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Wölfe in SH : Wie reagiere ich, wenn da plötzlich ein Wolf steht?

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Aus der Onlineredaktion

Selbst in Ländern mit deutlich mehr Wölfen bekommt man Meister Isegrim kaum zu Gesicht. Und wenn doch?

shz.de von
erstellt am 08.Apr.2015 | 17:00 Uhr

Flensburg | Aggressive Näherungen von hungrigen Wölfen gegen Menschen sind weitestgehend ein Mythos. Die scheuen Tiere genießen uns mit äußerster Vorsicht. Auf ihrem Speiseplan sind wir nicht zu finden und sie meiden unsere Nähe, wenn immer ihre feinen Sinne ihnen gehorchen. Die allermeisten Sichtungen geschehen eben deshalb auch aus dem Autofenster. Doch irgendwann könnte es soweit sein: Eine Wolfsbegegnung beim Waldspaziergang. Aug in Aug, womöglich noch mit Hund. Wie soll man da reagieren?

„Eine zufällige Begegnung von Mensch und Wolf gibt es sehr selten“, sagt Ute Kröger vom Wolfsinformationszentrum im Wildpark Eekholt leicht schmunzeld auf die Frage, wie man sich auf eine mögliche Begegnung mit dem scheuen Wiederkehrer vorbereiten sollte. „Kommt es durch viele Zufälle doch dazu, liegt es zumeist an den Windverhältnissen, so dass der Wolf keine Witterung bekommt.“

Wie bei jeder anderen Begegnung von Lebewesen auch, kann gerade der Mensch in solchen  – in erster Linie für den Wolf – ungebetenen Situationen dann aber einiges falsch machen. Kommt es zu einem Stelldichein mit Meister Isegrim, geht es primär um die Wahrung eines respektvollen Abstandes. „Unbedingt die Ruhe bewahren, stehen bleiben, Arme hoch und durch Sprechen auf sich aufmerksam machen, dann hauen sie in der Regel ab“, rät Kröger.

Erscheint die die Situation etwas heikel, sollte man dringend vermeiden, davonzurennen. Langsames Rückwärtsgehen und lautes Sprechen sollten den Wolf beruhigen. „Nähert er sich dennoch, kann man sich etwa durch Öffnen der Jacke größer machen, klatschen oder lauter werden“. Auch der Wurf mit Gegenständen schlägt den Wolf in die Flucht.

Konfrontationen von Hunden und Wölfen sind Schleswig-Holstein hält Kröger nach derzeitigem Stand so gut wie unmöglich. Es könne zwar vorkommen, dass sich Wölfe interessierten, die Scheu vor dem Menschen würde ihn jedoch davon abhalten – sofern der Hund angeleint sei. Herrchen oder Frauchen ist also Schutz genug. „Wir haben ja auch nur ein einziges ausgewiesenes Wolfsgebiet, dort sollte aber man auf jeden Fall den Hund an der Leine halten.“

Etwas neugieriger und naiver – und dadurch hier und da vielleicht auch weniger scheu – sind die Jungwölfe. Ihre Unbedarftheit zeigt sich tragischerweise dadurch, dass sie in Schleswig-Holstein bereits mehrfach Opfer des Straßenverkehrs wurden, zuletzt bei Bordesholm. Aggressives Verhalten von Jungwölfen gegenüber dem Menschen ist laut Wolfsinfozentrum unbekannt.

Was die Grimmsche Angst vor dem Wolf angeht, beobachtet Ute Kröger als Leiterin der Wildparkschule Eekholt eine Veränderung über die Jahre. Die jungen Menschen von heute würden die Kreaturen um einiges differenzierter betrachten. Man müsse aber dringend beide Seiten, also auch die der Skeptischen und der Verängstigten, ernst nehmen.

Was die Ängste angeht, verweist sie auf eine Studie des Norwegischen Institutes für Naturforschung (NINA). Nach dieser kommen tödliche Angriffe von Wölfen auf Menschen so gut wie nie vor. Die seltenen Fälle sind ausnahmslos auf Tollwut oder Habituierung zurückzuführen. Letzteres sind Wölfe, die über einen längeren Zeitraum -  zum Beispiel durch Fütterung - an Menschen gewöhnt wurden. Durch solche Umstände verbindet er den Menschen immer mehr mit einer Futterquelle und kann verhaltensauffällig werden. Die Tollwut gebe es derzeit in Deutschland nicht, und am Rest könne man durch Aufklärung arbeiten, sagt Kröger.

„Wir sollten den Wolf in Schleswig-Holstein einfach in Ruhe lassen, damit er sich wohlfühlt. Wenn er sich zurechtfinden soll, müssen wir ihm aber auch seine Grenzen aufzeigen, damit er sich nicht zu sehr an uns gewöhnt“. Dazu gehöre in einer Kulturlandschaft wie der hiesigen der Herdenschutz, sonst könne man Vorfälle wie mit dem durchs Dorf tapsenden „Problemwolf“ im Kreis Herzogtum Lauenburg nicht verhindern. Würden die Schafe mit (elektrischen) Zäunen oder Hunden geschützt, assoziierten die Wölfe die Lebewesen mit Menschen und mieden die Gefahr. „Sie sind lernfähig“.

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