Folgen für die Natur : Wetter in SH: Der Mai war viel zu kalt

Immer wieder zogen bedrohlich wirkende Wolkenmassen aus Nordwest über das Land – und brachten kalte Luft mit.
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Immer wieder zogen bedrohlich wirkende Wolkenmassen aus Nordwest über das Land – und brachten kalte Luft mit.

Der Mai enttäuscht mit wenig Sonne – und Temperaturen von bis zu einem Grad unter dem Durchschnitt. Wie geht es im Juni weiter?

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31. Mai 2015, 14:53 Uhr

Kiel/Bad Oldesloe | Das war wohl nichts: Der Wonnemonat Mai enttäuschte in diesem Jahr die Schleswig-Holsteiner mit kaltem unbeständigen Wetter. Damit tanzt er aus der Reihe, zumindest wenn man den Trend der Vorjahre betrachtet: „In den letzten 20 Jahren waren die Maimonate immer ein bisschen zu warm“, sagt Diplom-Meteorologe Sven Taxwedel von der Kieler Wetterwelt. In diesem Jahr dagegen lagen die Temperaturen bis zu einem Grad unter dem Durchschnitt.

Dabei hatte der Mai durchaus vielversprechend begonnen: Im ersten Drittel glänzte er mit einigen Sonnentagen, an denen die Temperaturen teilweise die 25 Grad-Marke erreichten. Im letzten Drittel ließ sich die Sonne jedoch kaum noch blicken und die Temperaturen erreichten an einigen Tagen nicht mehr als elf Grad. „Der Rückgang der Temperaturen verstärkt natürlich das Empfinden, dass der Mai sehr schlecht war“, sagt Sven Taxwedel.

Ursache für das kalte Wetter ist die Häufung von Nordwest-Lagen mit Stürmen über den britischen Inseln oder dem Nordatlantik. „Das ist für Schleswig-Holstein die ungünstigste Lage, weil von Norden her die kalten Luftmassen einströmen“, erklärt der Meteorologe. Im Süden der Republik kann man sich unterdessen nicht über die Kälte beklagen: Dort fiel der Mai teilweise sogar zu warm aus.

Der fehlende Sonnenschein lässt nicht nur bei manchen Zeitgenossen die Frühlingsgefühle ausbleiben, sondern auch die Natur ins Stocken geraten. Viele Bäume sind erst spärlich belaubt, die Wiesen entfalten ihre Pracht verspätet und der Raps stand ganze drei Wochen lang in Blüte. „Die Phänologie ist sehr stark verzögert“, sagt Biologe Thomas Behrends aus dem Kreis Stormarn. Sorgen macht er sich vor allem um die Insekten, die sich angesichts der Kälte nicht fortpflanzen können. So hätten die Hummeln, deren Bestand ohnehin schon stark zurück gegangen ist, starke Probleme, ihre Staaten zu bilden. „Weil sie bei der Bestäubung der Obstbäume eine wichtige Rolle spielen, kann das mitunter langfristige Folgen haben“, sagt Behrends.

Beim Blick auf die nächsten Wochen wünscht sich Wetter-Experte Sven Taxwedel, er hätte Besseres zu verkünden: „Zwar steigt das Temperatur-Niveau im Juni etwas, aber von sommerlichen Temperaturen würde ich da noch nicht sprechen.“ In der ersten Juni-Woche bleibe das Wetter wechselhaft unbeständig, maximal seien 20 Grad drin. Lediglich am Montag könne es etwas mehr Sonnenschein geben.

Auch auf lange Sicht sieht es eher schlecht aus – zumindest wenn man einer bewährten Bauern-Regel glaubt: „Grünt die Eiche vor der Esche, gibt’s im Sommer große Wäsche.“ Tatsächlich grünten in weiten Teilen des Landes die Eichen deutlich vor den Eschen. Der Sommer könnte also ins Wasser fallen. „Zumindest hat sich das auch im Jahr 2011 bewahrheitet“, sagt Sven Taxwedel.

Hoffnung dagegen macht ein Blick auf 1995 und 2010: In diesen Jahren folgten auf eine Durststrecke im Mai ein sommerlicher Juli und August.

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