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Grundminen : Vor Kiel wird es für Schiffe eng

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Damit zwölf englische Grundminen entschärft werden können, muss auf der vielbefahrenen Kieler Förde ein temporären Sperrgebiet eingerichtet werden. Dauer: zwei bis drei Wochen.

shz.de von
erstellt am 10.Mai.2013 | 10:40 Uhr

Kiel | Nachdem am Ausgang der Kieler Förde zwölf englische Grundminen entdeckt worden sind, haben Marine und Zivilbehörden jetzt das weitere Vorgehen skizziert. Streng genommen sind diese Minen noch scharf. "Sie sind noch mit einem Zünder versehen", sagte Fregattenkapitän Fritz-Rüdiger Klocke von der Minenabwehr bei der Marine in Kiel bei einer Pressekonferenz.
Etwa 40.000 Schiffe passieren jährlich das sogenannte Verkehrstrennungsgebiet sechs Kilometer nördlich vom Ufer am Ostseegebiet Kolberger Heide (Kreis Plön). Ein solches Trennungsgebiet besteht aus zwei Fahrspuren. In diesem Fall führt die westliche in die Kieler Förde hinein - und die östliche aus ihr heraus. Genau hier, in der östlichen Spur, liegt das Problem in 18 Metern Wassertiefe auf Grund. "Das bedeutet, dass etwa 20.000 Schiffe, die jährlich die Förde verlassen, gefährdet waren", sagt Jörg Heinrich, Dezernatsleiter in der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, Außenstelle Nord, in Kiel.

Sperrgebiet bereits eingerichtet


Die Fahrspur sei inzwischen verengt worden: Dort, wo die englischen Grundminen entdeckt wurden, sei ein temporäres Sperrgebiet errichtet worden. Gelbe Tonnen machten dies für die Kapitäne sichtbar. Dennoch: "Wir haben hier eine der verkehrsreichsten Schiffsrouten in der Ostsee. Eine verengte Rinne ist da eine potentielle Gefahr", sagt Heinrich weiter. "Wir hoffen, dass wir die Fahrspur in zwei bis drei Wochen wieder freigeben können."
Seit Montag dieser Woche nun versuchen Taucher des Kampfmittelräumdienstes mit Unterstützung von Marinetauchern, die auf dem Meeresgrund lauernde Gefahr zu beseitigen. Und zwar mit einer umweltschonenderen Methode, die nach Angaben von Jürgen Kroll, Dezernatsleiter im Landeskriminalamt und zuständig für den Kampfmittelräumdienst, erstmals in Schleswig-Holstein angewandt wird: Mit einer kleinen "Schneidladung" soll der Zündmechanismus von der Mine abgesprengt werden. "Dies ist im Hamburger Hafen bereits einmal gelungen", berichtet Kroll. Die so entschärfte Mine - ein zylindrisches Objekt je nach Typ zwischen 275 und 425 Kilogramm schwer - solle anschließend aus der Fahrrinne der Förde geschleppt werden.

Kurzzeitige Komplettsperrung für Sprengungen möglich


Die Aktion gelinge jedoch nur bei gutem Wetter und ruhiger See. Zudem gehe Sicherheit für die Kampfmittelräumer vor: "Die Methode ist den Tauchern nicht vorgegeben. Am Ende entscheidet der einzelne Taucher selbst, ob er eine Schneidladung anbringen kann", sagt Kroll weiter. Andernfalls müsse die Grundmine gesprengt werden. Dafür werde die Fahrrinne dann kurzzeitig komplett gesperrt.
Dass die Grundminen überhaupt entdeckt wurden, ist modernster Marinetechnik zu verdanken. Die Wehrtechnische Dienststelle (WTD 71) in Eckernförde hat dazu eine nagelneue 800 Kilogramm schwere Tauchdrohne namens "Hugin" eingesetzt und das bekannte Munitionsverklappungsgebiet bei der Kolberger Heide nochmals abgescannt. Ergebnis: "Es liegt mehr dort als gedacht - und das Gebiet ist größer als gedacht", sagt Kroll. 85 verdächtige Objekte im Bereich der Fahrrinne seien entdeckt und von den Tauchern anschließend überprüft worden. Dabei habe es sich in 23 Fällen um "Großobjekte" gehandelt wie um Torpedoköpfe, um eine Ankertaumine, um Granaten und Munitionskisten, die bereits geräumt wurden. Und eben um diese zwölf von den Engländern im Zweiten Weltkrieg ausgebrachten Grundminen, die als besonders gefährlich gelten. "Deren Beseitigung hat absolute Priorität", betont Jürgen Kroll.
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