zusätzliche Gefahren für Autofahrer und Wildtiere: Seit drei Jahren steigt die Zahl der Unfälle mit Rehen, Damwild und Wildschweinen. Doch das Risiko lässt sich mindern.

Gute Nachrichten von den Straßen: In Schleswig-Holstein ist die Zahl der Wildunfälle im ersten Halbjahr 2014 nur leicht gestiegen – um 52 auf 6034 Fälle. Der Oktober ist nun allerdings die Brunftzeit des Damwilds. „Damit wird es auf den Straßen wieder gefährlicher“, warnt Marcus Börner von Landesjagdverband.

Spitzenreiter bei den Wildunfällen in den ersten sechs Monaten ist nach der Statistik des Landespolizeiamts der Kreis Rendsburg-Eckernförde (973 Fälle), gefolgt von den Kreisen Schleswig-Flensburg (834) und Segeberg (676). Die wenigsten Unfälle ereigneten sich im Kreis Pinneberg (205), außerdem in den Städten Flensburg, Kiel, Lübeck und Neumünster.

Der Halbjahrestrend fügt sich in das Gesamtbild im Norden: Seit drei Jahren ist die Zahl der Unfälle wieder leicht gestiegen, lag zuletzt bei 13.000 Karambolagen. Auf Anregung des Landesjagdverbands sind in Schleswig-Holstein 25 „Teststrecken“ ausgewählt worden, auf denen genau untersucht wird, welche Schutzmaßnahmen helfen können. Dank Duftzäunen und blauer Reflektoren an den Leitpfosten sind die Unfallzahlen dort bereits um 80 Prozent zurückgegangen.

Die blauen Reflektoren, die relativ kostengünstig sind, haben sich mittlerweile weit verbreitet. Jäger haben über 25.000 Stück montiert, damit 250 Kilometer Straße sicherer gemacht. Marcus Börner warnt jedoch vor übergroßem Optimismus. „Bei den Reflektoren hat sich gezeigt: Sie schützen nicht überall gleich gut.“ So wirkten sie an Feldrändern besser als Waldrändern. „Dort werden die Lichtreflexe, die dem Wild Gefahr signalisieren, wegen der Bäume nicht so weit gestreut. Die Tiere sehen sie zu spät.“

Die Frage wie stark einzelne Straßen im Norden von Wildunfällen betroffen sind und warum, ist vielfach noch offen. Der Landesjagdverband hat deshalb mit der Kieler Uni ein Totfundkataster eingerichtet, in das alle Jäger seit 2011 getötete Wildtiere eintragen können – mittlerweile auch ganz bequem per App vor Ort. „Diese Datenbank liefert erstmals einen Überblick über alle Wildunfälle und ihre Schwerpunkte  in Schleswig-Holstein“, erklärt Börner. Eine erste detaillierte Auswertung soll mit dem Artenschutzbericht im November vorgestellt werden.

Bereits jetzt zeigen die Daten, dass das Reh mit 78 Prozent die am häufigsten gemeldete Wildart ist, gefolgt Damwild und Wildschweinen. Die Hauptunfallzeiten bei den Rehen sind Mai, Oktober und November, beim Damwild Oktober und November. Grundsätzlich kracht es wegen der Brunftzeiten im Herbst häufiger als im ersten Halbjahr. Verschärft wird die Gefahr durch die Zeitumstellung am 26. Oktober. Für einige Wochen fällt der Berufsverkehr  genau in die Morgendämmerung, in der zum Beispiel Wildschweine bei der Futtersuche die Straßen überqueren.

Häufungen von Wildunfällen an bestimmten Punkten deuten laut Landesjagdverband  auf eine Zerschneidung von wichtigen Wanderachsen der Tiere hin. Solche Bereiche müssten entschärft werden, etwa durch Wildbrücken.

Doch es gibt auch andere Lösungen, die weniger kosten. Eine historische Wanderachse mit Unfallschwerpunkt liegt im Verlauf der B202 am Rastorfer Kreuz (Kreis Plön). 2004 wurde dort ein Wildschutzzaun aufgestellt. Die Zahl der jährlichen Unfälle halbierte sich von 50 auf 25, jedoch verschoben sich die Karambolagen an die Zaunenden. Der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) hat deshalb 2011 den Zaun an zwei Stellen geöffnet und die beiden ersten elektronische Wildwarnanlagen Norddeutschlands installiert. Sobald ein Tier in den Sensorfelder neben der Fahrbahn erkannt wird, warnen die LED-Verkehrszeichen die Autofahrer, nur noch Tempo 70 zu fahren.

Rund 1800 Querungen pro Jahr sind seitdem per Video dokumentiert worden, die größten Anteil haben mit knapp zwei Dritteln die Damhirsche. Der Erfolg der Anlage ist mittlerweile deutlich erkennbar. „Bei bis zu 20 Prozent der Alarme hatten wir Fahrzeuge in unmittelbare Nähe“, sagt Steffen Rublack vom LBV. Das bedeutet: In diesen Fällen war es kritisch, hat die Wildwarnanlage sehr wahrscheinlich einen Zusammenstoß verhindert.

2013 hat es nur noch sieben Unfälle gegeben. Laut LBV habe die Videoauswertung gezeigt, dass  die betroffenen Autofahrer das  Tempo-Limit missachtet hatten. Der Bund hat sich das Pilotprojekt im Norden 800000 Euro kosten lassen. Rublack ist sich sicher: „Die Erkenntnisse, die wir mit der Anlage sammeln, werden auch in anderen Bundesländern helfen, Wildunfälle zu vermeiden.“

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erstellt am 08.Okt.2014 | 14:49 Uhr

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