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Quer durch Schleswig-Holstein : Von Dollrottfeld bis Luschendorf – kuriose Ortsnamen in SH

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Sie sorgen für Lachanfälle bei der Ortsdurchfahrt – morbide, anrüchige und lustige Ortsnamen. Schleswig-Holstein hat davon einige zu bieten. Teil eins einer Tour zu den kuriosesten Orten in SH.

In Schleswig-Holstein gibt es Orte, in denen wohnt man gerne - Frohsein etwa oder Sorgenfrei – und es gibt Kotzenbüll. An einem Tag fahre ich von Nord nach Süd – von Geil nach Todesfelde – und zurück und bewundere die Kreativität der norddeutschen Namensgebung. In Teil Eins dieser Schleswig-Holstein-Tour der etwas anderen Art soll es um die Orte gehen, deren Bewohner ihre Anschriften wohl nur zögerlich herausrücken.

Dollrottfeld-Ortsschild
Foto: Erichsen
 

Über Dollrottfeld hängt ein grauer Himmel. Wie der Name es will, sehe ich mich einer typischen Angelner Landschaft gegenüber: Felder, Koppeln, Wiesen. Doch so doll rott sehen die Felder gar nicht aus. Frisch abgeerntet, gegrubbert – scheint alles recht fruchtbar zu sein. Die Dollrottfelder sind etwas zu hart mit sich.

Ein kräftiger Wolkenbruch zwingt mich zur Weiterfahrt und ich muss feststellen, dass der von mir so eingehend betrachteten Ortshinweistafel ein ordnungsgemäßes Dollrottfelder Ortsschild folgt. Ich gebe mich mit meinen Beobachtungen aus dem Speckgürtel der 253-Einwohner-Metropole zufrieden. An kuriosen Ortsamen herrscht in der Gegend rund um Süderbrarup kein Mangel – rechts geht es nach Scheggerott.

Haßmoor-Ortsschild
Foto: Erichsen
 

Mein Weg führt mich allerdings gen Süden in eine beschauliche Gemeinde mit dem vielversprechenden Namen Haßmoor. Vor der Rechtschreibreform hätte jeder gewusst, was ihm hier blüht: Wut, hasserfüllte Blicke und Boden, in dem man versinkt. Heute schauen milde Augen über akkurat geschnittene Hecken hinweg, als ich in den Ort hineinfahre.

Haßmoor-Schotterpiste
Foto: Erichsen
 

Lediglich eines, die lieblos hingeklatschte Schlagloch-Straße, die mich in diesen Ort hineinführt, berichtet von alten, hasserfüllten Zeiten. Auch bei der Weiterfahrt bleibt die Straßensituation gewöhnungsbedürftig. Als das Navi meint, die schnellste Route führe direkt über eine Schotterpiste kreisen zwei Greifvögel über mir. Kurz kommt Panik auf.

Luschendorf-Schild
Foto: Erichsen
 

Durch das grüne Herz Schleswig-Holsteins führt mich mein Weg geradewegs auf die A1, von wo aus sich mein nächstes Ziel bereits ankündigt: Luschendorf – die perfekte Steilvorlage für grausame Mitschüler. Das angekratzte Image des beschaulichen Autobahn-Anrainers im Kreis Ostholstein versuchte in diesem Jahr ein Käsehersteller zu retten, indem er zwölf der 422 Luschendorfer zum Extremsportevent Tough Mudder schickte. Auf meiner kleinen Spähfahrt durch den Ort konnte ich tatsächlich keine „Luschen“ entdecken – und auch sonst niemanden. Ob die groß angelegte Marketingkampagne Wirkung gezeigt hat?

Todesfelde-Schild
Foto: Erichsen
 

Vergesst Wacken: Die Gemeinde Todesfelde im Kreis Segeberg – mein nächstes Ziel – wäre der ideale Austragungsort für Heavy-Metal-Konzerte aller Art. Was eigentlich ganz nett aussieht, trachtet seinem Besucher nach dem Leben – das merke ich, als mir kurz hinter dem Ortseingang ein Lkw mit Höchstgeschwindigkeit an den Kragen will.

Der ortsansässige Sportclub springt auf den Zug auf und gibt sich international: „Deathfield“ prangt in großen Lettern und mit Totenkopf-Logo auf einem Schild neben dem Vereinsheim. Angeblich ist der Ortsname von weniger morbider Herkunft: Ein Witzbold hat dem ursprünglichen Odesfelde (Zum Felde des Ode) einst die irreführende Präposition verpasst.

Windmühlen.jpg
Foto: Erichsen
 

Nun soll es wieder zurück in Richtung Norden gehen. Ein Heer aus Windkraftanlagen erzählt Geschichten von regenerativer Energie, Schafe grasen darunter, in der Ferne: Kotzenbüll. Der kleine nordfriesische Ort mit seinen engen Straßen ist mein persönliches Highlight.

Kotzenbüll-Schild
Foto: Erichsen
 

Während ich angetan das Idyll aus Ortsschild und Schafen fotografiere, beäugt mich ein Anwohner mit Unverständnis – als müsse ich doch eigentlich wissen, dass der Name Kotzenbüll schlicht auf die Sippe des großen Kotzos verweisen will, wie ich später auf der Webseite des Amts Eiderstedt erfahre.

Krempel-Schild
Foto: Erichsen
 

Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Von Kotzenbüll sind es nur wenige Kilometer bis zur Ortschaft Krempel in Dithmarschen. Gepflegte Einfamilienhäuser reihen sich hier dicht an dicht. Bei mehrfacher Durchfahrt fällt mir – neben dem Ortschild selbst – ein weiteres Kuriousum auf: Kein Antiquitätenhändler scheint bisher die einmalige Chance genutzt zu haben, seinen Krempel stilecht zu veräußern. Ich träume kurz vom großen Geld und setze meine Reise fort.

Ekel-Schild.jpg
Foto: Erichsen

Doppelt hält besser, denkt man sich in Ekel. Gleich zwei Schilder verweisen schüchtern in die isolierte Einöde im Kreis Schleswig-Flensburg. Als Ortsteil von Erfde ist die kleine Siedlung Ekel mit ihren wenigen Höfen ganz weit ausgelagert. Daran vorbei schlängelt sich der Fluss mit dem vielversprechenden Namen Alte Sorge – zusammengefasst: Ein bedrückendes Bild.

Hohn-Schild
Foto: Erichsen

Nur 15 Kilometer trennen Ekel von der Gemeinde Hohn in der Nähe von Rendsburg. Die B202, die ich liebevoll die „Straße der guten Laune“ taufe, schlängelt sich vorbei an Feldern, Flüssen und einem Örtchen mit dem klangvollen Namen Oha. Hohn selbst kann mit den ersten Sonnenstrahlen des Tages punkten. In Anbetracht des Ortsnamens pikant: Vom hier gelegenen Fliegerhorst verlassen Hilfsgüter das Land in Richtung krisengeschüttelter Regionen.

Pobüll-Schild
Foto: Erichsen

Abschließend geht es ums Gesäß. Der Himmel über dem nordfriesischen Örtchen ist nun beinahe wolkenfrei und Kühe grasen zufrieden am Wegesrand. Anscheinend bin ich nicht die erste, die das kuriose Potenzial des anrüchigen Ortsnamen für sich erkannt hat: Ein Handwerker auf Walz ist nur dann ein echter Handwerker, wenn er sich auf dem Schild verewigt hat. So übten sich Schlosser, Zimmerer und Schmiede an gemäßigtem Vandalismus auf Pobülls Kehrseite.

 

Schleswig-Holstein ist das Land der seltsamen Ortsnamen. In dieser interaktiven Karte haben wir einige von ihnen für Sie zusammengestellt.

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erstellt am 10.Sep.2014 | 18:14 Uhr

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