Museum in Husum : "Weihnachtshaus" in der Storm-Stadt

Nicht Blech, nicht Plastik: Die bunten Vögel sind aus mundgeblasenem Glas. Sie werden in kleinen deutschen Manufakturen hergestellt. Fotos: juk
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Nicht Blech, nicht Plastik: Die bunten Vögel sind aus mundgeblasenem Glas. Sie werden in kleinen deutschen Manufakturen hergestellt. Fotos: juk

Husum bekommt ein eigenes "Weihnachtshaus": Ab Sonnabend lädt Alix Paulsen in ihre Ausstellung ein. Mit viel Fachwissen entführt sie die Besucher in ihre Weihnachtswelt.

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30. Oktober 2008, 07:49 Uhr

Husum | Es ist das Haus am Westerende 46, das es Alix Paulsen angetan hat. Mit dem ersten Rundgang durch das völlig verwohnte Gebäude kam der Verlegerin die Idee, dort ganzjährig einen Teil ihrer Weihnachtssammlung zu zeigen. Das ist ein Jahr her. Inzwischen ist das "Weihnachtshaus" fertig restauriert und Alix Paulsen zufrieden. Am 25. Oktober öffnet sie die Türen für Besucher.
Unzählige Stunden hat Alix Paulsen damit zugebracht, ihre Sammlerstücke in Vitrinen zu drapieren, die Weihnachtsbäume zu schmücken und das historische Geschäft einzurichten. Was die 1956 geborene Mutter von drei Kindern ausstellt, ist nicht einfach nur so gesammelt. Die Frau des Verlegers Ingwert Paulsen weiß von jedem einzelnen Objekt, woher es stammt und wie es genutzt wurde. Sie erklärt an Engelshaar, Rauschgold oder Krippe den zeitgeschichtlichen Zusammenhang. Wer weiß heute noch, dass die Weihnachtsbäume erst nach dem Krieg 1870/1871 in die Wohnungen der breiten Bevölkerungsschichten Einzug hielten? Bis zu der Zeit hatten sie ausschließlich die Festsäle von Adel, gehobenem Bürgertum und Zünften geschmückt.
Süßware von 1850
Der Rundgang beginnt im Erdgeschoss. Adventskalender - der älteste von 1902 - und historischer Christbaumschmuck sind zu sehen. Im Stil des Biedermeiers, Jugendstils oder der 1950-er Jahre hat Alix Paulsen Bäume geschmückt. Doch nicht nur das. Der Besucher kann anhand der gezeigten Werkzeuge nachvollziehen, wie der Baumschmuck in filigraner Handarbeit entstanden ist.

Der ausklingenden Biedermeier-Zeit sind auch drei festlich verpackte Schokoladen zuzurechnen, die Alix Paulsen in Weihnachtskisten gefunden hat. Die Tafeln liegen schon seit 1850 in dem hellen Seidenpapier, das mit je einem handkolorierten Kupferstich verziert ist.
Ein Stück Kulturgeschichte
Nicht weit von den Weihnachtskisten entfernt hängt der Schmuck am Baum, der in Husum nicht fehlen darf: Aus weißem Papier geschnittene Netzsäckchen mit Konfekt gefüllt. Die Süßware ist rot, grün oder goldfarben verpackt. Kleine Vögel, Engel und mit Lyra verzierte Kerzenhalter hängen oder klemmen an dunkelgrünen Zweigen. "Dieser Baum ist nach den Erzählungen aus der Familie Theodor Storms (1817-1888) geschmückt", sagt Alix Paulsen. Die Familie habe Weihnachten regelrecht zelebriert. Nachzulesen ist das auch auf Seiten von Storms Tochter Gertrud (1865-1936).
Alix Paulsen möchte vor allem eines: "Ich möchte Husum mit dem Weihnachtshaus ein Stück Kulturgeschichte geben." Ihr komme es dabei besonders auf die Struktur der Ausstellung an. Doch nicht erst dort finden die Objekte nach Regionen zusammen. Paulsen sammelt bereits so, "dass man versucht zu erfassen, wie Weihnachten wo gefeiert wurde".
Ihre Vorliebe finanziert Alix Paulsen privat, wie sie sagt. Das tiefe Wissen hat sie sich allerdings auch beruflich angeeignet. Schon viele Weihnachtsbücher haben auf ihrem Verlags-Schreibtisch gelegen. Die darin abgebildeten Gegenstände sind durchaus auch aus ihrer Sammlung.

Das "Weihnachtshaus" ist vom 25. Oktober bis 6. Januar zwischen 10 und 12 Uhr und 14 und 17 Uhr geöffnet. Den Rest des Jahres von 14 bis 17 Uhr. Führungen werden unter 04841/8352-0 vereinbart.
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