Flensburg : Wer setzte den Grabstein in die Twedter-Mark-Treppe?

'Ruhe sanft': Die Schrift auf dem Stein war deutlich zu lesen.
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"Ruhe sanft": Die Schrift auf dem Stein war deutlich zu lesen.

Auf einem Weg in die Twedter Mark entdeckten Spaziergänger einen Grabstein mit Insignien - missbraucht als Treppenstufe! Ein schlechter Scherz? Die Stadt reagierte prompt.

shz.de von
09. Juli 2009, 11:04 Uhr

Flensburg | Jogger lieben den Lauf über die schmalen Pfade, Hundebesitzer führen, vom Strand kommend, ihre Hunde Gassi: Ein lauschiger Weg führt von der Straße Fahrensodde den bewaldeten Hang hinauf in die Twedter Mark, eine "Schiebestrecke" auf dem Ostseeküstenradweg. Auch Barbara Schmedje steigt bei Spaziergängen mit ihrem Mann seit Jahren gern die steinernen Stufen gegenüber dem Gelände der Segler-Vereinigung hinauf - und glaubte jüngst ihren Augen nicht zu trauen: "Katharine Christiansen, geb. Knutzen" war auf der obersten zu lesen, in Stein gemeißelt nebst Geburts- und Todesdatum. Und dem frommen Wunsch: "Ruhe sanft".
Für die Flensburgerin eine "unglaubliche Pietätlosigkeit": "Wie kann man nur einen Grabstein als Treppenstufe benutzen? Wenn ich mir vorstelle, dass das der Stein meiner Oma wäre und jeder tritt mit den Füßen darauf!"
"Da muss sich jemand einen Scherz erlaubt haben"
Verantwortlich für Weg und Treppe ist die Abteilung Kommunale Immobilien (KI) der Stadt. Dort wusste man am Ende vergangener Woche nichts von der ungewöhnlichen Stiege. "Der Weg ist uralt, Ausbesserungsarbeiten haben wir zuletzt vor eineinhalb Jahren in Auftrag gegeben", erklärt ein Mitarbeiter. Alte Grabsteine als Baumaterialien zu verwenden, sei zudem schon seit rund 30 Jahren nicht mehr üblich. "Da muss sich jemand einen Scherz erlaubt haben. Wir werden uns die Sache ansehen."
"Noch nie gehört" von dergleichen hat auch Holger Groth. Der Leiter des Beratungszentrums der Flensburger Friedhöfe stellt sich die Frage: "Wollte der Eigentümer das, hat er ihn selbst dort hingelegt?" Allein der Pächter des aufgegebenen Grabes dürfe nämlich über den Stein verfügen - nachdem der, so wollen es die Friedhofsvorschriften, von einem Steinmetz abgeräumt wurde. "Doch ob der Besitzer den Stein selbst holt und was er damit macht, können wir nicht kontrollieren."
"Normalerweise werden sie geschreddert"
Das bestätigt Alfred Andorf vom gleichnamigen Unternehmen für Grabdenkmäler am Friedenshügel. "Kein Hahn kräht danach, wer den Stein holt." Diejenigen jedoch, die bei ihm oder seinen Kollegen ankämen, würden geschreddert, abtransportiert und im Straßenbau tatsächlich einer neuen, öffentlichen Nutzung zugeführt - allerdings in gemahlenem Zustand. Weiterverkauft werden dürften sie offiziell nicht, sagt Andorf.
Den "Scherz" einer Privatperson hält der Steinmetz für kaum denkbar: "Wer sollte so etwas tun?"
Die Stadt jedenfalls reagierte prompt: Schon am Freitagnachmittag wurde der Stein ausgetauscht. "Bei einer Sache, die so absolut nicht sein darf, müssen wir schnell handeln", sagt Rathaussprecher Thomas Kuchel. Wie Groth hält auch er es für die nahe liegendste Erklärung, dass jemand die Platte vor kurzem heimlich ausgetauscht hat. "Wenn der Stein seit eineinhalb Jahren dort liegen würde, wäre er längst aufgefallen. Außerdem war die Fuge zwischen den Platten völlig frei von Moos."

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