Milchwirtschaftliche Kundgebung : Was bleibt für die Milcherzeuger?

Über Nachhaltigkeit diskutierten einen Tag vor Eröffnung der Norla in Rendsburg Vertreter der Milchwirtschaft. Sie sehen dabei auch die Gesellschaft gefordert.

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01. September 2011, 09:15 Uhr

Rendsburg | Die Landwirte in Schleswig-Holstein wollen sich die Vorgaben für die nachhaltige Erzeugung von Milch nicht vom Handel diktieren lassen. Das sperrige Thema "Nachhaltigkeit" stand daher am Mittwoch auf der Tagesordnung der Milchwirtschaftlichen Kundgebung, die traditionell einen Tag vor der Norla in Rendsburg abgehalten wird. Dazu eingeladen hatten ins Hotel "ConventGarten", die Milcherzeugervereinigung Schleswig-Holstein und das Kompetenzzentrum Milch, angesiedelt bei der Christian-Albrechts-Universität (CAU) Kiel. Rund 200 Versammlungsteilnehmer nutzten die Gelegenheit zu Information und Diskussion.
Die Nachhaltigkeit - heute ein Modebegriff - hätten Bauern eigentlich für sich gepachtet, meinte Peter Lüschow. "Wir haben seit Jahrhunderten nachhaltig gewirtschaftet und die Höfe weitergegeben an unsere Nachkommen", sagte der Vorsitzende der Milcherzeugergemeinschaft in seiner Begrüßung. Aber für die Zukunft der Betriebe sei es unabdingbar, mit dem Verbraucher darüber zu reden, "was wird von der Gesellschaft gefordert?" Um das Machbare umzusetzen sei die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft unabdingbar.
Forschung als Basis für neue Entwicklungen
Wie dieses Miteinander funktioniert, erläuterte die Dekanin der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät der CAU. Das Kompetenzzentrum Milch sei einzigartig in der Bundesrepublik, erklärte Professor Dr. Karin Schwarz. Ziel sei es, die Wettbewerbsfähigkeit der Milchwirtschaft zu stärken. Über die Forschungsprojekte werde die Basis für neue Entwicklungen geschaffen. Bei einem so komplexen Thema wie Nachhaltigkeit seien die Ergebnisse nur mit Beteiligung aus der Praxis übertragbar in die Produktion.
Anerkannte Standards zur Nachhaltigkeit wünschte sich der Präsident des Schleswig-Holsteinischen Bauernverbandes. "Ob wir allerdings zu den einzelnen Themen immer die gleiche Sichtweise haben wie unsere Handelspartner, wage ich zu bezweifeln", sagte Werner Schwarz. Die Landwirte dürften sich nicht dem Thema verschließen, meinte der Bauernpräsident, "damit wir nicht Gefahr laufen, dass uns der Handel die Vorgaben diktiert." Er sprach sich für die Zusammenarbeit mit der Meiereiwirtschaft aus: "Ich denke, wir können gemeinsam und zu unserem Vorteil einiges bewirken."
4800 Milchbauern in Schleswig-Holstein
Wie mit diesem Thema in einem der größten Versorger der Bundesrepublik umgegangen wird, erläuterte Josef Schwaiger, Geschäftsführer vom Deutschen Milchkontor (DMK). Die vier Monate alte GmbH ist durch Fusion der Firmen Nordmilch und Humana entstanden und beschäftigt an 24 Standorten, einer davon ist in Hohenwestedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde), 5800 Mitarbeiter. Seit 2010 gebe es Leitlinien zur Nachhaltigkeit, in diesem Jahr werde erstmals eine Ökobilanz für zwei Standorte gezogen, berichtete Schwaiger.
An die 4800 Milchbauern gibt es in Schleswig-Holstein. Was die Landwirte bewegt, klang in der Diskussion an. Angesichts der Konzentration der Molkerei-Unternehmen fragte eine Landwirtin: "Was bleibt noch für den Erzeuger übrig?" Ein Landwirt sorgte sich: "Immer weniger junge Menschen sind bereit, die Betriebe weiterzuführen. Wo bleibt da die Nachhaltigkeit?"

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