Kampf um Weibchen : Warmer Winter: Hasen-Hochzeit schon zu Silvester

Im bundesweiten Vergleich gilt Schleswig-Holstein als „gutes Hasen-Land“. Bis zu 20 Feldhasen tummeln sich hier pro Quadratkilometer.
Im bundesweiten Vergleich gilt Schleswig-Holstein als „gutes Hasen-Land“. Bis zu 20 Feldhasen tummeln sich hier pro Quadratkilometer.

Der Feldhase – „Tier des Jahres 2015“ – kämpft ums Überleben. Erste Rammler prügeln sich um die Gunst der Weibchen.

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29. Dezember 2014, 18:33 Uhr

Hamburg | Der warme Winter hat es möglich gemacht: Die ersten Feldhasen feiern schon zu Silvester Hasen-Hochzeit, wie Eva Goris von der Deutschen Wildtier Stiftung am Montag mitteilte. Auf Feldern und Wiesen prügeln sich die ersten Rammler um die Gunst der Weibchen.

Für den Feldhasen (Lepus europaeus) ist es letztendlich ein Kampf ums nackte Überleben, denn das „Tier des Jahres 2015“ steht auf der Roten Liste. Feldhasen sind in Deutschland nicht vom Aussterben bedroht, doch es gibt heute sehr viel weniger als noch vor 30 Jahren, sagte der Biologe und Hasen-Experte Andreas Kinser. Gründe seien hauptsächlich das Schwinden geeigneter Lebensräume und die Intensivierung der Landwirtschaft. Auch die große Zahl an Nachwuchs helfe „Meister Lampe“ wenig, denn bis zu 80 Prozent der Hasenbabys fallen Hasenkrankheiten und Fressfeinden wie Füchsen, Krähen, Elstern und Greifvögeln zum Opfer.

2013 schätzte der Deutsche Jagdverband den Gesamtbestand der Feldhasen bundesweit auf etwa drei bis dreieinhalb Millionen Tiere - „Tendenz fallend“, ergänzte Goris am Montag.

Im bundesweiten Vergleich gilt Schleswig-Holstein als „gutes Hasen-Land“, sagte Goris. Bis zu 20 Feldhasen tummeln sich hier pro Quadratkilometer. Damit steht das nördlichste Bundesland nach Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen auf Rang 3 der hasenreichsten Bundesländer. Bundesweit sind es nur rund 11 Tiere pro Quadratkilometer. Die wenigsten von ihnen leben in den neuen Bundesländern.

Bei der Hasen-Hochzeit buhlen mehrere Männchen um die Gunst des Weibchens. Doch der „Sieger“ kommt bei der Häsin nicht automatisch zum Zug, berichtet Kinser. „Sie ist nicht nur ebenso stark wie ein Hasen-Mann, sie ist auch emanzipiert“, sagte Kinser: „Sie stellt sich auf die Hinterbeine und boxt ihn so lange, bis die Fellfetzen fliegen.“ Nachdem sie sich resolut ihren Partner ausgewählt hat, wird sie ihm danach ebenso resolut wieder untreu - „um einem anderen Rammler ihre Gunst zu schenken.“

Der Feldhase gilt als tierischer „Spitzensportler“: Auf der Flucht erreicht er Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 80 km/h, kann dabei bis zu zwei Meter hoch und drei Meter weit springen, sagte Goris. Durch seine seitlich stehenden Augen habe er einen Rundum-Blick von nahezu 360 Grad.

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