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Zu Warmer Winter : Vor Biike-Brennen: Grünkohl in SH ausverkauft

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

16 Tage vor dem traditionellen Biike-Brennen setzt die Gastronomie auf Tiefkühl-Ware oder Dosen-Grünkohl.

Sylt | Die Grünkohl-Fans im Norden stehen vor einem Problem. 16 Tage vor dem traditionellen Biike-Brennen ist das Gemüse in frischer Form bei den Großhändlern in Schleswig-Holstein Mangelware. „Gibt nichts mehr“, heißt es vielerorts unisono. Die norddeutsche Saison für das Wintergemüse ist vorbei. Gut zwei Wochen vor dem heidnischen Fest zur Vertreibung des Winters – für viele auch das inoffizielle Fest des Grünkohls – eine schlechte Nachricht.

„Es lohnt sich nicht mehr, das bisschen, was noch auf den Feldern steht, zu ernten“, sagt Ingrid Brötzmann, vom Kieler Gemüse-Großhändler Köhn & Brötzmann. Der Grund für die mickrigen Reste: Dieser Winter war zu Beginn sehr warm und feucht – das ist dem Grünkohl nicht gut bekommen. „Was jetzt noch übrig ist, genügt unseren Qualitätsansprüchen nicht mehr“, so Brötzmann weiter. Die Ernte sei auch nicht mehr rentabel: Fünf bis sechs Euro müsste der mühsam zusammengeklaubte Rest-Grünkohl pro Kilogramm kosten, während der Kohl normalerweise für gut drei Euro pro Kilogramm verkauft wird.

Auf Sylt wäre die Chance nicht ganz gering, dass ein gut betuchter Gourmet auch diesen Kilopreis zahlen würde. Doch auf der Suche nach wenigstens einem Restbestand der schmackhaften Blättern wird unsere Zeitung auf der Insel nicht fündig. Ein paar Schrebergärtner, heißt es in der Gerüchteküche, hätten sich private Vorräte angebaut. Doch auf dem freien Markt sieht es mau aus.

„Der Grünkohl richtet sich halt nicht nach dem heidnischen Fest der Friesen“, sagt Thomas Danklefsen vom insularen Fruchtgroßhandel Decker. Seit ungefähr zwei Wochen wurde der liebste Kohl der Norddeutschen in seinem Lager nur noch sporadisch gesichtet.

Dramatisch oder gar ungewöhnlich findet Danklefsen dies nicht: Viele Restaurants („auch die guten!“) würden seit jeher auf Dosen- oder Tiefkühlware zurückgreifen – die kocht sich einfach deutlich schneller. Lediglich maximal 200 Kilogramm frischen Grünkohl verkaufe sein Team pro Saison. Ähnlich beschreibt sein Mitbewerber Lars Hols von der Sylter Fruchthandelsgesellschaft Olfko die Lage: „Es ist seit über 15 Jahren so, dass der Grünkohl vor der Biike knapp wird, auch weil immer weniger angebaut wird.“ Dass die Gastronomie verstärkt auf Tiefkühl-Ware umsteigt, hält er für unproblematisch: „Das macht geschmacklich nicht so viel aus.“

Wer das Wintergemüse zur Biike trotz des diesjährigen Mangels frisch gekocht auf dem Tisch haben will, dem bleibt nur eine Möglichkeit: sich schnell mit einem Kleingärtner anfreunden.

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erstellt am 05.Feb.2015 | 07:31 Uhr

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