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Renten : "Warum kriegen die Leute denn keine Kinder mehr?"

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Renate Schwarz organisiert Rentner-Demos, weil sie die Diskussion um 1,1 Prozent mehr Rente unwürdig findet. Das Problem seien nicht die Rentner, sondern der Staat und die jungen Leute, die keine Kinder mehr bekommen.

shz.de von
erstellt am 28.Apr.2008 | 07:28 Uhr

Kropp | Wenn das Thema Renten auf den Tisch kommt, geht Renate Schwarz die Hutschnur hoch. 30 Jahre hat die heute 66-Jährige als Altenpflegerin gearbeitet, vier Kinder hat sie groß gezogen - und bekommt heute ein Altersgeld, dass deutlich "unter 1000 Euro" liegt. "Ohne die Pension meines Mannes ginge es nicht", sagt sie.

Eigentlich ist Renate Schwarz eher ruhig. Bedächtig wartet sie, wenn ihr Mann spricht, doch wenn es um Renten geht, dann ist sie die Wortführerin. Vor allem bei der derzeit viel diskutierten Rentenerhöhung um 1,1 Prozent. "Für mich ist das ganz klar eine Rentenkürzung", schimpft sie, und aus ihren Augen sprühen Funken. "1,1 Prozent bei einer Inflationsrate, die im März bei 2,8 Prozent lag und jetzt schon bei 3,5 Prozent! Und dann nicht zu vergessen der Anteil von 0,25 Prozent, den wir Rentner aus eigener Tasche an die Pflegeversicherung zu entrichten haben."
"Die behaupten, wir Rentner plünderten die Kassen"
Renate Schwarz ist gut informiert. "Ich lese täglich die Landeszeitung, schaue die Talkrunden auf Phoenix." Und natürlich gehörten auch Spiegel und Focus zu ihrer Lektüre. Das, was die Rentnerin dort liest, gefällt ihr, gelinde gesagt, gar nicht. "Da können ein Herr Ackermann und Co. mal eben 17 Milliarden in ihren Bankgeschäften verzocken, oder die Herren Politiker genehmigen sich einfach mal 9,5 Prozent mehr Diäten. 9,5 Prozent - das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen!" Das schreibe die Presse einfach so auf. Da krähe kein Hahn nach. Aber wenn dann die Renten um 1,1 Prozent erhöht werden sollten, dann ritten alle darauf herum. "Und ein Herr Herzog - jetzt sage ich schon wieder Herr - ein Roman Herzog, mit jährlich 300.000 Euro Altersgeld, erdreistet sich in der Blöd-Zeitung zu behaupten, wir Rentner plünderten die Kassen", schimpft Renate Schwarz und zieht an ihrer Zigarette. "Diese Diskriminierungen und Beleidigungen, die will ich mir einfach nicht mehr gefallen lassen!"

Darum mobilisiert die Kropperin jetzt Rentner-Demos. Einmal ist ihr das bereits gelungen, 21 Gleichgesinnte kamen mit ihr auf den Markt in Kropp und bliesen in ihre Trillerpfeifen. Der nächste Termin ist auch schon anvisiert: Dienstag, der 13. Mai, 17.30 Uhr, wenn Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff das kleine Örtchen bei Schleswig besucht.
"Ich hab meinen Beitrag geleistet."
"Natürlich bin ich mir völlig im Klaren, dass es keine höheren Renten geben wird. Aber diese Beleidigungen müssen aufhören", sagt sie und nimmt einen Schluck Kaffee. "Die sind unerträglich."

Ebenso unerträglich wie die Tatsache, dass Schwarz Rentnerinnen kennt, "die 380 Euro im Monat bekommen und im Second-Hand-Geschäft einkaufen müssen. Oder welche, die sammeln Pfandflaschen." Das sei ganz gewiss nicht fürs Taschengeld, sondern Überlebenskampf. Und "das kann nicht sein", schüttelt Renate Schwarz den Kopf.

Gerade zur anstehenden Kommunalwahl wolle sie daher die Menschen aufrütteln. "Diese Koalition, die nicht miteinander redet und sich nicht versteht, die braucht einmal einen Denkzettel." Und die jungen Leute sollten endlich verstehen, wo das eigentliche Problem liege. Das seien nämlich nicht die Rentner, sondern der Staat. Und außerdem: "Warum kriegen die jungen Leute keine Kinder mehr? Ich hab vier. Ich hab meinen Beitrag geleistet." Nein, das wolle sie sich nicht mehr gefallen lassen. "So jung fühle ich mich noch, mit 66 Jahren Flagge zu zeigen." Die Politiker sollten bloß nicht denken, die Alten säßen irgendwo still hinterm Ofen und ließen sich alles gefallen. Bei so etwas geht Renate Schwarz wirklich die Hutschnur hoch.

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