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Nach Anschlag in Berlin : Wie sich die Polizei im Norden gegen Terroranschläge wappnet

vom
Aus der Onlineredaktion

Nach dem Anschlag in Berlin rüstet auch die Polizei im Norden auf. Außerdem sollen Einsatzkonzepte überprüft werden.

shz.de von
erstellt am 27.Dez.2016 | 16:22 Uhr

Hamburg/Kiel | Als im Oktober die Terrormiliz IS den Mord an einem 16-Jährigen in Hamburg für sich reklamierte, reagierten die Ermittler zunächst mit Skepsis. Nun prüft die Polizei einen Bezug zum mutmaßlichen Attentäter Anis Amri, der kurz vor Weihnachten mit einem Lastwagen über einen Berliner Weihnachtsmarkt raste. Die traurige Bilanz: zwölf Tote, mehr als 50 Verletzte.

Der Terror auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin, vor dem die Sicherheitsapparate schon seit Jahren gewarnt hatten, ist mit dem Anschlag in der Hauptstadt plötzlich konkret geworden. Die Polizei rüstet auf, die Leute werden vorsichtiger - doch vermeiden lassen sich Anschläge wohl trotzdem nicht.

Auf die veränderte Sicherheitslage reagieren die Innenminister mit einer Rüstungsoffensive. Gleich nach dem Anschlag kündigte der Hamburger Innensenator Andy Grote (SPD) eine Überprüfung bestehender Einsatzkonzepte für Fußballspiele, Weihnachtsmärkte und andere Großveranstaltungen an. Zusätzlich rüsten die Innenministerien im Norden die Polizei besser aus, um auf mögliche Terrorlagen vorbereitet zu sein. Auch Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt kündigte nach dem Anschlag in Berlin an, die Polizeipräsenz bei Großveranstaltungen zu verstärken:

In Hamburg präsentierte die Innenbehörde im November Neuanschaffungen im Wert von 4,5 Millionen Euro: einen Radpanzer, Sturmgewehre, schwere Schutzhelme und Spezialwesten. Im benachbarten Schleswig-Holstein verweist das Innenministerium auf rund 7,5 Millionen Euro, die in diesem und im kommenden Jahr zusätzlich zum normalen Etat für Schutzausstattung, Munition und bessere Bewaffnung ausgegeben werden.

Im Bund hatte Innenminister Thomas de Maizière bereits nach den Pariser Anschlägen mit dem Aufbau einer neuen Spezialeinheit der Bundespolizei begonnen. Bis Ende Juli 2017 soll die neue „Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit plus“ (BFE+) an fünf Standorten auf insgesamt 250 Mann wachsen. Im Gegensatz zu bisherigen Elite-Einheiten, die vor allem Zugriffskommandos sind, soll die BFE auch für tagelange, großangelegte Fahndungsaktionen geschult sein, wie sie nach den Attentaten von Paris, Brüssel und auch im Fall des mutmaßlichen Attentäters von Berlin nötig wurden.

„Zeiten, in denen über notwendige Ausgaben für die Polizei zum Schutz unserer Bürgerinnen und Bürger lange und oft ohne positives Ergebnis debattiert wurde, sollten endgültig vorbei sein“, sagt der Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, Lorenz Caffier (CDU), dessen Ministerium für die Ausstattung der Polizei außerhalb des normalen Etats im kommenden Jahr 5000 Euro zusätzlich einplant.

Trotz gestiegener Terrorgefahr und sichtbarer Sicherheitsvorkehrungen müssten Großveranstaltungen wie Weihnachtsmärkte weiter stattfinden können, sagte de Maizière im Rahmen einer Telefonkonferenz der Innenminister im Dezember: „Wir dürfen und wir werden uns unser freiheitliches Leben nicht nehmen lassen.“ Seine Amtskollegen in Hamburg, Schwerin und Kiel sehen es ähnlich.

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