Geschichte : Wie die heutige Grenze zu Dänemark entstand

Das Bild zeigt den Einzug von König Christian X. von Dänemark in Nordschleswig im Jahr 1920. Es war ein Sonntag, an dem vor genau 90 Jahren die Teilung des Landesteils Schleswig besiegelt wurde. Foto: dpa
Das Bild zeigt den Einzug von König Christian X. von Dänemark in Nordschleswig im Jahr 1920. Es war ein Sonntag, an dem vor genau 90 Jahren die Teilung des Landesteils Schleswig besiegelt wurde. Foto: dpa

Bis 1920 hatte es zuvor 460 Jahre lang "Up ewig ungedeelt" geheißen. Dann, an einem Sonntag vor genau 90 Jahren, wurde die Teilung des Landesteils Schleswig besiegelt. Ein Rückblick.

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12. März 2010, 02:06 Uhr

Es war ein Sonntag, an dem vor genau 90 Jahren die Teilung des Landesteils Schleswig besiegelt wurde. Seit 1460 hatte es in Schleswig-Holstein "Up ewig ungedeelt" geheißen, doch die Volksabstimmung am 14. März 1920 stampfte eine Grenze zwischen Deutschland und Dänemark auf die Landkarten, die es so zuvor nicht gegeben hatte. "Die Abstimmung war die Geburtsstunde der Minderheiten", erzählt der Vorsitzende des Gemeinsamen Rates der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein, Dieter Paul Küssner.
Nach dem Ersten Weltkrieg, den Deutschland verloren und an dem Dänemark gar nicht teilgenommen hatte, mussten die Menschen im Landesteil Schleswig entscheiden, ob sie künftig zu Dänemark oder zu Deutschland gehören wollen. Das Gebiet wurde für die Abstimmung in zwei Zonen unterteilt, die sogenannte Clausen-Linie zog die Grenze. Der Kopenhagener Historiker Hans Victor Clausen hatte nach überlieferten Angaben auf historische und wirtschaftliche, vor allem jedoch auf sprachliche Verhältnisse achten wollen.
Die Dänen hofften, dass noch das ein oder andere Gebiet an sie fällt
Für die Abstimmung in der nördlichen Zone, dem Landesteil Nordschleswig, setzte Dänemark durch, dass nicht jede Gemeinde einzeln, sondern das Gebiet als Einheit betrachtet wurde. So war die Mehrheit der Dänen gesichert: Drei Viertel der Menschen entschieden sich bei der Wahl im Februar 1920 für eine Zugehörigkeit zu Dänemark. Doch damit war der Grenzkampf nicht vorbei. "Der Abstimmungsmodus war für die deutsche Volksgruppe das Hauptargument für die Forderung nach einer Grenzrevision", berichtet der Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger, Hinrich Jürgensen. Erst mit einer Loyalitätserklärung 1945 zugunsten Dänemarks erkannte die deutsche Minderheit die Grenze an.
Denn in Südschleswig war das Verfahren ein anderes: Hier wurde am 14. März 1920 abgestimmt, hier zählte jedes Distrikt für sich. Die Dänen hofften so, dass noch das ein oder andere Gebiet an sie fällt. Abgesehen von drei kleinen Dörfern wurde jedoch überall mehrheitlich für Deutschland gestimmt. Man einigte sich, dass die Zone geschlossen bei Deutschland blieb. In beiden Teilen verblieb eine Minderheit des jeweils anderen Volkes. "Die Akzeptanz der Teilung Schleswigs wurde der Ausgangspunkt für das Minderheitenmodell, das heute in Europa als Beispiel genutzt wird", betont Jürgensen. Auch die dänische Minderheit lobt das heutige Miteinander. "Der Austausch heute ist vorbildlich", sagt Küssner.
Bis 1920 hatte es zuvor 460 Jahre lang "Up ewig ungedeelt" geheißen. Adelsvertreter von Schleswig und Holstein hatten in Ripen den dänischen König Christian I. zu ihrem Landesherrn gewählt. Am 5. März 1460 sagte dieser dafür in der Urkunde von Ripen zu, dass Schleswig und Holstein künftig unter einer gemeinsamen Herrschaft stehen sollten. Bekannt wurde die Formulierung der Urkunde "dat se bliven ewich tosamende ungedelt" - "dass sie ewig ungeteilt zusammenbleiben". Erst später wurde die Formel auf "Up ewig ungedeelt" gekürzt.

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