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Kanaltunnel gesperrt : Von Nord nach Süd im Schneckentempo

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Rader Brücke ist ein Nadelöhr, der Rendsburger Tunnel geschlossen. Der Nord-Süd-Verkehr im Lande gleicht einer Schleichfahrt. Und heute wird es noch schlimmer.

shz.de von
erstellt am 13.10.2013 | 09:00 Uhr

Rendsburg | Was passiert, wenn die einzige Fahrspur im Rendsburger Kanaltunnel gesperrt werden muss – etwa nach einem Unfall? „Das wäre der GAU. Dann können wir nur noch beten“, sagte ein leitender Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes im April 2011 vor der Sanierung des 50 Jahre alten Bauwerks. Gestern Abend um 18 Uhr ist dieser GAU eingetreten. Mit der zusätzlichen Schwierigkeit, dass die Tunnelsperrung im Ferienverkehr stattfindet und gleichzeitig die marode Rader Brücke nur sehr eingeschränkt genutzt werden kann. Brücke gesperrt, Tunnel dicht – die wichtigste Verkehrsader des Landes und ihre einzige Alternative funktionieren nicht mehr. Die Brückenreparatur ist noch nicht abgeschlossen und der Ausweichverkehr hat die Fahrbahndecke im Tunnel zerstört. Sie wird jetzt erneuert. Es droht der Verkehrsinfarkt.

Im Tunnel ist derweil Hektik angesagt. „Unser vorrangiges Ziel ist es, das völlig zerstörte Mittelstück der Fahrbahn zu erneuern“, sagte Jörg Winkelmann, der beim Wasser- und Schifffahrtsamt für die Außenstelle Rendsburg verantwortlich ist. Der Plan der Behörde sieht allerdigs vor, eine ganz neue Fahrbahn zu legen und den Tunnel am Montagmorgen um fünf Uhr wieder zu öffen.

Bereits gestern gab es vor der Autobahnbrücke schier endlose Staus: zehn Kilometer in Richtung Norden, zwölf in Richtung Süden – ein Zustand, der sich heute noch erheblich verschlimmern wird, wie die Polizei befürchtet. Für die Menschen in Rendsburg und Umgebung ist der Nord-Ostsee-Kanal seit gestern Abend wieder zu einem echten Hindernis geworden. Aus den Süd-Gemeinden zum Jahrmarkt oder ins Theater nach Rendsburg? Da kommen eigentlich nur noch der Fußgängertunnel und die Fähren infrage, die an diesem Wochenende ausnahmsweise häufiger fahren.

Monatelang waren die Straßen in Rendsburg, Büdelsdorf und Umgebung vollgestopft mit stinkenden und lärmenden 40-Tonnern, die sich auf dem Weg zum Tunnel durch die überlasteten Straßen quälten. Gibt es jetzt durch die Tunnelsperrung eine kurze Atempause? Wenn die Pläne von Verkehrsaufsicht und Polizei aufgehen, soll der Schwerverkehr Rendsburg an diesem Wochenende weiträumig umfahren. Die Schilder weisen in Richtung Kiel und Heide,

Aber nachdem die Zufahrten zum Tunnel gestern durch Absperrgitter und viel rotes Licht gesperrt worden waren, zeigte sich, dass die Informationen für die Brummis längst nicht überall angekommen sind. Eine mächtige Zugmaschine mit Hänger aus Litauen brummt auf die Absperrung zu, dann steuert der Fahrer die Zug langsam und offensichtlich ratlos von der Bundesstraße – hinein in das Gewirr der Rendsburger Einbahnstraßen.

In der Region und auf der Autobahn herrschen mal wieder Ausnahmezustand.

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