Carsten Köthe hilft helfen : Wie Pauline größer wird als alle anderen

Pauline ist 21 Jahre alt, aber es muss immer jemand für sie da sein.
Pauline ist 21 Jahre alt, aber es muss immer jemand für sie da sein.

Dass Pauline trotz ihrer vielen Behinderungen eine glückliche junge Frau ist, verdankt sie auch "Biene". Das Reiten auf der großen Stute hilft ihr nicht nur gegen Rückenprobleme.

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06. Dezember 2012, 12:28 Uhr

"Mein Lieblingspferd heißt Biene. Sie ist dunkelbraun und groß", sagt Pauline, und ihre Augen leuchten. "Es ist richtig toll, wenn man darauf sitzt und größer als die anderen ist!" Für Pauline Büker aus Neumünster spielt das Reiten und das Gefühl groß zu sein eine ganz besondere Rolle in ihrem Leben. Sie ist schon 21 Jahre alt, aber nur 1,37 Meter groß. Pauline hat, so heißt es fachlich, eine generelle psychomotorische Retardierung unklarer Ursache und eine rechtskonvexe Thorakolumbaskoliose, die durch eine Operation korrigiert wurde. Im verständlichen Sprach gebrauch heißt es, dass die 21-Jährige minderwüchsig ist und durch ihre Wirbelsäulenverkrümmung körperlich nicht belastbar und zudem geistig zurückgeblieben ist.
Das therapeutische Reiten, beziehungsweise der gerade Sitz auf dem Pferd und das Halten der Körperspannung, sind gut für Paulines Rückenmuskulatur, darüber hinaus fördert der Umgang mit einem Tier dieser Größe ihr Selbstwertgefühl.

Pauline kann vieles nicht alleine

Paulines Behinderung traf ihre Familie unvorbereitet. Während der Schwangerschaft wurden keinerlei Auffälligkeiten festgestellt. Bei ihrer Geburt wog Pauline etwas über fünf Pfund. Im Laufe der weiteren Entwicklung und bei den Standarduntersuchungen blieb Pauline dann immer weiter hinter ihren Altersgenossen zurück. Heute, mit 21 Jahren, kann Pauline laufen und sprechen. "Sie ist recht selbstständig. Auch die Körperpflege übernimmt sie selbst", erzählt ihre Mutter Christina Büker. "Doch es ist wichtig, dass immer jemand für Pauline da ist", so die 57-Jährige weiter. "Unsere Tochter kann im öffentlichen Leben nicht alleine sein, da sie keine Gefahren einschätzen kann. Außerdem kann sie weder lesen noch schreiben", ergänzt ihr Vater. So sind alltägliche Dinge wie eine Straße überqueren oder im Supermarkt einkaufen für Pauline alleine nicht machbar.
Die Frage, warum es gerade ihre Familie, ihre Tochter, treffen musste, haben sich die Eheleute oft gestellt. "Ich denke, es ist eine Art Prüfung. Jedes behinderte Kind kommt zu dem Menschen, der damit gut umgehen kann", sagt Karl-Heinz Büker. "Pauline ist Gottes Glückskind und damit wir auch", betont seine Frau. "Sie hat mein Leben verändert. Es ist positiver denn je", sagt die 57-Jährige.

Mutter verfiel in Depressionen

Doch die Bükers konnten nicht von Anfang an so gut mit der Behinderung ihrer Tochter umgehen. "Das ist schon, wie in ein Loch zu fallen", erinnert sich der 54-jährige Projektmanager. "Noch mehr hat es damals meine Frau getroffen, die lange mit Depressionen zu kämpfen hatte." "Es war für mich unmöglich den Antrag für einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen. Ich habe mich ein oder zwei Jahre geweigert, weil ich es einfach nicht auf dem Papier festlegen wollte. Es fühlte sich an, als würde ich ein Todesurteil unterschreiben", erzählt Paulines Mutter.
Besondere Unterstützung erfuhr die Familie von dem Landesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen Schleswig-Holstein e.V. (lvkm-sh). "Ohne den Verein tappt man sehr lange im Dunkeln und nutzt nicht die Möglichkeiten die man hat, um sich das Leben zu erleichtern", erklärt Karl-Heinz Büker. Durch den lvkm-sh wurde der Kontakt zum Verein "Lichtblick Neumünster" hergestellt. Dort lernte die Familie Menschen mit ähnlichen Schicksalen kennen. Auch für Pauline brachte der Verein viel: gerade für sie sind die sozialen Kontakte wichtig. Nun geht Pauline zu Geburtstagen, Feiern und hat ihre Hobbys sowie ihren Sport.

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