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Hells Angels und Bandidos : Wie gefährlich sind die Rocker im Norden?

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Ursprünglich in Amerika gegründet sind Motorradclubs wie die "Hells Angels" inzwischen weltweit vertreten. Sie fallen hauptsächlich durch ihr rücksichtsloses Verhalten auf.

Mit Bombenwarnungen, blutigen Schlägereien, Kriegsaufrufen und Überfällen stürmten Rocker die Schlagzeilen in Schleswig-Holstein. Nach vier Schüssen auf eine Doppelhaushälfte in Neumünster, Messerstechereien in Kiel und Zahlreichen Auseinandersetzungen mit der Neonaziszene, kämpften jetzt rivalisierende Motorradclubs um die Vorherrschaft im Land. Vorerst scheinen die "Hells Angels" ihr Gebiet gegen die Bandidos verteidigt zu haben. Der den "Bandidos" nahestehende Motorradclub Chicanos hatte am vergangenen Donnerstag auf seiner Internetseite bekanntgegeben, die Chapter (Ortsgruppen) Rendsburg und Kiel aufgelöst zu haben. Bleiben die Rocker eine Gefahr?

Nach Polizeiangaben begannen die "Hells Angels" Anfang der neunziger Jahre in Schleswig-Holstein aufzutreten. Mit der Hilfe von ansässigen Clubs wurde das nördlichste Bundesland zu ihrem Gebiet. Die Kraftpakete sind nicht mehr nur noch Motorradfahrer. In den Städten gibt es bestimmte Gegenden, die von den "Rockern" kontrolliert werden, und es gibt gewisse Geschäftsbereiche, in denen sie tätig sind. Motorradclubs wie die "Hells Angels" oder die "Bandidos" haben in ihren Clubs strenge Hierarchien und Regeln, die über jeder staatlichen Gewalt stehen. Richter, Polizisten und andere Ordnungshüter werden von ihnen nicht anerkannt. Konflikte werden grundsätzlich untereinander ausgetragen. Genauer möchte sich niemand, der sich in der Szene auskennt, dazu äußern. "Vor Gericht würden Mitglieder rivalisierender Banden niemals gegeneinander aussagen", wird im Gespräch deutlich. "Die haben ihre eigenen Autoritäten."
Wer einmal Mitglied ist, kann nicht einfach wieder austreten

Motorradclubs, die sich neu gründen, müssen das in bestimmten Foren ankündigen und genehmigen lassen. "Wir suchen keinen Stress. Wir tätigen keine Geschäfte und stellen keine Gebietsansprüche" schreibt eine Gruppe von Fahrern aus den Kreisen Segeberg und Stormarn in den "Biker News". "Sollten keine berechtigten Einwände geltend gemacht werden, beanspruchen wir Abzeichen und Namen für uns", heißt es in der Anzeige weiter. Konkurrenten werden im eigenen Gebiet nicht gerne gesehen und genau überprüft, bevor einer Gründung zugestimmt wird. Die bestehenden Clubs haben grundsätzlich den Anspruch ein Motorradverein zu sein, der zwar nicht mit gewöhnlichen Sportvereinen vergleichbar ist, aber trotzdem nicht mehr als das ist: ein Verein. Die Mitglieder müssen sich über lange Zeit qualifizieren, um beitreten zu können. Wer einmal Mitglied ist, kann nicht einfach wieder austreten.

Da sich die Regeln der Banden nicht mit denen der bürgerlichen Gesellschaft decken, ist der Konflikt mit dem Gesetz programmiert. Als "kriminell, organisiert und gefährlich" werden die Rockergruppen von der Polizei eingeschätzt. Ähnlich wie bei den aktuellen Vorfällen zwischen den "Hells Angels" und den "Bandidos" hat es in der Vergangenheit Zwischenfälle gewalttätiger Art gegeben. "Es besteht da ein hohes Gewaltpotential", erklärt Silke Tobies vom Landespolizeiamt Schleswig-Holstein. "Die Rocker sind aber eher aufeinander fixiert." Unbeteiligte seien "grundsätzlich sicher", auch wenn man nie ausschließen könne, dass "trotzdem etwas passiert". Zum Umgang mit den konfliktfreudigen Motorradgangs gibt es verschiedene Meinungen. "Einfach in Ruhe lassen", kommentiert ein Leser auf shz.de. "Dann wird man auch überhaupt keine Probleme haben." Andere halten diese Strategie für "den größten Fehler, den man machen kann. Denen geht es nur um Raffgier und Geschäfte".

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erstellt am 28.Jun.2009 | 02:21 Uhr

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