zur Navigation springen

Serie Geheimtipps : Weitblick über Watt und Inseln

vom

Landeskenner zeigen ihre Geheimtipps: Heute auf dem Rad mit Nordsee-Vermarkterin Constanze Höfinghoff an die Spitze der Hamburger Hallig.

Reussenköge | Rasant jagen graue Wolkentürme über den Himmel, entleeren sich in heftigen Schauern. Kreischende Möwen werden vom stürmischen Nordwestwind wie Pfeile durch den Himmel geschossen. Die Austernfischer bleiben mit ihren roten Füßen lieber auf den Salzwiesen stehen, scheinen von dort in hohen, abgehackten Tönen darüber zu schimpfen, dass der Sommer eine Pause einlegt. Der Wind wirbelt durch das blonde Haar einer jungen Frau, die sich auf einem himmelblauen Fahrrad die vier Kilometer bis zur Spitze der Hamburger Hallig kämpft, das Rad dort vor dem weißen Hallig-Krog abstellt und die letzten Meter zum Meer zu Fuß geht. Sichtlich entspannt saugt sie die salzige Luft ein. "Ich brauche diesen weiten Blick, um klar denken und durchatmen zu können", sagt Constanze Höfinghoff, Chefin des Nordsee-Tourismus-Service (NTS).
Deswegen liebt die Chefvermarkterin der Nordseeküste auch die Weiten der australischen Landschaft. Immer wieder zieht es die in Gelsenkirchen aufgewachsene Ruhrpottpflanze in die Weiten Australiens, wo die 42-Jährige gute Freunde hat. "Ich reise leidenschaftlich gerne, Australien ist meine große Liebe", sagt Constanze Höfinghoff. Doch der fünfte Kontinent liegt fern, die Halligwelt dagegen fast vor der Tür der NTS-Geschäftsstelle in Husum. "Was für ein Horizont, was für ein Blick", schwärmt die im Sternzeichen Wassermann Geborene. "Schon immer hat das Meer eine besondere Anziehungskraft auf mich ausgeübt", sagt Höfinghoff und zeigt auf Nordstrand, Nordstrandischmoor, Pellworm und Südfall. Trotz grauen Himmels bietet sich ein bestechender Blick auf die Insel- und Halligwelt. Die Nordsee schäumt erst in weiter Ferne. Die Ebbe hat den zunächst schlickigen, dann sandigen Meeresgrund auf weiten Flächen frei gelegt. "Der Tidenhub ist hier mit drei Metern schon hoch, bei Flut und Wind ist diese Badestelle nur etwas für gute Schwimmer", sagt der große Nordsee-Fan. "Ich finde aber auch die Ostsee wunderbar, beide Küsten ergänzen sich perfekt", schwärmt Höfinghoff.

Nur Schafe dürfen auf der Hamburger Hallig wohnen

Wohnen dürfen auf der Hamburger Hallig nur Schafe, die genau zu wissen scheinen, dass sie auf der Spitze des Sönke-Nissen-Koogs keine Feinde fürchten und sich nach niemanden zu richten haben - nicht mal nach den wenigen Autos, die mit einer Sondergenehmigung die Hallig befahren dürfen. Stoisch kauend und mit coolen Blicken fixieren sie über Minuten das vor ihnen wartende Fahrzeug, das über die schmale Beton-Fahrspur in Richtung Krog unterwegs ist. "Bitte nicht hupen, das ist das Signal zur Fütterung", sagt Constanze Höfinghoff. Beeindruckend auch die imposanten Vogelscharen, die auf ihren weiten Wanderflügen auf der Hallig Rast machen, darunter auch die Ringel- und Nonnengänse.
Schon der Weg zur Hamburger Hallig bietet Außergewöhnliches. Er führt durch den Sönke-Nissen-Koog. Die weißen, unter Denkmalschutz stehenden Häuser sind im Kolonialstil erbaut. Ihre Dächer ziert ein edles Hellgrün - eine weltweit einzigartige Farbmischung. Der Friese Sönke Nissen (1870 bis 1923) war durch den Diamantenhandel eng mit Südafrika verbunden. Der Baustil der Häuser in dem nach ihm benannten Koog sind Ausdruck dieses ehemals so bedeutsamen wirtschaftlichen Bandes.

Aufwärmen mit heißer Schokolade

Das Auto bringt französische Gäste zur Hauptwarft, auf der ein Stützpunkt des Nationalpark Service, die Wattwerkstatt und der Hallig-Krog stehen, in dem sich Constanze Höfinghoff mit heißer Schokolade aufwärmt. Dann geht es zurück mit dem Rad, entlang am Kuhberg, einer unbebauten Warft, die den Schafen als Flutschutz dient. Auf halber Strecke zurück zum Seedeich liegt der Schafsberg, die dritte Warft mit der Nationalparkstation des Nabu. Der Wind frischt wieder auf. "Bestes Gesundheitsklima, für diesen Bereich sollten wir noch stärker werben", sagt Höfinghoff. Just in diesem Moment kommt ihr dafür eine neue Idee - sie braucht eben diesen weiten Blick von die Hamburger Hallig, um klar denken zu können.

zur Startseite

von
erstellt am 13.Aug.2013 | 10:55 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen