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Einzelhandel : Warmer Winter: Handel läutet Rabattschlacht ein

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Geschäfte können beim Einkauf immer schwerer auf das Wetter reagieren. Im Einzelhandel breitet sich Nervosität aus.

Kiel | Die Einzelhändler werden unruhig. „Kommt der Winter überhaupt noch?“, fragen sie sich. Zwar startet der eigentliche Winterschlussverkauf traditionell erst in der letzten Januarwoche, doch bei anhaltend frühlingshaften Temperaturen haben viele Bekleidungsgeschäfte schon jetzt mit der Reduzierung von Saisonware begonnen und liefern sich Rabattschlachten.

„Wir stellen eine gewisse Nervösität bei unseren Mitgliedern fest. Für Winterbekleidung stimmt das Wetter einfach nicht“, bestätigt Monika Dürrer vom Einzelhandelsverband Nord in Kiel. Verständlich sei die Sorge: „Der Lagerdruck wächst von Tag zu Tag. Die Geschäfte brauchen Platz für neue Ware“, sagte Dürrer auf Anfrage.

Trotzdem rät sie Händlern in dieser Situation, Ruhe zu bewahren. Zwar locke man mit Rabattaktionen „von verhaltenen fünf Prozent bis hin zu Reduktionen um 30 Prozent“ die Kunden in die Läden und mache Umsatz. „Wichtig ist jedoch, dass für den Handel dabei auch noch was übrig bleibt“, betont die Verbandssprecherin. Sie hoffe nach wie vor auf Frost und Kälte in den nächsten Wochen, „dann wird der Ansturm auf warme Kleidung noch einsetzen“. Textilen kaufe man heutzutage seltener auf Vorrat als früher – auch als Weihnachtsgeschenk haben Mäntel, Jacken, Hosen, Schal und Mützen laut Dürrer an Bedeutung verloren. „Man kauft das erst, wenn es kalt wird“, räumt sie ein.

Zu den Händlern, die keinen Grund zur Panik sehen, zählt Axel Bornhöft. Der Chef der I.D. Sievers-Modehäuser in Rendsburg und Schleswig stellt zwar in dieser Saison ebenfalls ein geringeres Interesse der Kunden an Winterkleidung fest („Wir haben zehn Prozent weniger Jacken verkauft“), verhindert jedoch mit einer flexiblen Einkaufstaktik überquellende Lager.

Früher orderten die Händler auf den Messen im Februar und März bereits die komplette Ware für den nächsten Winter. Heutzutage hingegen gehe man eher das Risiko ein, in der zweiten Jahreshälfte nachzuordern. „Wir versuchen, viel kurzfristiger als früher zu reagieren, auch wenn dann begehrte Artikel unter Umständen nur noch schwierig oder gar nicht zu kriegen sind“, erklärt Bornhöft. Der Unternehmer schätzt, dass sich mittlerweile jeder zweite Lieferant auf die veränderten Bestellgewohnheiten der Geschäfte eingestellt hat. Ganz ohne Rabatt geht auch Bornhöft nicht in die kommenden Geschäftstage: Derzeit gewährt er zehn Prozent Nachlass auch auf bereits reduzierte Winterware.

Profitieren kann der Einzelhandel im Norden aus Dürrers Sicht vor allem von Gutscheinen oder Bargeld, die unter dem Weihnachtsbaum lagen. Sie sind Umsatzbringer in dieser Zeit. Schließlich machen gerade die Gutscheine inzwischen einen immer größeren Anteil an den Geschenken zur Weihnachtszeit aus. Nach Angaben des Dachverbandes des Einzelhandels (HDE) lag ihr Gesamtwert in Deutschland allein im abgelaufenen Jahr bei rund zwei Milliarden Euro. Zwar ist das Geld für die Gutscheine selbst bereits in den vergangenen Monaten beim Kauf verbucht worden. Doch die Logik des Handels ist eine andere: Wer mit dem Gutschein in den Laden kommt, kauft auch gerne mal andere Produkte dazu und generiert dadurch zusätzlichen Umsatz. „Bei gutem Wetter profitieren davon die Innenstädte, bei nass-grauem Wetter die überdachten Shoppingcenter“, so Dürrer.

Neben dem Wetter bleibt das Online-Geschäft für den stationären Einzelhandel eine Herausforderung – und das zunehmend. In diesem Weihnachtsgeschäft soll bereits gut jeder zehnte Euro online ausgegeben worden sein. Von 81 Milliarden Euro, die insgesamt bundesweit umgesetzt worden sind, kommen rund 8,5 Milliarden Euro aus dem Online-Handel – ein Plus von 15 Prozent gegenüber 2012.

 

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erstellt am 04.01.2014 | 17:30 Uhr

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