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Weihnachtsmärkte in SH : Vorsicht vor gepanschtem Punsch

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Lebensmittelkontrolleure testen auf Weihnachtsmärkten die Glühweinqualität: 15 bis 20 Prozent der Getränke fallen durch.

shz.de von
erstellt am 11.12.2013 | 16:30 Uhr

Kiel | Adventszeit ist Punschzeit, und ein Weihnachtsmarkt ohne das meist alkoholhaltige Heißgetränk ist kaum denkbar. Es wärmt Körper und Seele im kalten Winter – wenn es denn richtig zubereitet wurde. Das testen in diesen Tagen die Lebensmittelprüfer der Kreise und kreisfreien Städte. Begleitet werden sie seit etwa zehn Jahren von Ursula Linssen, der einzigen amtlichen Weinsachverständigen im hohen Norden.

„Dabei stoßen wir – alle Jahre wieder – auf die gleichen Probleme“ , berichtet die gelernte Winzerin und studierte Weinbauerin. „Im Schnitt gibt es bei 15 bis 20 Prozent aller Proben Beanstandungen.“ Meist weil der vorgeschriebene Alkoholgehalt im Glühwein von mindestens sieben Prozent nicht eingehalten wird.

Linssen predigt deshalb jedes Jahr aufs Neue: „Langsam erhitzen bis auf etwa 80 Grad. Das ist wichtig, denn nach dieser Temperaturgrenze beginnt der im Wein enthaltene Alkohol zu verdampfen“. Und: „Deckel auf den Topf und nur so viel zubereiten, wie auch in einem absehbaren Zeitraum verkauft werden kann.“ Wer sich nicht daran hält, produziert keinen Punsch, sondern panscht. Glühwein hält sich nämlich nicht zu lange, ein sicheres Zeichen für sein nahes Ende ist die Farbveränderung. „Kippt der Saft ins Rostrote, hat die Oxidation eingesetzt.“ Wird das Getränk zu hoch oder zu lange erhitzt, tritt zudem ein unangenehmer Kochgeschmack auf. „Es schmeckt dann brenzlich und wie karamellisiert“, ein sicheres Zeichen für Linssen, dass die Weihnachtsmarktbesucher mit dem Gesöff nicht mehr beglückt werden sollten. „In extremer Ausprägung kann dieser Kochton durchaus schon einmal so intensiv sein, dass er Ekel hervorruft.“ Auch dass Reste vom Vortag nicht wieder verwendet werden sollten, hat Linssen vorsichtshalber in einem eigens verfassten Merkblatt für Weihnachtsmarktbeschicker niedergeschrieben. Grundsätzlich nimmt die Weinkontrolleurin immer zwei Proben: „Eine vom kalten Getränk, eine vom Erhitzten. Es gibt nämlich auch Fälle, bei denen schon das Ausgangsprodukt nicht in Ordnung ist.“ Ohnehin seien die verwendeten Weine „meist von einfacher Qualität und nicht hochpreisig“.

Natürlich hat auch die EU Vorgaben für den Punsch gemacht. Im Weinrecht ist genau festgelegt, welchen Qualitätsstandards der Glühwein entsprechen muss. Sein Alkoholgehalt muss zwischen mindestens sieben und maximal 14,5 Prozent liegen. Außerdem darf der Glühwein nur aus Rot- oder Weißwein hergestellt und muss vor allem mit Zimt und Nelken aromatisiert werden. Darüber hinaus können weitere Gewürze wie Kardamom oder Orangenschale zugefügt werden. Das Strecken des Getränks mit Wasser ist verboten. Glühweine, die diesen Kriterien nicht entsprechen, dürfen ausschließlich als „aromatisierte alkoholische Getränke“ verkauft werden. Wer sich nicht daran hält, muss mit einer Strafe von bis zu 1000 Euro rechnen.

Dass die in Porzellanbechern gereichten Portionen Punsch mitunter wahre Dickmacher sind und so viele Kalorien haben wie eine kleine Portion Gulasch oder ein Stück Apfelstrudel, ist nicht Linssens Angelegenheit. Das muss jeder Weihnachtsmarktbesucher selbst entscheiden. Auch ob er nach zwei Bechern noch fahrtüchtig ist.

Weil sie von Berufs wegen im Dezember viel Punsch trinkt, verspürt die beim Kieler Umweltministerium angestellte Weinsachverständige jedoch nicht den Drang, nach Feierabend privat einen Weihnachtsmarkt zu besuchen. Während offizielle Weintester bei den sensorischen Prüfungen den Beerensaft nur kosten, ihn aber nicht runterschlucken, sondern wieder ausspucken, kann Linssen dieses Verfahren auf belebten Weihnachtsmärkten nicht ohne weiteres praktizieren. „Das würde nicht gut ankommen.“

Autofahren – nur nüchtern!
Egal, wie viel Prozent Alkohol der Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt tatsächlich hat: Autofahrer sollten sich vorsehen und nur dann hinters Lenkrad setzen, wenn sie  nüchtern sind. Das Landespolizeiamt bestätigte gestern, dass im Rahmen einer EU-Initiative zur Senkung der Unfallzahlen (tispol) seit dem 9. Dezember bis einschließlich kommenden Sonntag, (15. Dezember) landesweit rund um die Weihnachtsmärkte verstärkt Kontrollen durchgeführt werden. Über Zeitpunkt, Ort und Schwerpunkt der Kontrollen wird jeweils in der Region selbst entschieden.
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