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Segelwettbewerbe 2024 : Wenn Olympia in Hamburg, dann Segeln in Kiel

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Aus der Onlineredaktion

„Heute ist ein grandioser Tag für die Landeshauptstadt“, heißt es aus Kiel. Lübeck ist aus dem Rennen.

Kiel | Kiel hat den norddeutschen Vierkampf um olympische Segelwettbewerbe für sich entschieden. Die Wettbewerbe auf dem Wasser sind im Rahmen der Hamburger Bewerbung um Sommerspiele 2024 in der Kieler Förde eingeplant. Lübeck-Travemünde, Rostock-Warnemünde und Cuxhaven sind aus dem Rennen. „Die Kommission hat sich für die Stadt mit Weltruf für den Segelsport entschieden“, sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Alfons Hörmann, am Montag in Hamburg. Der Zuschlag für Kiel sei einmütig gefallen. „Die internationale Durchsetzungsfähigkeit muss oberstes Gebot sein“, begründete Hörmann die Wahl.

Deutschland will sich mit Hamburg für Olympia 2024 bewerben - das steht seit dem 17. März 2015 fest. Zentrum des Sportspektakels soll eine „Olympic City“ auf einer Elbinsel, dem Kleinen Grasbrook, werden. Wettbewerbe sollen aber auch im Umland ausgetragen werden. Der DOSB und Hamburg werden die Kandidatur am 15. September 2015 beim Internationalen Olympischen Kommitee (IOC) anmelden. Die IOC-Session wählt erst im Sommer 2017 in Lima/Peru die Olympia-Stadt für die Sommerspiele 2024. Weitere Kandidaten sind bisher Boston und Rom. Am Montag meldete auch Paris Interesse an.

Der Deutsche Segler-Verband (DSV), der mit Vertretern der Hansestadt und des DOSB die Auswahlkommission für den Standort gebildet hatte, zeigte sich erfreut über die rasche Entscheidung. Nun müssten alle Kräfte gebündelt werden, sagte DSV-Präsident Andreas Lochbrunner. „Unser Ziel heißt Olympische Spiele 2024 in Hamburg und in Kiel.“ Zuvor will er weitere Segelveranstaltungen nach Deutschland holen.

Kiel hatte im Bewerbungsrennen auch mit der traditionsreichen Kieler Woche gepunktet. „Kiel braucht man im Segelsport und darüber hinaus nicht mehr erklären“, sagte Lochbrunner.

Neben Kiel hatten sich auch Lübeck-Travemünde, Rostock-Warnemünde und Cuxhaven Chancen ausgerechnet. „Alle vier Städte haben untermauert, dass Deutschland echtes Segel-Land ist“, sagte DOSB-Vorstandsmitglied Bernhard Schwank.

Warum die unterlegenen Segel-Kandidaten nicht das Rennen gemacht hatten, wollte er nicht erläutern. Vielmehr zählte er die Vorteile Kiels auf: ein anspruchsvolles Segelrevier, die Nähe zu den Zuschauern, weitere Flächen für das olympische Segeldorf sowie die schnelle Anbindung an die Bewerberstadt Hamburg.

Das Olympische Feuer aus dem Jahr 1972 entflammte wieder – in einem Kunstwerk am Kieler Rathaus.
Das Olympische Feuer aus dem Jahr 1972 entflammte wieder – in einem Kunstwerk am Kieler Rathaus. Foto: dpa
 

Kiel hatte schon im Vorfeld als leichter Favorit gegolten. Die Stadt hatte bereits 1936 und 1972 die olympischen Regatten veranstaltet und ist in Deutschland einziger Segel-Olympiastützpunkt. „Mit dem Erbe von 1936 und 1972 werden wir uns bei der deutschen Olympia-Bewerbung beschäftigen müssen“, ergänzte Schwank. Die 1936er-Spiele in Berlin hatten die Nationalsozialisten für ihre Propaganda missbraucht, die 1972er-Spiele in München waren von einem palästinensischen Terrorakt gegen israelische Sportler überschattet worden.

Nach dem Zuschlag des DOSB sollen die Hamburger im Herbst in einem Referendum entscheiden, ob sie das Großereignis in ihre Stadt holen wollen. Auch die Kieler sollen nach Angaben des Hamburgers Sportsenators Michael Neumann (SPD) abstimmen, voraussichtlich dann am selben Tag wie Hamburg.

Eine Segel-Auswahlkommission unter Leitung hatte sich in der vergangenen Woche in den Küstenstädten ein Bild von allen vier Segelrevieren gemacht.

Reaktionen zur Entscheidung pro Kiel:

„Die Entscheidung für Kiel ist eine Entscheidung für Schleswig-Holstein. Darüber kann sich das ganze Land freuen. Wir werden unsere Landeshauptstadt daher bei der Ausrichtung der Paralympischen und Olympischen Segelwettkämpfe 2024 nach Kräften unterstützen“, sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig. Er sei stolz darauf, dass Schleswig-Holstein gleich mit zwei starken Bewerberstandorten ins Rennen um die Segelwettbewerbe gehen konnte. Lübeck-Travemünde werde auch in Zukunft ein weltweit profilierter Segelstandort sein, auch wenn der Zuschlag für Olympia an Kiel gegangen ist.

 

Die Landesregierung werde für eine Top-Verkehrsanbindung des Olympiastandorts Kiel und Investitionen in Segel- und Sportanlagen sorgen, sollte 2017 das IOC Hamburg den Zuschlag geben, versicherte Albig. Das werde im Infrastrukturprogramm der Landesregierung entsprechend berücksichtigt. Auch werde das Land Kiel nicht allein lassen, wenn es darum gehe, genügend Unterkünfte zu schaffen, die internationalen Standards gerecht würden, sagte der Regierungschef.

„Heute ist ein grandioser Tag für die Landeshauptstadt“, sagte Kiels Bürgermeister Peter Todeskino. „Wir sind stolz wie Bolle.“

Der Präsident des Landessportverbands, Hans-Jakob Tiessen, sagte, „es erfüllt uns mit großer Freude, dass die Wahl auf einen schleswig-holsteinischen Standort gefallen ist.“ Tiessen sagte, Kiel und Lübeck hätten beide einen guten Job gemacht. „Wenn nun der verdiente Zuschlag für Kiel/Schilksee erfolgt ist, sollte sich Lübeck nicht zurückgestellt fühlen.“ Ganz Schleswig-Holstein sollte die Entscheidung akzeptieren und neben dem Segelstandort die Bemühungen von Hamburg mit gesamter Kraft unterstützen.

Wolfgang Kubicki, Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion, freut sich über die Entscheidung: „Kiel hat in der Vergangenheit bewiesen, dass es auch für die Ausrichtung eines solchen großen Sportereignisses gewappnet ist. Mit Kiel gewinnt auch Schleswig-Holstein.“

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) und Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) zeigten sich als faire Verlierer und gratulierten Kiel. Auch wenn Rostock-Warnemünde nicht favorisiert wurde, seien Olympische Spiele in Hamburg für ganz Norddeutschland ein Gewinn, sagte Methling.

„Gratulation an Kiel. Sehr enttäuscht bin ich nicht, aber es ist schade“, sagte Cuxhavens Oberbürgermeister Ulrich Getsch.

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erstellt am 13.Apr.2015 | 14:08 Uhr

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