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Günstige Preise für Immobilien : Warum kaufen wir kein Haus in Dänemark?

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Dänemark ist wahrlich nicht für seine Schnäppchen bekannt. Doch der Immobilienmarkt besticht mit günstigen Angeboten. So manchen hat der Traum vom Eigenheim schon über die Grenze gelockt.

Die Zinsen sind historisch niedrig und die Mieten steigen – für viele weckt das die Lust aufs Eigenheim. Doch die Situation in Flensburg und Umgebung ist für potentielle Immobilienkäufer momentan nicht einfach. Im Umkreis von 15 Kilometern um die Grenzstadt sind für Normalverdiener erschwingliche Immobilien in bezugsfähigem Zustand Mangelware. Der Immobilienmarkt ist angespannt und ausgelaugt, die Preise sind dementsprechend hoch.

Anders sieht die Situation kurz hinter der deutsch-dänischen Grenze aus, weshalb manche Kaufinteressenten aus Flensburg und Umgebung ihren Suchradius – wenngleich meist zaghaft – in Richtung Norden ausweiten. Kurz hinter Kupfermühle finden sich auffällig viele Objekte zum Verkauf, wie sie hierzulande in vergleichbarer Form händeringend gesucht werden. Auffällig wird bei der Durchforstung der Internet-Angebote und bei Besichtigungen, das selbst die „Ladenhüter“ in aller Regel eine hochwertige und stilsichere Ausstattung bieten.

Bekommt man im beschaulichen Smedeby bei Krusau für 170.000 Euro Verhandlungsbasis ein bezugsfertiges Reetdachhaus mit imposantem Architektengarten und goldenen Wasserhähnen, kostet ein moderenisierungs- und renovierungsbedürftiges Vergleichsobjekt in Husby derzeit 195.000 Euro. Dazu kommt, dass die Maklergebühren (in Deutschland liegen sie zwischen drei und sieben Prozent) in den ausgewiesenen Preisen der dänischen Anbieter bereits enthalten sind. Notarkosten und Grunderwerbssteuern fallen als relevanter Kostenfaktor ebenfalls weg. Einkäufe lassen sich für Übersiedler weiter zu deutschen Preisen in Harrislee oder Flensburg erledigen. Die Kosten für Strom und Versicherung sind in beiden Ländern ähnlich.

Wer nicht auf ein Auto verzichten kann, muss sich hier allerdings auf erhebliche Mehrbelastungen einstellen und diese gegebenenfalls in die Kostenrechnung für den Hauserwerb einbeziehen. Autozulassungen werden in Dänemark mit bis zu 180 Prozent besteuert. Da selbst die Einfuhr des „Gebrauchten“ preislich hoch ins Gewicht fällt, ist nicht selten der Kauf eines Neuwagens in der neuen Heimat ratsam. Doch selbst unter diesen Gesichtspunkten erscheint die Rechnung lukrativ, in dänisches Wohneigentum zu investieren.

Das sah auch Mona Lehmann so. Die Duborg-Absolventin hatte nach ihrem Studium in Odense mit ihrem Partner eigentlich den Plan gefasst, wieder nach Flensburg zu ziehen. Doch für den Kaufpreis ihres Hauses in Bov, in dem die Nordfriesin seit 2011 mit Mann und zwei Kindern lebt, war in Grenznähe nichts Vergleichbares zu bekommen. „Außerdem ist es unglaublich schön hier mit der Natur“, sagt die 34-Jährige, „das haben wir aber eigentlich erst später so richtig entdeckt“. Abraten würde sie niemandem davon, ihr den Schritt ins Königreich Dänemark gleichzutun.

Mona Lehmann und ihr Partner arbeiten beide in Dänemark, zu Hause wird Deutsch gesprochen. Das erste Kind kommt bald in den Kindergarten – nicht in den deutschen, sondern bewusst in den dänischen. So kann es komplett zweisprachig aufwachsen. Der Wocheneinkauf finde aber weiterhin auf deutscher Seite statt, sagt sie schmunzelnd.

„Alles kein Problem, man fällt hier als Deutscher gar nicht auf“, sagt sie zum Thema Integration. Das kulturelle „Mischmasch“ in der Grenzregion beflügelt die zweifache Mutter. Wenn man Bereitschaft zeige, die Sprache zu erlernen, hätte man keinerlei Probleme in der Kommune. In Padborg und Umgebung könne man sich auf der Straße problemlos in deutscher Sprache unterhalten, ohne Blicke zu ernten. Von den vielen Deutschen in ihrer Nachbarschaft hätten die meisten aber einen dänischen Hintergund. Ihr direkter Nachbar sei ebenfalls deutscher Staatsbürger. Jeden Morgen pendele er zur Arbeit nach Flensburg – früher sogar nach Itzehoe – und abends wieder zurück zu seiner dänischen Frau.

Süddänemark ist als Wohngegend für Dänen eigentlich nur mit Meerblick wirklich interessant. Obgleich die meisten Objekte auf den ersten Blick sehr attraktiv erscheinen, lässt sich auf Immobilienportalen wie boligsiden.dk leicht festellen, dass sie sich mitunter schon seit zwei Jahren im Portfolio eines Maklers befinden. Viele Arbeitsplätze im Pattburger Speditionsgewerbe wurden ausgelagert oder sind weggefallen, die Nachwehen der Finanzkrise tun ihr Übriges. Einige Hausbesitzer wohnen und arbeiten längst woanders und wollen ihre Häuser einfach nur noch loswerden. Ungeahnte Schnäppchen sind also möglich.

Die grenzweiten Unterschiede der Märkte sind den süddänischen Maklern natürlich nicht entgangen. Seit einigen Monaten gehen sie die Offensive, um vermehrt deutsche Käufer aus der Grenzregion anzulocken. Das Regionskontor Sønderjylland, das für die Beratung der Grenzpendler und Umsiedler zuständig ist, hat auf die Initiative der Makler in ihrem Internetauftritt reagiert. Denn die Übersiedlung will trotz EU und gemeinsamer Geschichte wohl überlegt sein.

Peter Hansen, Leiter des Kontors, mahnt Interessierte eindringlich, die Frohlockungen der offenen EU-Grenze nicht als Anlass zu übereifrigen Handlungen zu nehmen, schließlich ist ein Hauskauf meist ein endgültiger Schritt. Wider der geläufigen Annahme ist der Wohnhauskauf für Deutsche in Dänemark von behördlicher Sicht überhaupt kein Problem. Hat man jedoch ein Haus in Dänemark gekauft, ist man verpflichtet, es auch bewohnen. Das geht mit einer Melde- und Sozialversicherungspflicht einher, so dass sich essentielle Dinge des täglichen Lebens ändern. Eine individuelle und intensive Beratung für Übersiedler sei daher wichtig, sagt Peter Hansen. Nicht selten habe er mit „unschönen“ Geschichten von Umsiedlern aus Deutschland zu tun, deren unüberlegtes Dänemark-Abenteuer zu einem bösen Erwachen führte.

Für Arbeitnehmer, die ohnehin schon in Dänemark bedienstet seien, ändere sich – wenn überhaupt nur kulturell – etwas. Andere sollten sich unbedingt fachkundigen Rat zum Thema Steuern und Sozialversicherung einholen. Vor allem bei der Kostenabdeckung durch die Krankenkassen gebe es manchmal fatale Unterschiede, die – zum Beispiel beim Auftreten chronischer Erkrankungen – zu existenziellen finanziellen Belastungen führen könnten.

Sobald man sich in Dänemark anmeldet, hat man Anrecht auf kostenlose Sprachkurse. Lerne man die Sprache, sei die Integration seiner Erfahrung nach kein Problem, so Hansen. Es gebe bei den Deutschen allerdings die Tendenz, dass „sie sich zusammenrotten“ und kaum außerhalb der deutschen Institutionen im dänischen Grenzland sozial bewegten.

Beim Regionskontor & Infocenter der Region Sønderjylland-Schleswig können Interessierte eine Beratung in Anspruch nehmen. Kontakt: www.pendlerinfo.org, infocenter@region.de, Tel. 0045 74670501

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erstellt am 12.Sep.2014 | 19:26 Uhr

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