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Einbruch und Diebstahl in SH : Wenn das Auto plötzlich weg ist

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Autodiebe schlagen in Schleswig-Holstein am liebsten im Hamburger Speckgürtel zu. Besonders ein Modell hat es ihnen angetan. Oft stehlen sie aber gar nicht Autos, sondern das Innenleben – beispielsweise Airbags.

Kiel | Wer einen VW T4 fährt und darüber hinaus im Hamburger Randgebiet zu Hause ist, sollte abends gründlich prüfen, ob er seinen Wagen wirklich gut abgeschlossen hat. Denn der „Bulli“ in vierter Generation steht, ebenso wie sein Nachfolger T5, ganz oben auf der Beliebtheitsskala von Autodieben in Schleswig-Holstein. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die X-Serie von BMW sowie die Audi-Modelle A4 und A6.

Die Diebe schlagen nach Polizeiangaben besonders gern in den Landkreisen zu, die an die Elbmetropole angrenzen. „Man kann erkennen, dass Qualität und Anzahl von Autodiebstählen zunehmen, je näher man an Hamburg herankommt“, sagt Polizeihauptkommissar Jens Weerts, der sich in der Zentralstelle für Polizeiliche Prävention mit dem Thema beschäftigt. Meist seien es gut organisierte Banden, die gezielt hochwertige Fahrzeuge auswählen, oft auf Bestellung. „Dabei gehen sie sehr arbeitsteilig vor“, erklärt Weerts: „Häufig gibt es einen Logistiker für die Planung, einen Techniker und noch einen Kurier, der  das Auto so schnell wie möglich wegfährt, häufig ins Ausland.“

Etwa die Hälfte der 977 angezeigten PKW-Diebstähle ereigneten sich laut Polizeiangaben 2012 in den Polizeidirektionen Ratzeburg (Kreise Herzogtum Lauenburg und Stormarn) sowie Segeberg (Kreise Segeberg und Pinneberg). Den Dieben komme dort die günstige Autobahnanbindung Richtung Osten entgegen, sagt der Polizeihauptkommissar. Jeder vierte angezeigte Autodiebstahl wird in Schleswig-Holstein aufgeklärt.

Auf dem Schaden nach dem Diebstahl bleibt meist die Versicherung des Bestohlenen sitzen: Bundesweit ist der Versicherungsbranche 2012 ein Schaden von 242 Millionen Euro entstanden, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf Anfrage mitteilt. Bei einem durchschnittlichen Schadensaufwand von fast 13.400 Euro bedeutet das heruntergerechnet auf Schleswig-Holstein einen Gesamtversicherungsschaden von  mehr als 10,3 Millionen Euro.

Viel häufiger als ganze Autos klauen Diebe nur Teile der Fahrzeuge oder brechen ein, um Gegenstände aus dem Inneren zu entwenden. 2012 wurden in Schleswig-Holstein laut Polizeilicher Kriminalstatistik 15.758 sogenannte „Diebstähle an und aus Kraftfahrzeugen“ angezeigt. Das Motiv variiert: Vor einigen Jahren habe es etwa mal eine Zeit gegeben, in der vor allem Airbags aus bestimmten Fahrzeugen geklaut wurden, sagt Weerts. „Im Moment gibt es allerdings weder erkennbare Schwerpunkte noch Serien im Land“, so der Polizist weiter. Häufig sei es wohl einfach die günstige Gelegenheit, die zur Tat führe. Etwa, wenn ein teurer Laptop oder die Brieftasche gut sichtbar einfach auf dem Sitz liegen. Auch ein teures Navigationsgerät sollte man nicht einfach im Auto lassen. Weerts: „Ein Kraftfahrzeug ist eben kein Tresor.“

Um sich gegen Diebstahl und Einbruch zu schützen, kann vor allem in Autos ohne Diebstahlsicherung der Einsatz zusätzlicher Sicherheitsausrüstung wie Lenkrad- und Gangschaltungssperren sowie Parkkrallen hilfreich sein. Zudem sollte man beim Einsatz von Funkschlüsseln darauf achten, dass der Wagen wirklich verriegelt ist. „Manchmal setzen Diebe Funkblocker ein, die das Schlüsselsignal stören“, erläutert Weerts. Wertvolle Autoteile wie etwa teure Alufelgen wiederum könne man durch sogenannte Felgenschlösser sichern. Darüber hinaus gelte: Wachsam sein und den Wagen am besten nicht in dunklen und unbeobachteten Seitenstraßen abstellen. Dann kann man aktiv ein Stück dazu beitragen, dass der geliebte Bulli am nächsten Morgen noch in einem Stück da steht, wo man ihn abgestellt hat.

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erstellt am 11.Feb.2014 | 16:33 Uhr

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