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Fachtagung in Kiel : Westliche Werte statt Islamismus – Wie Schule das Thema behandeln soll

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Reden sie nicht über Islamismus!“ Verfassungsschutzexperten sprechen über die Herausforderungen von Salafismus und Islamismus an Schulen.

shz.de von
erstellt am 27.Feb.2015 | 10:13 Uhr

Kiel | Der Appell klingt zunächst paradox: „Reden Sie nicht mit Ihren Schülern über Salafismus, Islamismus und den Islamischen Staat“, rät Samet Yilmaz, Islam-Experte vom Verfassungsschutz in Schleswig-Holstein, im dringlichen Tonfall – um dann hinzuzufügen: „Reden Sie über unsere Werte, über Toleranz, Gleichberechtigung, die kulturelle und religiöse Vielfalt unserer Gesellschaft.“ Es war einer der Kernsätze, der während der ersten landesweiten Fachtagung „Islamismus und Salafismus als Herausforderung in der Schule“ am Donnerstag ausgesprochen wurde.

Vor mehr als 150 teilnehmenden Lehrkräften hatte Bildungsministerin Britta Ernst zuvor ihr Grußwort in der Sparkassenakademie in Kiel gehalten. „Schule ist der richtige Ort, präventiv etwas gegen jede Form von Extremismus zu tun und eine Kultur der gegenseitigen Akzeptanz zu fördern“, sagte die Ministerin auf der Tagung, die vom Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen in Schleswig-Holstein und dem Rat für Kriminalitätsverhütung vorbereitet worden war.

Dessen Leiter Thomas Michael Kassun erläuterte, in Schleswig-Holstein werde man deswegen zukünftig mit einem Programm der Landesregierung aufklärend gegen religiösen Extremismus vorgehen. Unkenntnis über den Islam verbunden mit unzureichender Integration sowie Frust zu Hause und in der Schule oder Ausbildung führten Jugendliche auf diesen gefährlichen Pfad. Am 1. April eröffnet das Land eine Koordinierungsstelle zu religiös motiviertem Extremismus, die Beratung für Jugendliche, Eltern und Pädagogen anbieten wird.

„Wir sollten so wenig wie möglich mit dem Begriff Islamismus arbeiten“, sagte Samet Yilmaz. Dieser Begriff liege zu nah am Begriff des Islam und führe deshalb zwangsläufig immer wieder zu Missverständnissen und folglich Ausgrenzung durch Vorurteile. Yilmaz betonte, dass es sich bei den Extremisten im Gegensatz zu allen friedlichen Muslimen um eine extrem kleine Minderheit handele. So gebe es in Schleswig-Holstein Stand 2013 lediglich 758 Muslime mit einer Tendenz zum Islamismus und aktuell rund 230 Salafisten.

Einige Beklemmung im Publikum löste der Vortrag von Claudia Dantschke vom Zentrum Demokratische Kultur in Berlin aus, die über Salafismus und dessen Anziehungskraft referierte und anhand von Filmen, Flyern, Kleidungsstücken und Internetseiten die Vielfalt der islamistischen Anwerbeversuche bei Schülern plastisch machte.

Kurt Edler, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik, sah schließlich auch bei den Muslimen einen Teil der Verantwortung: „Die Muslime selbst müssen über den Islamismus reden, ohne sich an irgendwelchen Begrifflichkeiten festzuhalten.“ Einigkeit herrschte bei allen anwesenden Experten in einem Punkt: Diese Tagung würde sicherlich nicht die letzte Veranstaltung zum Thema sein.  

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