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Entfernen oder töten? : Wespen plagen Deutschland: Darum bleibt SH noch verschont

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Nicht nur die Menschen freuen sich über das Wetter – auch die Wespen. Was kann man gegen die Plagegeister tun?

shz.de von
erstellt am 06.Aug.2015 | 13:25 Uhr

Plön | Überall im Land surrt es in der Luft, den Gärten und Kuchenauslagen von Bäckereien. In einigen Teilen Deutschlands ist sogar von einer Wespen-Plage die Rede. So musste in Düsseldorf laut Medienberichten der Stand einer Stadtbäckerei über mehrere Tage schließen. Mehrere Dutzend der schwarz-gelben Insekten hätten die Verkäuferinnen zwischenzeitlich umschwirrt – eine Gefahr für Personal und Kunden.

Sommerzeit ist Wespenzeit. Aber das ist normal, sagt Carsten Pusch, Fachmann für Insekten beim Naturschutzbund (Nabu) in Plön. „Der August ist der Wespen-Sommer. Dann sammeln und jagen die Tiere Nahrung für ihre Jungen“, so Pusch. Die bundesweite Aufregung in den Medien habe ihn überrascht: „In Schleswig-Holstein haben wir bisher keine Auffälligkeiten festgestellt.“

Eher gegenteiliges sei der Fall: Im ersten Halbjahr habe das Wetter im Norden Insekten schlechte Bedingungen geboten. „Wir hatten den Eindruck, dass auffällig wenige Schmetterlinge und andere Insekten unterwegs waren, die Wespen jetzt auch als Nahrung dienen“, sagt Pusch. Grund dafür seien ein relativ milder Winter und dafür ein kaltes und nasses Frühjahr.

Dennoch würden diesen Sommer mehr Schleswig-Holsteiner Hilfe bei problematischen Nestern rufen, berichtet Matthias Schmidt, Geschäftsführer beim Schädlingsbekämpfer Supella. Er betreibt außerdem einen Wespen-Notdienst in Kasseburg (Kreis Herzogtum Lauenburg). „Die Tiere konnten trotz des langen, kühlen Frühjahrs viele Nester aufbauen“, so Schmidt. Gefährlich sei das allerdings nur an Orten wie Kindergärten, Schulen oder Briefkästen. „Nicht immer müssen die Nester entfernt werden, zumal sie im nächsten Jahr nicht wieder genutzt werden“, so Schmidt.

Nabu-Fachmann Carsten Pusch rät: „Bei Wespen-Besuch ruhig verhalten. Nicht nach den Tieren schlagen. Das macht sie nur aggressiv.“ Mitunter würden sie bei Stress ganz automatisch mit Duftstoffen reagieren, die andere Wespen als Hilfe herbeilocken. Der sogenannte Wespen-Sommer gehe schnell zu Ende – meist mit dem August – könne sich aber auch bis in den Oktober hinein ziehen. „Im Winter sterben so gut wie alle Wespen bis auf einige wenige befruchtete Weibchen“, erklärt der Nabu-Entomologe. Dann könnten die Nesten ohne Probleme entfernt werden. Bei aller Aufregung um die wärmeliebenden Insekten betont Pusch: „Wespen sind natürliche und nützliche Schädlingsbekämpfer, die in der Natur eine wichtige Rolle spielen.“

Ein paar Tipps zum Umgang mit den sommerlichen Plagegeistern:

Woran erkenne ich eine Wespe?

An der Wespentaille. Es gibt eine Art Einschnitt zwischen dem mittleren Körperabschnitt und dem Hinterleib. Und natürlich trägt sie das typische schwarz-gelbe Körperkleid. Die Hornisse ist eine Wespenart, die zusätzlich zum Streifenmuster in Gelb und Schwarz rötlich-braune Streifen hat. Sie ist auch größer als andere Wespen. Den Unterschied sollte man kennen, denn Hornissen stehen unter Naturschutz - genauso wie Bienen. Sie haben zusätzlich zum Streifenkleid einen eher bräunlichen Hinterleib, sind rundlicher und stärker behaart. Und bei einem Stich verlieren sie ihren Stachel, Wespen nicht.

Wie reagiere ich auf eine Wespe in meiner Nähe?

Es ist leichter gesagt als getan - denn die Tiere nerven einfach. Aber wichtig ist, ruhig zu bleiben. Denn Wespen greifen nie aus eigenem Antrieb einen Menschen an, betont der Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Sondern nur, wenn sie sich bedroht fühlen oder ihr Nest es zu sein scheint. Bedrohungen sind für die winzigen Tiere heftige Bewegungen. Aber die Tiere reagieren auch darauf, wenn man sie anpustet: Der Atem enthält Kohlendioxid, ein Alarmauslöser für die Tiere.

Wie halte ich Wespen von mir fern?

Die Tricks klingen simpel, aber sie helfen: Wer sich draußen auf Terrasse oder Balkon aufhält, sollte Lebensmittel und zuckerhaltige Getränke mit einer Abdeckhaube schützen und Honig- und Marmeladengläser verschlossen halten, rät der Deutsche Schädlingsbekämpfer-Verband (DSV).  Es gibt aber auch eine Möglichkeit, die Tiere auszutricksen, worauf der Nabu hinweist: Experimente haben gezeigt, dass zur Ablenkung aufgestelltes überreifes Obst in einer Entfernung von fünf bis zehn Metern die Tiere von dem gedeckten Tisch ablenkt. Wespen stehen übrigens auch auf bunte Kleidung, Parfüms und Cremes.

Was hält Wespen vom Haus fern?

Das Einfachste ist, sie mit einem Insektenschutzgitter nicht hineinzulassen, betont der DSV. Preiswert und einfach anzubringen sind Netze aus Kunststoff, die man selbst auf die Größe der Fenster und Türen zuschneidet. Selbstklebende Bänder halten sie am Rahmen. Doch diese Variante hat eine geringe Haltbarkeit, und die Fenster lassen sich damit schwieriger reinigen, erklärt Ulrich Tschorn, Geschäftsführer des Verbandes Fenster + Fassade (VFF).

Besser in der Handhabung, aber etwas teurer sind Spannrahmen mit Fiberglasgewebe und mitgelieferter Halterung. Für Balkon- oder Terrassentüren gibt es etwa Drehrahmen, die sich wie die Tür selbst öffnen und schließen lassen. Für Fenster eignen sich Insektenschutz-Rollos, die flexibel heruntergelassen werden.

Die Netze und Gitter am Fenster können aber den Raum verdunkeln, Alternativen sind Systeme mit Transparentgewebe. Sogenannte Funktionsgewebe halten auch Pollen ab. Wer eine Katze oder einen Hund hat, sollte auf Modelle zurückgreifen, die stärkere Beanspruchungen aushalten.

Ich habe ein Nest in Hausnähe, was tue ich?

Am besten kommt der Schädlingsbekämpfer. Ist das Nest wirklich an einer problematischen Stelle, muss er die Tiere nicht töten, er kann sie oft auch umsiedeln. Handelt es sich um Hornissen, muss die Gemeinde der Maßnahme zustimmen. Denn sie stehen unter Naturschutz.

Allerdings löst sich das Problem nach einer Zeit auch von alleine: Die Tiere sterben je nach Art ab August und bis spätestens Anfang November ab. Nur die Jungköniginnen überleben, überwintern und gründen im Frühjahr neue Kolonien, erklärt der DSV. Für die Zeit des Zusammenlebens den Sommer über gilt auch hier: Die Tiere in Ruhe lassen und nicht bedrohen. Bleibt man laut Nabu zwei bis drei Meter vom Nest entfernt, wird die Flugbahn der Tiere nicht gestört.

Wichtig ist aber, auf die Holzverschalungen und -verkleidungen auf dem Grundstück zu achten. Wespen verwenden sie zum Bau ihrer Nester. Der Nabu rät, sie mit umweltfreundlichen Lacken und Farben regelmäßig zu pflegen und damit zu schützen.

Hängt ein Bau im Rollladenkasten oder unter Dachziegeln, sollten Hausbesitzer darauf achten, ob die Tiere Dämmmaterial und Ähnliches abtransportieren. Hornissen verbreiten flüssigen Kot unterhalb ihres Nestes, der stinkt oder das Bauwerk verfärben kann. Einfach einen Eimer mit Katzenstreu darunterstellen.

 
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