Nationaler Radverkehrsplan : Vorfahrt für Radfahrer - nur das Geld fehlt

Extra Spuren für Radfahrer sind in deutschen Städten Mangelware. Foto: Klawitter
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Extra Spuren für Radfahrer sind in deutschen Städten Mangelware. Foto: Klawitter

Der Bundesverkehrsminister möchte mehr Radfahrer auf Deutschlands Straßen sehen - ohne mehr Geld auszugeben. Schleswig-Holstein will den Rad-Tourismus ausbauen.

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07. September 2012, 09:42 Uhr

Kiel/Berlin | Bund und Land wollen den Radverkehr deutlich steigern - aber dafür nicht mehr Geld ausgeben. Die Bundesregierung hat dazu in Berlin den nationalen Radverkehrsplan von Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) beschlossen, der bis 2020 mehrere Maßnahmen zur Förderung der Drahtesel vorsieht. So will Ramsauer etwa Betriebswege an Flüssen und Kanälen zu Radwegen umwandeln und die Sicherheit der Radler verbessern. Dazu prüft er auch härtere Strafen für Pedalritter, die die Regeln missachten.
Mehr Geld gibt Ramsauer allerdings nicht, im Gegenteil: Standen vor zwei Jahren noch 100 Millionen Euro für den Radverkehr in seinem Etat, sind es dieses Jahr nur noch 76 Millionen und im Haushaltsentwurf für nächstes Jahr 60 Millionen. Dennoch hofft der Minister, den Anteil der per Rad zurückgelegten Wege bis 2020 von bundesweit 10 auf 15 Prozent erhöhen zu können.
Wert in Schleswig-Holstein bereits erreicht
In Schleswig-Holstein ist genau dieser Wert schon erreicht. Nach Bremen mit 19 Prozent ist das Land damit das größte deutsche Fahrradland. Der rot-grün-blauen Landesregierung reicht das aber nicht: Sie will den "zuletzt vernachlässigten Radverkehr stärker berücksichtigen" und Schleswig-Holstein "zum Fahrrad-Tourismusland Nummer eins machen", heißt es im Koalitionsvertrag. Der Kieler Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) plant dazu vor allem, die Schulwege für Radler sicherer zu machen und die Entwicklung von Touren für Urlauber zu fördern. Zwölf Radfernwege gibt es schon im Land - von der Grenzroute bei Dänemark bis zur Alten Salzstraße von Lübeck nach Lauenburg. Schärfere Sanktionen für Radfahrer lehnt Meyer ab.
Das Geld ist aber auch im Norden knapper geworden: Zahlten Bund, Land und Kommunen in den vergangenen zehn Jahren stets zwischen 10 und 14 Millionen Euro für das gut 15.000 Kilometer lange Radwegenetz in Schleswig-Holstein, waren es zuletzt nur noch 6,6 Millionen. Jetzt soll zwar wieder etwas mehr fließen - "allerdings nicht auf dem Niveau der Vorjahre", sagt ein Sprecher von Meyer. Das sei aber auch kein Problem: Zumindest an Bundes- und Landesstraßen bestehe "nur noch ein geringer Ausbaubedarf".
Fahrradclub kritisiert Zustand vieler Radwege
Das sieht man beim Fahrradclub ADFC anders. "Viele Radwege im Land sind aus den 50er Jahren - seither wurde oft nichts mehr dran gemacht", weiß ADFC-Vizelandeschef Reiner Hinsch. Nicht nur auf innerörtlichen, auch auf vielen außerörtlichen Strecken hätten sich daher Risse und Wölbungen gebildet. "Die Mittel, die bereit stehen, reichen für eine Sanierung bei Weitem nicht", kritisiert Hinsch. So werde es nicht gelingen, "das hohe Potenzial des Radverkehrs auszuschöpfen".

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