Norderstraße Flensburg : Wer lüftet das Geheimnis dieser Schuhe?

Gut abgehangen: Ausgediente Schuhe haben sich zum Kultobjekt der Norderstraße entwickelt Foto: Michael Staudt
Gut abgehangen: Ausgediente Schuhe haben sich zum Kultobjekt der Norderstraße entwickelt Foto: Michael Staudt

Ein Schreibwettbewerb soll den Hintergrund der mysteriösen Schuhe in der Flensburger Norderstraße erklären.

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28. September 2011, 09:12 Uhr

Flensburg | Es ist eines der letzten Mysterien der Flensburger Stadtgeschichte. Legenden ranken sich wie meterlange Schnürsenkel um die über der Norderstraße zwischen Hausfassaden baumelnden Schuhe. Zu Hunderten hängen sie dort - ausgelatschte Hochseil-Treter, gut gelüftete Boots und in diesem Sommer kaum gebrauchte Sandalen. Doch was will uns das sagen - wie lautet die Botschaft?
"Wir werden mit Fragen von Touristen nur so bombardiert", sagt Britt Lenschau, Geschäftsführerin von Nordern Art. Diese Erfahrung macht auch Petra Ohrem vom gleichnamigen Modegeschäft ein paar Häuser weiter. "Mindestens fünf potenzielle Kunden bitten täglich um erschöpfende Auskunft", sagt sie. Ob das Geschäft darunter leide oder einen unverhofften Aufschwung nimmt, lässt sie offen. Klar ist indes: Die baumelnden Galoschen haben der bisweilen der Vergessenheit anheimfallenden Straße einen enormen Attraktivitätsschub beschert. Für Kamera-bewehrte Urlauber gehört ein Gang durch die nördliche Altstadt inzwischen zum Pflichtprogramm - und dabei spielt das Nordertor nur noch eine Nebenrolle.
"Die waren noch am gleichen Tag verschwunden"
Britt Lenschau hat in Ermangelung von Zeit alle erforderlichen Auskünfte ihrem Mitarbeiter Holger Paulsen übertragen. Der hat nicht nur eine überbordende Fantasie, sondern auch verschiedenste Ansätze zur Schuhwurf-Historie zusammengetragen. So weiß er zu berichten, dass einst ein genervter Ehemann die stinkenden Schuhe seiner Holden über die Drahtseile warf, die noch aus Zeiten der alten Straßenbahn herrührten. Angeheiterte Nachtschwärmer, die aus der damaligen Diskothek "Roxy" heraus stolperten, sollen stante pede inspiriert worden sein und ihr Schuhwerk flugs über die Leine geworfen haben. Ein frisch vermähltes Brautpaar tat es ihnen nach und so entstand Schritt für Schritt, was heute für Erstaunen sorgt.
Petra Ohrem erinnert sich, wie sie nach einem Schuhweitwurf-Wettbewerb im Rahmen eines Flohmarktes 2009 ein Paar Pumps mit Rot einsprayte und diese in den Himmel schleuderte. "Die waren noch am gleichen Tag verschwunden."
Und die offizielle Lesart?
Es gibt aber auch Geschichten aus Amerika etwa, wo die Schuhe gefallener Soldaten rituell in die Höhe befördert wurden. Nach einem College-Abschluss würden Studenten ihre Turnschuhe zielgenau auf Leinen und Bäumen platzieren. Einen tragischen Anstrich hat eine aus Südamerika kolportierte Version, nach der Regimegegner nach erfolgter Liquidation ihrer Schuhe beraubt worden sein sollen, die wenig später an einem Seil baumelten - als Abschreckung.
Und die offizielle Lesart? Schuhkäufer entledigten sich elegant ihrer alten Galoschen, nachdem sie sich in einem Skateshop neu eingekleidet hatten. Das war vor gut vier Jahren, als sich fortan eine Eigendynamik zu entwickeln begann. Aber ist diese Story wirklich wahr?
Abgabeschluss ist der 30. November
Wie auch immer - die IG Lebendige Altstadt nimmt derlei Spekulationen zum Anlass, einen Schreibwettbewerb ins Leben zu rufen. Wie also sind die Schuhe auf die Leine gekommen? Für die kreativsten Ausschmückungen werden drei Geldpreise à 300, 200 und 100 Euro ausgelobt. Die Texte sollten gern gedruckt auf ein Din-A-4-Blatt passen und werden später in einer Schautafel verewigt sowie einzeln in den Schaufenstern der Norderstraße-Läden ausgehängt. Abgabeschluss in der Dansk Centralbibliotek ist der 30. November.
"Vielleicht", so IG-Vorsitzender Ingo Nissen, "hat die Zeit der Fragen dann ein Ende." Woran gezweifelt werden darf . . .

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