Schutz im Mais : Wildschweine fühlen sich in SH sauwohl

Image-Kampagne: Die Landesjäger verteilen Postkarten. Unter dem  Motto 'Fakten statt Vorurteile'  legt der  Landesjagdverband daher in der Zeit von Donnerstag an bis zum 15. August rund 40.000 Imagekarten mit diversen Motiven in 110 Szenelokalen, Kinos und Restaurants in den Städten Kiel, Lübeck und Flensburg als kostenlose Edgar Freecards auslegen.
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Image-Kampagne: Die Landesjäger verteilen Postkarten. Unter dem Motto "Fakten statt Vorurteile" legt der Landesjagdverband daher in der Zeit von Donnerstag an bis zum 15. August rund 40.000 Imagekarten mit diversen Motiven in 110 Szenelokalen, Kinos und Restaurants in den Städten Kiel, Lübeck und Flensburg als kostenlose Edgar Freecards auslegen.

Immer stärker breiten sich Wildschweine in Schleswig-Holstein aus - denn sie finden Deckung in den immer mehr werdenden Maisfeldern.

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18. Juli 2013, 10:55 Uhr

Flintbek/Rendsburg | Von den langen, strengen Wintern der vergangenen Jahre zeigen sie sich unbeeindruckt - nahezu ungebremst breiten sich die Wildschweine weiter im Norden aus. "Es ist davon auszugehen, dass sich die Wildschweinpopulation in den kommenden Jahren noch einmal deutlich erhöhen wird", sagte Marcus Börner, Sprecher des Landesjagdverbands Schleswig-Holstein in Flintbek bei Kiel, voraus.
Ein großes Problem - vor allem für die Landwirte. "Wildschweine richten auf den Feldern gewaltige Schäden an", berichtet Bauernverbandssprecher Klaus Dahmke in Rendsburg. Nicht nur auf Äckern, sondern auch auf Grünland, wo die Tiere auf der Suche nach Engerlingen und Würmern die Grasnarbe regelrecht umpflügen.

Versteck im Mais

Der Wandel in der Landwirtschaft trägt allerdings auch dazu bei, dass sich Wildschweine im Land zwischen den Meeren sauwohl fühlen - unter anderem durch den stetig zunehmenden Ausbau von Maisflächen für Biogasanlagen, so Börner. Dadurch hätten sich die Tiere bereits in Regionen ausgebreitet, "die bis vor wenigen Jahren für die Schwarzkittel aufgrund des Nahrungsangebotes und der Landschaft vollkommen unattraktiv waren", so der Sprecher des Landesjagdverbandes.
"Das stimmt, gerade im nördlichsten Bundesland finden die Wildschweine das Jahr durchgehend exzellente Deckung", räumt Bauernsprecher Dahmke ein. Im Frühsommer ducken sich die Tiere im Getreide weg, im Spätsommer und Herbst flüchten die Tiere dann in die Maisfelder. Die Möglichkeiten, sich innerhalb der eine Million Hektar umfassenden Landwirtschaftsfläche in Schleswig-Holstein zu verstecken, sind groß: Insgesamt knapp 380.000 Hektar machen alle Weizen-, Gersten- und Rapsfelder aus, hinzu kommen 180.000 Hektar Maisanbaufläche.

2011 so viele Wildschweine getötet wie noch nie

Wie viele Wildschweine es im Land wirklich gibt, kann niemand benennen. "Einziges Instrument" sei die "Jagdstrecke", sagt Börner. Vereinfacht ausgedrückt: Sind viele Wildschweine vorhanden, laufen auch mehr der Tiere dem Jäger vor die Flinte. Tatsächlich ist die Jagdstrecke bei Schwarzwild im jüngsten Jagdjahr, also vom 1. April 2012 bis 31. März 2013, nach Angaben von Börner wieder stark hochgeschnellt - auf 13.921 Wildschweine. Das sind 51 Prozent mehr als im Jahr zuvor, als die Strecke noch bei 9203 Tieren lag und seit langem erstmals stark gesunken war. Der Trend der stetigen Zunahme von Wildschweinen im Norden scheint somit zurückzukehren. 1960 wurden nur 826 Tiere zur Strecke gebracht, 1980 waren es bereits fast doppelt so viele, und Ende des Jagdjahres 2011 wurde der bisherige Jagdstrecken-Rekord in Schleswig-Holstein mit 16.092 Wildschweinen erreicht.
Der Nabu warnt jedoch davor, Wildtiere nur unter dem Aspekt der Nützlichkeit zu sehen: "Viele Jäger definieren das Wild rein durch die menschliche Brille und verharren im Schädlings-Nützlings-Denken."
Im frühen 20. Jahrhundert nur im Südosten Schleswig-Holsteins heimisch, haben sich die anpassungsfähigen Tiere stark ausgebreitet. "Die Wildschweine sind längst an der dänischen Grenze angekommen", sagt Börner. Allein im Kreis Schleswig-Flensburg beträgt die jüngste Jagdstrecke bei Schwarzwild 76 Tiere.
Jäger und Bauern bemühen sich inzwischen um eine intensivere Zusammenarbeit. So würden rund um Maisanbauflächen Grünlandsäume und mitten hindurch Schneisen geschaffen, damit Jäger hier den Tieren besser nachstellen können. Lässt sich die Plage damit eindämmen? "Ja, bestimmt", betonten Börner und Dahmke gleichlautend. "Wenn auch eher auf höherem Niveau."

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