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Die Sprache der Diplomatie : Was hinter den Botschaften der Botschafter steckt

vom
Aus der Onlineredaktion

Der türkische Präsident macht es und der japanische Regierungschef auch - Botschafter einzubestellen ist eine Form der diplomatischen Sprache. Was aber sagt sie über die Beziehung zweier Länder aus?

shz.de von
erstellt am 09.Jun.2016 | 16:19 Uhr

Im Inselstreit bestellt Japan den chinesischen Botschafter ein, die Türkei ruft aus Protest über die Armenien-Resolution ihren Botschafter aus Berlin zurück. Einbestellt, zum Gespräch geladen oder ausgewiesen - der Ton sagt viel über das Verhältnis zweier Länder aus. Botschafter müssen multilingual sein. Je nach Einsatzort müssen sie unfallfrei durch das Gespräch kommen, um die Beziehung der Länder nicht zu gefährden. Dabei sind es nicht nur Fremdsprachen, die sie in ihrem Repertoire haben sollten. Die Diplomatie hat ihre eigene Sprache - niedergeschrieben in dem Wie­ner Über­ein­kom­men über di­plo­ma­ti­sche Be­zie­hun­gen. Im Dialog mit dem Gastland kommt es auf Feinheiten an. Ihr Vokabular im Überblick:

Einladung zum Gespräch: Empfangsland und Entsendeland können mit einfachen Mitteln signalisieren, wie es um die Beziehungen beider Länder steht. Die Einladung zu Gespräch gilt als die moderateste Form der Kritik. Wird ein Botschafter höflich zum Gespräch eingeladen, dann deshalb, damit nicht der Eindruck entsteht, dass zwischen den Ländern ernsthaft etwas im Argen liegt.

Einbestellung oder Zitieren des Botschafters: Wird der Botschafter einbestellt, dann hat sich der Ton verschärft. Die Zeiten des höflichen Einladens sind vorbei. Zwar ist die Einbestellung förmlich, aber dennoch ein Indiz dafür, dass Missstimmung zwischen den Staaten herrscht. Für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ist die Einbestellung in der jüngsten Zeit eine probates Mittel, seinem Protest gegen die Regierungen andere Länder Ausdruck zu verleihen. 

Anweisung zur Abberufung und Ausweisung des Botschafters: Haben Gespräche und Einbestellung nichts genutzt, kann der Empfangsstaat den Entsendestaates auffordern, seinen Botschafter abzuberufen - die wohl drastischste Spitze im diplomatischen Gespräch. Die Ausweisung - der finale Stoß - erfolgt, wenn der Botschafter nicht in der festgelegten Zeit das Land verlassen hat. 2011 machte die Türkei von diesem Mittel Gebrauch und wies den israelischen Botschafter aus. Damit reagierte Ankara auf die Erstürmung eines Gaza-Hilfsschiffes durch israelische Soldaten, bei den neun türkische Aktivisten ums Leben gekommen waren.

Abberufung des Botschafters: Nicht nur der Empfangsstaat, sondern auch das Entsendeland kann seinen Unmut gegen die Regierung kuntun. Liegt ein schweres diplomatisches Zerwürfnis vor, so kann ein Land seinen Botschafter abberufen. Erst im Januar hatte Kuweit seinen Botschafter aus Teheran abberufen und sich im Konflikt Saudi-Arabiens mit dem Iran an die Seite des Königshauses in Riad gestellt.

Abbruch der diplomatischen Beziehung: Stärkstes Mittel ist der komplette Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit einem anderen Land. Ein seltener Fall, aber dennoch nicht unwahrscheinlich: Anfang des Jahres hat Saudi-Arabien seine diplomatischen Beziehungen zum Iran abgebrochen, nachdem sich die Spannungen zwischen den beiden Ländern nach der Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Scheich Nimr Baker al-Nimr verschärft hatten.

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