Silvester-Feuerwerk : Was illegale Böller so gefährlich macht

Achtung, tödlich! Sprengstoff zu bauen oder Böller ohne Prüfnummer zu zünden, ist strafbar. Foto: dpa
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Achtung, tödlich! Sprengstoff zu bauen oder Böller ohne Prüfnummer zu zünden, ist strafbar. Foto: dpa

Der Böller "Marke Eigenbau" oder das große Feuerwerk aus Polen können verheerende Wirkung haben. Damit der Jahreswechsel ohne Verletzungen abläuft, hier ein paar Tipps.

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30. Dezember 2011, 09:42 Uhr

Kiel | Heute starten die Supermärkte wieder mit dem Verkauf von Silvesterfeuerwerk. Das schleswig-holsteinische Verbraucherschutzministerium warnt zum Jahreswechsel vor Böllern der "Marke Eigenbau" sowie illegal importiertem Feuerwerk. Beides birgt erhebliche Risiken, die zu schweren Verletzungen und dauerhaften Gesundheitsschäden führen können, warnt die Behörde.
"So genannte Selbstlaborate, also in Heimarbeit hergestellte Böller, sind in ihrer Wirkung teilweise mit kommerziellem Sprengstoff durchaus vergleichbar", erklärt Ministeriumssprecher Christian Seyfert. Oft könnten schon wenige Gramm gravierende Explosionen verursachen. "Selbst geringste Erschütterung oder Reibung kann diese Reaktion auslösen, was in der Vergangenheit auch in Schleswig-Holstein zu sogar tödlichen Unfällen geführt hat." Bei nahezu der Hälfte aller dokumentierten Sprengstoffexplosionen, die illegal herbeigeführt wurden, erfolge die Explosion daher auch ungewollt bereits während der Herstellung oder der Sprengungsvorbereitung.

Sprengstoff-Taten verdoppelt
Das Landeskriminalamt musste in diesem Jahr fast doppelt so häufig wegen illegaler Pyrotechnik ermitteln wie 2010. 137 mal bestand für die Ermittler der Verdacht, dass Menschen illegal Sprengstoff selbst gebastelt oder illegale Pyrotechnik gezündet haben. Im Vorjahr waren es 76 Ermittlungsverfahren. Drei Menschen verloren bislang in diesem Jahr einen oder mehrere Finger durch das Hantieren mit illegalem Sprengstoff. Insgesamt wurden nach Schätzungen des LKA zehn Menschen in Schleswig-Holstein durch verbotene Pyrotechnik verletzt.
Das illegale Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion ist eine Straftat, selbst wenn dabei kein Sach- oder Personenschaden entsteht. Zudem sei bereits das Herstellen von Selbstlaboraten ein Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz, warnt Seyfert.

Beim Kauf auf die Prüfnummer achten
"Eine ebenfalls oft unterschätzte Gefahr ist illegal importiertes Feuerwerk", so Seyfert. "Geprüfte Feuerwerkskörper tragen immer das Zulassungszeichen der Bundesanstalt für Materialforschung (BAM)". Ausschließlich solche Artikel sollten beim Silvesterfeuerwerk verwendet werden. Illegal importiertes Feuerwerk habe meist eine erheblich größere Sprengkraft als zugelassenes Feuerwerk. Oft seien die Zündschnüre zu kurz, die Verarbeitung mangelhaft und die Böller zum Teil mit Propfen aus Gips verschlossen, die wie lebensgefährliche oder tödliche Geschosse wirken könnten. Die Einfuhr solcher Feuerwerkskörper sei ein Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz und werde mit Geldstrafen oder Haft von bis zu drei Jahren bestraft.

Teuer kann es auch werden, wenn Raketen ohne Genehmigung nach dem Jahreswechsel gezündet werden. "Feuerwerkskörper dürfen nur an Silvester und Neujahr gezündet werden", warnt Brandinspektor Torge Brüning von der R+V Versicherung. Wer zu anderen Gelegenheiten ein Feuerwerk plant, benötigt eine Genehmigung - ansonsten drohen Bußgelder von bis zu 50.000 Euro.
Den schriftlichen Antrag sollten die Feuerwerk-Fans rund vier Wochen vor dem geplanten Termin stellen. Zuständig sind Ordnungs- oder Umweltamt der jeweili­gen Stadt oder Gemeinde.

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