Nach Klage von Lübecker Linken : Wikipedia ist wieder da

So sah Wikipedia am Wochenende bis zum Montagmittag aus - das Landgericht Lübeck habe per einstweiliger Verfügung vom 13. November vorerst verboten, 'die Internetadresse wikipedia.de auf die Internetadresse de.wikipedia.org weiterzuleiten'. teilte der Verein Wikimedia Deutschland, der die Adresse betreibt, mit. Screenshot: dpa
So sah Wikipedia am Wochenende bis zum Montagmittag aus - das Landgericht Lübeck habe per einstweiliger Verfügung vom 13. November vorerst verboten, "die Internetadresse wikipedia.de auf die Internetadresse de.wikipedia.org weiterzuleiten". teilte der Verein Wikimedia Deutschland, der die Adresse betreibt, mit. Screenshot: dpa

Das Internetlexikon Wikipedia ist wieder im Netz - nachdem es von einem Lübecker Linken lahngelegt worden war. Lutz Heilmann hatte sich falsch dargestellt gesehen und geklagt.

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18. November 2008, 08:50 Uhr

Die Affäre um die Sperrung der Website wikipedia.de ist beendet. Der Linken-Bundestagsabgeordnete Lutz Heilmann zog am Montag gegenüber dem Landgericht Lübeck seinen Sperrantrag rechtswirksam zurück. Damit verliere auch die Einstweilige Verfügung des Gerichts ihre Gültigkeit, sagte Richterin Gesine Brunkow. Der Verein Wikimedia Deutschland dürfe auf seiner Website wikipedia.de wieder auf die deutschsprachige Wikipedia (de.wikipedia.org) verlinken, sagte die Gerichtssprecherin. Der Verein stellte daraufhin seine Website gegen 12.30 Uhr wieder auf das Wikipedia-Angebot um.
Heilmann, der in den Jahren 1985 bis 1990 als Personen- und Objektschützer bei der Stasi beschäftigt war, hatte am Donnerstag eine Sperrung der Weiterleitung von wikipedia.de auf das in den USA beheimatete Angebot von Wikipedia beantragt. Seiner Ansicht nach wurden in einem Wikipedia-Artikel über seine Person unwahre Behauptungen über ihn aufgestellt. Das deutschsprachige Internet-Lexikon Wikipedia war aber weiterhin über die Adresse http://de.wikipedia.org zu erreichen.
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Solidarität und Spenden
Sebastian Moleski, der Geschäftsführer von Wikimedia Deutschland, sagte, Heilmann sei schlecht beraten gewesen, überhaupt vor Gericht gegen den Verein vorzugehen. "Wir sind für die Inhalte der deutschsprachigen Wikipedia nicht verantwortlich." Wenn Personen mit Inhalten der Wikipedia über sich selbst nicht einverstanden seien, gebe es andere Wege, um zum Ziel zu kommen. Die überwiegende Mehrzahl von Problemen werde einvernehmlich intern gelöst, ohne dass Gerichte bemüht werden müssten.
Die Heilmann-Affäre hat nach Angaben von Moleski zu einer merkbaren Unterstützung der Wikipedia-Bewegung in Deutschland geführt. Gegenüber dem bisherigen Maß nach einem entsprechenden Spendenaufruf von Anfang November habe sich das Spendenaufkommen in den vergangenen Tagen verdreifacht, sagte eine Wikimedia-Sprecherin. "Die Anzahl von Solidaritätsbekundungen, E-Mails, Telefonanten und nicht zuletzt Spenden war enorm." Dies zeige auch, welche Bedeutung das Online-Lexikon mittlerweile für viele Anwender habe. "Viele Leute verlassen sich auf die Wikipedia", sagte Moleski. Er räumte ein, dass der Artikel über Heilmann inzwischen besser sei als vor dem Gerichtsbeschluss. "Seit Freitag wurde der Artikel hundertfach überarbeitet und dabei wurden auch einige unbewiesene Behauptungen über Heilmann entfernt." Den Wikipedia-Machern sei Quellengenauigkeit und Glaubwürdigkeit sehr wichtig. "Man kann nicht einfach Behauptungen übernehmen, nur weil sie irgendwo gestanden haben."
Lübecker Partei distanziert sich von Heilmann
Heilmann erklärte auf seiner eigenen Website, der juristische Weg habe sich für diese Auseinandersetzung "insoweit als problematisch erwiesen, als durch die Struktur von Wikipedia die anderen Userinnen und User in Mitleidenschaft gezogen werden". Das sei nicht seine Absicht gewesen. Er "bedaure außerordentlich", dass durch die von ihm beantragte Einstweilige Verfügung des Landgerichts Lübeck "die deutschen Wikipedia-Userinnen und -User in den letzten 24 Stunden keinen direkten Zugriff mehr auf die Wikipedia-Inhalte hatten".
Unterdessen haben die beiden Geschäftsführer der Lübecker Linken mitgeteilt, dass sich der Kreisverband der Partei von Heilmann distanziere. Gerade die unkommerziellen Medien müssten gestärkt werden, die Sperrung von Wikipedia entspreche nicht der Politik der Linken, heißt es in einer Pressemeldung des Kreisverbandes.

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