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Dunkelfeldstudie der Polizei : Wie viele Verbrechen gibt es wirklich in SH?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Landeskriminalamt befragt 25.000 Schleswig-Holsteiner. Wie sicher fühlen sie sich im Norden? Die Teilnahme ist bisher vielversprechend.

Kiel | Die Schleswig-Holsteiner wollen es wissen: Wie groß ist Kluft zwischen Kriminalstatistik und Wirklichkeit? Noch bis Freitag können die 25.000 Befragten der Dunkelfeldstudie des Landeskriminalamts ihre Antworten nach Kiel schicken. Doch schon jetzt wurden die Erwartungen der Polizei übertroffen. „Wir haben bereits 12.812 anonyme Antworten bekommen. Das ist ein sehr gutes Ergebnis“, sagt Tanja Dittjen. Sie ist eine der drei LKA-Beamten, die für die Studie zuständig waren. Zwar sei noch nicht klar, ob alle Einsendungen auch wirklich statistisch verwertbar sind, aber schon jetzt deute alles auf ein repräsentatives Ergebnis hin.

Ausgefüllt bietet der 20-seitige Fragebogen ein umfassendes Bild über das Leben und das Sicherheitsgefühl der Befragten. Haben Sie momentan eine feste Partnerin? Wie oft gehen Sie abends aus? Wären Sie in der Lage sich körperlich zu wehren, wenn Sie alleine auf der Straße bedroht werden? Waren Sie 2014 Opfer einer Straftat? Das sind nur einige der insgesamt 50 Fragen aus den fünf Bereichen Lebensumstände, Kriminalitätsfurcht, Kriminalitätsbelastung, Bewertung der Polizei und Cybercrime. „Am Ende lassen sich zwischen den einzelnen Fragen wertvolle Querbeziehungen ausmachen“, erklärt Dittjen. Fühlen sich zum Beispiel ältere Menschen weniger sicher als junge? Wenn ja: Woran liegt das? Welche Ängste haben die Menschen in Schleswig-Holstein? Werden Frauen häufiger Opfer von Straftaten oder Männer?

Die ersten Zahlen sollen schon in diesem Sommer zur Verfügung stehen. Dafür hat das Landeskriminalamt einen Dienstleister in Süddeutschland beauftragt. Das Material wird dann Kriminologen und Soziologen zum Beispiel in der Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung Schleswig-Holstein in Altenholz zur Verfügung gestellt. Die Auswertung der Ergebnisse werde sehr komplex und deshalb auch unter Einbeziehung von Wissenschaftlern und nicht ausschließlich von Kriminalbeamten übernommen.

Gerade bei Sexualstraftaten, Cybercrime und Betrug sei das Anzeigeverhalten traditionell gering. Die Gründe seien vielfältig. „Ich wollte meine Ruhe haben und das Ereignis vergessen“, „Ich wollte nicht, dass es öffentlich wird“ oder „Ich hatte Angst vor dem Täter/der Täterin“, sind einige Antwortmöglichkeiten in der Studie, aber auch: „Ich habe schon einmal schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht.“

Erkenntnislücken schließen – dazu beitragen sollen auch parallele Befragungen in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Wie groß das Dunkelfeld ist, ließe sich bislang nur vermuten. Das LKA hofft nun, diesen „blinden Fleck“ zu verkleinern.

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erstellt am 22.Apr.2015 | 11:58 Uhr

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