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Vergewaltigung und Stalking : Weniger Straftaten, aber mehr Opferhilfe: Weißer Ring zieht Bilanz in SH

vom

Mehr als 28.500 Stunden investierten die professionellen Helfer des Weißen Rings 2014 in Schleswig-Holstein - alles ehrenamtlich.

shz.de von
erstellt am 26.Mär.2015 | 12:31 Uhr

Kiel | Vergewaltigungen, Körperverletzungen oder Stalking - Zahlreiche Opfer sind nach der Tat traumatisiert und benötigen psychologische Hilfe. Da kommen Vereine wie der Weiße Ring ins Spiel. Insgesamt 1685 Menschen konnte er 2014 in Schleswig-Holstein helfen. Das waren zwar 75 weniger als im Vorjahr. Trotzdem leisteten die Helfer 4000 Stunden mehr an Opferarbeit. Die knapp 160 Ehrenamtler investierten mehr als 28.500 Stunden ihrer Zeit, wie der Landesvorsitzende Uwe Döring am Donnerstag bei der Vorstellung seines Jahresberichts sagte. Das entspreche 14,5 Vollzeitstellen oder Personalkosten in Höhe von 700.000 Euro.

Als einen Grund für die leicht rückläufige Zahl der Fälle vermutet Döring schlicht hohe Arbeitsbelastung auf den Polizeistationen. „Die Opfer haben zunehmend höheren Beratungsbedarf“, sagte Döring. Der Frauenanteil beträgt mehr als 70 Prozent. „Männern fällt es offensichtlich schwerer, Hilfe zu suchen.“

Die Geschädigten finden beim Weißen Ring Vertrauenspersonen, die sie auch bei Problemen im Umgang mit Behörden und Institutionen unterstützen.

Der Verein half auch den Angehörigen einer Frau, die eine Tasche mit Kinderleichen in einem Schließfach des Hamburger Hauptbahnhofs deponiert hatte. Oft geht es aber um weniger öffentlichkeitswirksame Fälle wie den einer 30-Jährigen, die nach massiven Gewalttaten ihres Ehemanns flüchtete - ohne Bekleidung und Ausweis.

Bei den Delikten lagen Sexualstraftaten wie im Vorjahr mit 414 Fällen auf Platz eins. Es folgten Körperverletzungen, Diebstähle und Einbrüche sowie Stalking. Der Verein brachte im vergangenen Jahr für Opferhilfen mehr als 207.000 Euro auf. Darunter waren allein knapp 90.000 Euro für Beratungsschecks, sowohl für anwaltliche als auch für eine psychotraumatologische Erstberatung nach einer Straftat. Das Geld stammt aus den Beiträgen der 3500 Mitglieder im Land, aus Spenden sowie aus Geldbußen. Öffentliche Förderung wolle der Weiße Ring bewusst nicht in Anspruch nehmen, sagte der ehemalige SPD-Justizminister Döring.

Sorgen bereiten Döring Bestrebungen auf Bundesebene, das Opferentschädigungsgesetz zu reformieren. Oftmals werde der Begriff für Einsparungen verwendet, sagte er. „Wir fürchten, dass das auch hier der Fall ist.“ Er forderte, dass der Anwendungsbereich des Gesetzes auf Fälle psychischer Gewaltdelikte wie Stalking und Wohnungseinbrüche erweitert wird. Bundesweit stellen seinen Angaben zufolge nur elf Prozent der Geschädigten einen Antrag auf Entschädigung. Döring fordert daher eine Informationspflicht aller staatlichen Stellen.

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