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Wenn der Stress zu viel wird

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Job belastet Deutsche am meisten / Frauen haben höheren Anspruch an sich

shz.de von
erstellt am 31.Okt.2013 | 00:31 Uhr

Der Druck steigt, dennoch bleiben die Menschen in Norddeutschland relativ gelassen. Jeder zweite Norddeutsche ist manchmal oder häufig gestresst. An der Spitze der bundesweiten Stress-Skala liegt Baden-Württemberg. Das ist das Ergebnis einer gestern veröffentlichten Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK).

Auch wenn die Studie ein deutliches Nord-Süd-Gefälle der Entspanntheit zeigt, hat auch im Norden der Druck zugenommen. Die Mehrheit (57 Prozent) denkt, dass ihr Leben in den letzten drei Jahren anstrengender geworden ist. Zum Norden gehören in der Auswertung Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen.

„Gestresst zu sein, gehört heute fast zum guten Ton – und als ,Workaholic‘ zu gelten, scheint beinahe ein Kompliment zu sein“, sagte TK-Chef Jens Baas in Berlin. Jedoch gab er auch zu bedenken: „Ein Großteil der Bevölkerung in Deutschland ist stark gestresst.“

Der Beruf wird am häufigsten als Stressauslöser genannt. Allerdings zeigt sich: Es ist selten die Arbeitslast im Job allein, die den Stresspegel in die Höhe treibt. Kritisch wird es, wenn entweder soziale Belastungsfaktoren wie mangelnde – auch finanzielle – Anerkennung, zu wenig Handlungsspielraum und Konflikte mit Kollegen oder dem Chef hinzukommen. Oder wenn aufgrund von privatem Stress der Ausgleich neben der Arbeit fehlt. Dies ist besonders oft bei berufstätigen Eltern der Fall. „Es ist die Work-Life-Balance, die insgesamt stimmen muss“, sagte Baas.

Vor allem Frauen fühlen sich besonders gestresst. Der Spagat zwischen Karriere, Kindererziehung und der Pflege eigener Eltern erhöht den familiären Druck, aber auch das eigene Anspruchsdenken. Belastet sind vor allem Menschen in der sogenannten Sandwich-Generation, also zwischen 35 und 45 Jahren.

„Stress muss an sich nichts Schlimmes sein“, sagt der Diplom-Psychologe Manfred Oetting aus Itzehoe. Er ist Autor des Buches „So entkommen Sie der Stressfalle“. „Wir unterscheiden zwischen Eustress (Euphorie) und Disstress, also negativem Stress“, erklärt Oetting. Stress könne auch durchaus motivierend sein.

Ein Beispiel ist der Umgang mit den eigenen Kindern. Zwar bezeichneten sich sieben von zehn Eltern in der Studie als gestresst. „Doch die gleichen Eltern sagten, sie sind glücklich“, sagte Baas. Etwas tun müsse man aber bei Dauerstress. „Mehr als jedem dritten gelingt es auch nach Feierabend und am Wochenende nicht, richtig abzuschalten. Gesundheitsgefährdend wird es dann, wenn es keine stressfreien Zonen gibt.“ Die Folge: Mehr als jeder Zweite leidet häufiger oder sogar dauerhaft an Muskelverspannungen oder Rückenschmerzen.

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