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Vermisste in SH : Wenn Menschen spurlos verschwinden

vom
Aus der Onlineredaktion

In SH werden aktuell 328 Menschen vermisst. Einige erst seit ein paar Tagen, andere seit mehreren Jahren. Die Polizei stellt die Suche nie ein – egal, wie lange sie dauert.

Martin Bach ist verschwunden. Schon seit mehr als sieben Jahren. Die Suche nach dem damals 34-Jährigen blieb bisher erfolglos. Auch die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ konnte bei der Suche nach dem Mann aus Aukrug bei Neumünster nicht helfen. Seit einer Fahrt nach Westfalen und einem Ehestreit im Juni 2007 fehlt jede Spur von ihm.

Für Angehörige und Freunde ist es kein Trost, aber Martin Bach ist kein Einzelfall. In Schleswig-Holstein werden – Stand Donnerstag – aktuell 328 Menschen vermisst, sagt Stefan Jung, Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA). Bei mehr als der Hälfte handelt es sich um Langzeitvermisste, also um Menschen, die seit mehr als drei Monaten vermisst sind. 175 sind es genau.

Vergangenes Jahr zählte die Polizei insgesamt 5705 Anzeigen. Eine Tendenz lässt sich anhand der Zahlen nicht ablesen. Während es 2009 beispielsweise 5639 waren, ging die Zahl ein Jahr später auf 5091 zurück. 2012 gab es dann wiederum 5990 Vermisstenanzeigen. Diese beinhalten laut Jung auch minderjährige „Dauerausreißer“, die an Wochenenden mehrmals als vermisst gemeldet werden. 

Polizeilich als vermisst gilt der, der seinen gewohnten Lebenskreis verlassen hat, bei dem der Aufenthaltsort unbekannt ist und meist von einer Gefahr für Leib oder Leben ausgegangen werden muss. Übersetzt heißt letzteres: Der Vermisste kann Opfer einer Straftat geworden sein oder aufgrund einer Erkrankung hilflos sein. Und auch Suizid kann nicht ausgeschlossen werden.

Kinder werden schneller als vermisst gemeldet als Erwachsene. Das Erfreuliche: „Meistens sind sie schnell wieder da“, sagt Jung. Oft hätten sie einfach beim Spielen die Zeit vergessen oder sich bei den Eltern nicht abgemeldet.

Doch die Suche nach dem eigenen Kind kann für die Eltern auch furchtbar ausgehen oder sich endlos in die Länge ziehen. Ein Fall, an den sich viele Menschen in Schleswig-Holstein noch erinnern, ist der der damals elfjährigen Seike Sörensen. Das Mädchen aus Nordfriesland wird seit 1993 vermisst. Sie verschwand auf dem Heimweg spurlos.

Werden Erwachsene als vermisst gemeldet, könne zwar mal eine „durchzechte Nacht“ der Grund sein, manchmal seien es auch Menschen, „die dem Alltag entfliehen wollen – nach einem Streit oder Stress“, sagt Jung. Leider Gottes könne aber auch der Suizidgedanke dahinter stecken.

Ein brisanter Fall ist der des seit 2010 verschwundenen Tekin Bicer aus Kiel. Um die Leiche des verschwundenen Türken zu finden, wurde vor vier Jahren sogar eine Halle in Kiel komplett abgetragen – ohne Erfolg. „Er ist von heute auf morgen verschwunden. Seitdem gibt es kein Lebenszeichen von ihm“, sagt Jung.

Polizisten, die mit einer Vermissten-Anzeige konfrontiert werden, müssen schnell klären, warum ein Mensch verschwunden sein kann. „Das ist schwierig, weil es sich bei dem Beamten um einen Unbeteiligten handelt“, beschreibt es Jung. Wichtig sei der Kontakt zu den Angehörigen. Nur sie können darüber Auskunft geben, in welcher Stimmung der Vermisste war, wann er zuletzt gesehen wurde oder ob er regelmäßige Anlaufpunkte hatte. Denn: „Vermisste findet die Polizei nicht, wenn sie Streife fährt“, so der LKA-Sprecher weiter. Hinweise der Verwandtschaft oder aus der Bevölkerung seien sehr wichtig für die Suche.

Auch das Internet ist mittlerweile eine gute Hilfe für die Polizei. Nicht nur auf Facebook teilen die Nutzer Vermisstenmeldungen und geben darüber Hinweise an die Polizei weiter. „Das ist grundsätzlich sehr begrüßenswert“, meint Jung. Die Zahl der Hinweise nehme durch soziale Netzwerke zu. Das Problem daran: Bei der Menge falle es den Beamten schwer, sich auf die vielversprechenden Hinweise zu konzentrieren.

Ob sich Angehörige und Freunde von Langzeitvermissten weiter Hoffnung machen können, dass der oder die Verschwundene doch wieder auftaucht, ist nur schwer zu beantworten. Aber Jung versichert: „Die Suche wird nie eingestellt.“

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erstellt am 28.Aug.2014 | 20:09 Uhr

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