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Flüchtlinge in Dithmarschen : Wer mit dem Rad zur Disco kommt, scheitert an der Tür

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Auch in SH lassen Türsteher Flüchtlinge nicht in Diskotheken. Ein Disco-Besitzer sagt: Er müsse seine Gäste schützen.

shz.de von
erstellt am 26.Jan.2016 | 13:26 Uhr

Ihr dürft hier nicht rein – dass Türsteher in Freiburg Flüchtlinge abweisen, sorgt für Wirbel. Wie sieht es aus mit der Türpolitik der Diskotheken im Norden? Lediglich zwei Betreiber waren zu einem Statement bereit.

„Meine Türpolitik hat sich bereits verändert“, sagt Joachim Epler, Chef der Disco „Tiebensee“ in Neuenkirchen (Kreis Dithmarschen). Die neue Regel: Wer mit dem Rad kommt, wird nicht ohne Weiteres reingelassen. Klingt kurios, aber: Einheimische fahren mit dem Auto vor, Flüchtlinge mit gespendeten Rädern.

Nach einer Schlägerei vor einigen Wochen hat Epler die Orientierungshilfe eingeführt, sein Sicherheitspersonal aufgestockt. Asylbewerber hatten sich mit Rumänen geprügelt, ein Dutzend Personen war verwickelt. Die Polizei musste gerufen werden. Ist die Rad-Regel Diskriminierung? „Ich lasse mich gerne an den Pranger stellen, wenn ich dadurch meine anderen Gäste schützen kann“, sagt Epler und fügt hinzu: „Ausnahmen sind möglich.“

Stephan Büttner, Geschäftsführer des Bundesverbands deutscher Discotheken und Tanzbetriebe (BDT): „Ein Clubbetreiber investiert viel Geld, er darf Gäste abweisen, wenn sie eine Gefahr für Sicherheit und Ordnung sind.“ Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht oder Religion dürften jedoch nicht zur Grundlage der Entscheidung gemacht werden. „Versierte Türsteher erkennen durch Erfahrung und Augenschein, wer Ärger machen könnte“, so Büttner. „Wie gibt sich jemand? Ist er aggressiv, stark betrunken oder steht er unter Drogen? Das sind legitime Gründe.“

Aber ist es immer Erfahrung oder doch oft Vorurteil? Büttner: „Wenn von zehn abgewiesenen Gästen neun Ausländer sind, dann ist das so. Die Maßstäbe gelten für alle gleichermaßen – und grundsätzlich sind Partygänger mit Migrationshintergrund gern gesehene Gäste.“

Die Ansicht teilt auch Sebastian Fremgens, Betreiber der Diskotheken Max und Phono in Flensburg. „Bei unseren Black-Sinners-Partys liegt der Migrantenanteil bei 70 bis 80 Prozent.“ Probleme wie in Freiburg gebe es in Flensburg nicht. „Ich will aber nicht ausschließen, das wir uns damit noch befassen müssen“, sagt Fremgens. Im Fokus hat er dabei nicht nur Übergriffe auf Frauen. „Migranten bringen oft Konflikte aus ihrer Heimat mit, tragen sie untereinander aus.“ Momentan setzten seine Türsteher bei der Auswahl der Gäste auf „Fingerspitzengefühl“, achteten auf eine ausgewogene Mischung des Publikums. „Definitiv entscheidet man beim Abweisen auch mal falsch. Dann sind wir zu Gesprächen bereit.“

 

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