zur Navigation springen

Verwirrt bei Blaulicht : Warum es für Rettungsassistenten immer wieder gefährlich wird

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Autofahrer verhalten sich häufig falsch, wenn sie ein Martinshorn hören. shz.de war an Bord eines Rettungswagens.

von
erstellt am 08.Jan.2016 | 18:32 Uhr

Ausgebremst trotz Lebensgefahr – für Notärztin Dana Lange und Rettungsassistent Michael Gryszyk gehört das zum Berufsalltag. Einen Tag lang hat ein Videoteam von shz.de den Flensburger Rettungsdienst begleitet. Was während der Blaulicht-Einsätze auf den Straßen passiert, ist erschreckend.

Schon beim ersten Einsatz kommt es zu brenzligen Szenen. Trotz Martinshorn nimmt ein Autofahrer dem Rettungsteam an einer Kreuzung die Vorfahrt. Gefährliche Manöver wie dieses können tödlich enden. Und dafür muss es nicht zu einem Unfall kommen. „Bei Reanimationen oder wenn Patienten durch eine allergische Reaktion kurz vor dem Ersticken sind, zählt jede Sekunde“, sagt Notärztin Dana Lange. „Dann ärgern wir uns furchtbar über Autofahrer, die sich falsch verhalten.“

Die Zahl der Rettungseinsätze auf den Straßen Schleswig-Holsteins steigt – und damit auch die Gefahr von Unfällen. Laut Landespolizei gab es im vergangenen Jahr 134 Unfälle mit Krankenwagen. Auf den Autobahnen in Schleswig-Holstein kommt es laut Polizei-Sprecher Ove Fallesen besonders häufig zu Problemen: „Wir stellen oft fest, dass Verkehrsteilnehmer nicht freiwillig eine Rettungsgasse bilden.“ Diese müsste meist mit Blaulicht und Sirene durchgesetzt werden.

Doch damit nicht genug: Ist das Einsatzfahrzeug durchgefahren schließen gedankenlose Autofahrer die Gasse wieder. „Nachfolgende Fahrzeuge, wie Abschleppfahrzeuge, Reinigungsdienste oder Autobahnmeistereifahrzeuge müssen dann durch Polizeibegleitung an die Unfallstelle geschleust werden“, sagt Fallesen.

Die Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften der Notärzte Deutschlands beklagt, dass bis zu 70 Prozent der Einsatzfahrten behindert werden. Schlimm ist es für Rettungsfahrer Michael Gryszyk, wenn sich andere Verkehrsteilnehmer beim Platz machen selbst in Gefahr bringen. „Wenn gerade auf Landstraßen Fahrzeuge mit Tempo 80 auf den Grünstreifen fahren, hat man das Gefühl, die kommen gleich ins Schleudern.“ Sein Wunsch an alle Autofahrer: „Eindeutig durch Blinken anzeigen, dass man uns bemerkt hat und kontrolliert rechts ran fahren.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen