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Kampfmittelräumdienst : Weltkriegsbomben in SH: Kontrolle aus der Luft

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Fast 70 Jahre nach Kriegsende liegen noch immer tonnenweise Bomben und Munition in deutschen Böden und Gewässern. Gesucht wird auch anhand von Luftbildern.

Kiel/Hamburg | Die Bombenräumer in Schleswig-Holstein haben viel zu tun: Das Land war zum Ende des Zweiten Weltkrieges Rückzugsgebiet der deutschen Wehrmacht. Damit wurden Ballungszentren wie Kiel und Lübeck zum einen stark bombardiert, zum anderen wurden hier auch die Waffenreste entsorgt. Diese aufzuspüren, bevor Bauarbeiter oder Anwohner durch einen Zufallsfund gefährdet werden, ist eine große Herausforderung für die Experten des Landeskriminalamtes SH.

168 Gemeinden im Land sind nach Angaben des LKA in der Kampfmittelverordnung aufgeführt - um hier Arbeiten im Erdreich sicher zu ermöglichen, sei eine Auswertung von Luftbildern vonnöten, heißt es in einer Mitteilung des Landeskriminalamtes. Dafür werden Luftaufnahmen von Alliierten vor und nach Luftangriffen sowie Aufzeichnungen von den Alliierten, was, wann und wo abgeworfen wurde, ausgewertet. Diese Daten werden mit den eigenen Aufzeichnungen der bereits erfolgten Räumungen abgeglichen. Schwierig sei, das damals festgehaltene Bild in die heutige Zeit zu übertragen – alte Gebäude stehen nicht mehr, Straßenzüge und Landschaften haben sich verändert.

Drei Mitarbeiter des LKA werden eingesetzt, um den Anträgen auf Luftbildauswertung gerecht zu werden – und die Anzahl der Anträge, Baugrundstücke zu untersuchen, sei seit 2007 (450 Anträge) bis 2014 stark angestiegen. In diesem Jahr werde mit 2700 Anträgen gerechnet, teilt das LKA mit. Gibt es einen Verdachtspunkt, werde hier vor Ort nach Munition oder Blindgängern gesucht. Bei einem Bombenfund übernehmen die Entschärfer des Kampfmittelräumdienstes.

Die Stückzahl der Bomben- und Munitionsfunde unterliegt von Jahr zu Jahr erheblichen Schwankungen. Die jeweils untersuchten Flächen sind unterschiedlich stark mit Kampfmitteln belastet, zudem variiert der Zeitaufwand für ihre Beseitigung.

Als größte Aufgabe in Schleswig-Holstein stellte sich im Jahr 2013 die Räumung von 31 englischen Grundminen im Wasser der Kieler Förde heraus. Jahrzehntelang waren Frachtschiffe und Passagierfähren über die unentdeckten Sprengkörper hinaus auf die Ostsee gefahren. Um sie zu entschärfen, nutzten die Experten nach eigenen Angaben erstmals sogenannte Schneidladungen. Dabei wird der Zünder von der Sprengladung der Mine abgesprengt. 29 Mal habe die neue Technik funktioniert. Zweimal blieb den Bombenräumern nichts anderes übrig, als die komplette Mine kontrolliert hochgehen zu lassen.

„Ein Ende von Kampfmittelfunden ist nicht absehbar und für das 21. Jahrhundert nicht zu erwarten“, sagte Mark Wernicke vom Kampfmittelräumdienst Schleswig-Holstein bereits bei der Bilanz des Jahres 2013. Insgesamt seien rund 45.000 Tonnen Munition über dem Bundesland abgeworfen worden, davon rund 30.000 Tonnen auf die Landeshauptstadt Kiel.

Was versteht man unter einem Blindgänger?

Blindgänger sind Bomben, die bei ihrer Benutzung (Abschuss oder Abwurf) nicht oder nicht vollständig explodiert sind. Grund dafür kann neben falscher Bedienung auch technisches Versagen sein.

Woher stammen die alten Fliegerbomben in der Landeshauptstadt?

Allierte Flugzeuge warfen vor 70 Jahren tausende Bomben auf Kiel. Das hat Folgen bis heute: Immer wieder finden sich im Boden Blindgänger, die eine Gefahr darstellen. Als Marine- und Werftenstandort war Kiel im Zweiten Weltkrieg wiederholt schwer bombardiert worden. Die ersten Luftangriffe fanden nach Angaben des Stadtarchivs am 2. Juli 1940 statt, die letzten in der Nacht zum 3. Mai 1945. Insgesamt fielen bei 90 Luftangriffen 44.000 Sprengbomben, 900 Minenbomben und rund 500.000 Brandbomben. Fast 3000 Zivilisten starben, 167.000 Einwohner wurden obdachlos.

Wie werden die Bomben entdeckt?

Häufig werden Blindgänger unabhängig von der gezielten Suche bei Baumaßnahmen gefunden. Im aktuellen Fall der Meimersdorfer Bombe geschah dies durch die Auswertung von Luftbildern.

Wie lange dauert eine Bombenentschärfung?

Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich.

Wie sollte ich mich als Bürger verhalten, wenn ich Munition entdecke?

Als Faustregel gilt: Munition nicht berühren und sofort den Kampfmittelräumdienst verständigen. Dies kann rund um die Uhr über die örtliche Polizei (110) oder das Lagezentrum des Kieler Innenministeriums (0431/1600) erfolgen. Der unsachgemäße Umgang mit Munition oder Teilen davon kann tödlich sein.

 
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erstellt am 08.Okt.2014 | 12:06 Uhr

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