Neue Rezept-Ideen : Wie Grünkohl als „Kale“ Karriere in Hollywood macht

So kennen und lieben ihn die Schleswig-Holsteiner: Grünkohl mit Kassler, Schweinebacke, Kochwurst und karamellisierten Kartoffeln. Doch die Amerikaner bevorzugen gesündere Rezeptideen.
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So kennen und lieben ihn die Schleswig-Holsteiner: Grünkohl mit Kassler, Schweinebacke, Kochwurst und karamellisierten Kartoffeln. Doch die Amerikaner bevorzugen gesündere Rezeptideen...

In den USA gibt es einen Grünkohlboom. Das Gemüse gilt bei den Amerikanern als gesündestes Lebensmittel der Welt – allerdings nicht in Kombination mit Kassler, Kohlwurst und Kartoffeln.

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04. Januar 2015, 19:41 Uhr

Grünkohl galt bislang als typisch deutsche Hausmannskost. Wenn es im Winter kalt wird, häufen sich in den Gaststätten und Dorfkrügen die Bestellungen. Doch passt das zu den guten Vorsätzen vieler, sich gesünder zu ernähren? Ja - zumindest, wenn auf Kassler, Kohlwurst und Kartoffeln verzichtet wird. Das zeigen ausgerechnet die Amerikaner.

In den Vereinigten Staaten hat das Gemüse mittlerweile Kultstatus erlangt. Hollywood-Stars wie Gwyneth Paltrow oder Jennifer Aniston schwören auf Grünkohl als gesündestes Lebensmittel der Welt und können gar nicht genug davon bekommen. Grünkohl heißt auf Englisch „Kale“. Doch es handelt sich nicht nur um ein anderes Wort, es gibt einen entscheidenden Unterschied: Die Amerikaner genießen Grünkohl nicht auf die deftige Holsteiner Art. Sie servieren die zähen, sehr festen, gekräuselten und ziemlich bitteren Blätter roh im Salat, als Smoothies oder Chips.

So macht sich der Kohl-Kult in den USA bemerkbar:

1. Ein Buch namens „50 Shades of Kale“

Grünkohl ist sexy. Das ist das Motto des Kochbuchs „50 Shades of Kale“ - es wurde in den USA zum Bestseller. Assoziationen zum Erotik-Roman „50 Shades of Grey“ sind gewollt. Der New Yorker Autor Drew Ramsey, Psychiatrie-Professor an der Columbia-Universität gab zu, einigen seiner Patienten als Therapie eine Grünkohl-Diät verschrieben zu haben. 50 verschiedene Rezepte veröffentlicht er in seinem Buch. Co-Autorin Jennifer Iserloh spricht in einem „Kale-rotica“-Beitrag sogar davon, sich nachts in eine Grünkohl-Pflanze verliebt zu haben.

2. Der „Kale“-Pulli wird zum Mode-Trend

Superstar Beyoncé huldigt dem Grünkohl. In ihrem Musikvideo zum Song 7/11 trägt die Musikerin einen Sweatshirt mit dem Aufdruck „Kale“.

Beyoncé - 7/11 (Official Music Video) from MovieTrailers on Vimeo.

Der Statement-Pulli stammt vom Label Sub Urban Riot aus Los Angeles und liegt mittlerweile auch im Kleiderschrank von Rachel McAdams, Nikki Reed, Brooke Burke-Charve und vielen anderen Stars.

3. Die Präsidentin-Gattin Michelle Obama wirbt im Fernsehen für Kale-Chips

Michelle Obama hat in der „Tonight“-Show von US-Moderator Jimmy Fallon (39) für einen gesunden Lebenswandel geworben. In einem Sketch überzeugt sie die als Teenage-Girls verkleideten Jimmy Fallon und Will Ferrell von Kale-Chips als Alternative zu Kartoffel-Chips (ab Minute 5).

4. In einer Petition wird ein Nationalfeiertag für den Grünkohl gefordert

Auf dem Internet-Portal „change.org“ gab es eine Petition dafür, dass der 2. Oktober zum „National Kale Day“, dem nationalen Grünkohl-Feiertag, ernannt wird. Das klappte nicht ganz, aber auf nationalkaleday.org wird weiter zum Grünkohl-Feiern aufgerufen.

5. Die US-Presse liebt Grünkohl

Was in den Restaurants und Bars beliebt ist, weiß die New York Times. Grünkohl-Salat sei das angesagteste Gericht. Aus irgendeinem Grund gelte ein Restaurant automatisch als cool, sobald es eine Grünkohl-Salatkreation auf der Karte habe: „Vergessen Sie Filet Mignon oder Kaviar.“

Das „New York Magazin“ nennt Grünkohl gar den Superhelden unter den Gemüsen und fragt: „Was kann Grünkohl eigentlich nicht?“

Im Wall Street Journal verlangt das Rezept der Woche nach getoasteten Mandeln, Romano-Käse - und Grünkohl.

 

In Deutschland hält sich der Hype um den Grünkohl noch in Grenzen. Daniela Rixen von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein kann keine erhöhte Nachfrage bestätigen. In Schleswig-Holstein wird das Gemüse ohnehin nur auf 30 Hektar angebaut und dann frisch zumeist auf Wochenmärkten in der Region verkauft. Bundesweit werden jährlich rund 20.000 Tonnen Grünkohl geerntet; dahinter steht eine Anbaufläche von knapp 1100 Hektar - davon entfallen etwa rund 530 auf Nordrhein-Westfalen und rund 450 auf Niedersachsen. Die Amerikaner bauen ihren Grünkohl selbst an. Dafür steht ihnen mit 2500 Hektar mehr als doppelt so viel Fläche zur Verfügung.

Auch in den Restaurants und Cafés im Norden hat der Grünkohl anscheinend noch nicht vielerorts Einzug erhalten. Rixen kennt die neuen Rezept-Ideen aus Amerika, auf der Speisekarte hat sie aber weder Chips noch Salate oder Smoothies gesehen. Nur im Internet veröffentlichen einige Ernährungsbewusste Bilder von ihren Kreationen:

Entdeckung des Tages: #Grünkohlchips  Superrrr lecker und schnell gemacht! #food #veganchips #vegan #snack

Ein von Bonni (@bonnibe) gepostetes Foto am

Anders als bei den US-Stars halten sich deutsche Promis mit ihrer Grünkohlliebe noch zurück. Nur Model Monica Ivancan posiert gerne mit dem Gemüse.

Grünkohlalarm im Hause Ivancan!!!!!!! #Kale #kale #kale

Ein von Monica Ivancan (@monicaivancan) gepostetes Foto am

Die Deutschen orientieren sich aber nicht nur an den Amerikanern. Sie werden auch selbst kreativ. Ein Oldenburger Konditor hat zum Beispiel eine Grünkohl-Praline kreiert. „Das ist ein bisschen schräg“, gibt der 54-Jährige zu. Eine schmackhafte Kombination zu finden, war auch gar nicht so einfach. „Die Schokolade dominierte, der Grünkohl schmeckte nach nichts.“ Außerdem nahm er eine unappetitlich graue Farbe an. Jetzt sorgt Spinatpulver im Innern der Praline für sattes Grün. Dazu kommt ein Schuss Korn. Denn den braucht man in Norddeutschland bei jedem Grünkohl-Essen zum Runterspülen.

Die grüne Praline besteht aus Grünkohl, Spinatpulver und einem Schuss Korn.
Foto: dpa
Die grüne Praline besteht aus Grünkohl, Spinatpulver und einem Schuss Korn.

Die Praline ist dabei allerdings wohl wieder eine etwas kalorienreichere Grünkohl-Variation. Dennoch bleibt unbestritten: Grünkohl ist gesund. Das wussten schon die Griechen. Sie schworen auf Grünkohl, um die Folgen ausufernder Trinkgelage zu bekämpfen. Der berühmteste Arzt des Altertums, Hippokrates, empfahl eine Brühe aus Grünkohlblättern gegen Husten und Heiserkeit.

 

Tatsächlich ist Grünkohl reich an Provitamin A, den Vitaminen C und B 2 und vielen Mineral- und Ballaststoffen. Ernährungswissenschaftler haben herausgefunden, dass der in Grünkohl enthaltene natürliche Farbstoff Lutein das Fortschreiten von altersbedingten Augenleiden stoppen kann. Auch andere Inhaltsstoffe sagen Krankheiten den Kampf an: etwa Sulphoraphan. Die Substanz wirkt gegen Helicobacter pylori, einen Auslöser von Magengeschwüren. Sie alle verehren den grünen Kohl, weil er voller Vitamin C ist, angeblich Krebs hemmen soll und ganz nebenbei auch noch den Cholesterinspiegel senken soll. Zum Vergleich: 100 Gramm Grünkohl haben bis zu 120 mg Vitamin C, 100 Gramm Zitrone hingegen nur 51 mg. In diesem Sinne: Guten Appetit!

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