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Ernst Ulrich von Kameke : "Vom Himmel Hoch"

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Die Orgelkonzerte von Ernst-Ulrich von Kameke wurden weltweit gefeiert. Das Weihnachtskonzert am Heiligen Abend gibt der 83-Jährige in seinem Wohnort Großenaspe bei Neumünster. Dort steht auch norddeutschlands einzige Digital-Orgel - in von Kamekes Wohnzimmer.

Großenaspe | "Vom Himmel hoch" kennt jeder. Aber nicht so, wie es Ernst Ulrich von Kameke spielt. Der langjährige Kirchenmusikdirektor an der Hamburger Hauptkirche St. Petri und ehemalige Professor an der Hamburger Musikhochschule fügt dem berühmten Weihnachtslied wunderbare Klangbilder hinzu.
Den Chorsatz und die Trompetensoli, wie sie im berühmten Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach zu hören sind, hat von Kameke besonders herausgearbeitet. Das Lied ist das alte geblieben. Den Text soll 1539 Martin Luther geschrieben haben. Um die Vielschichtigkeit der vertrauten Melodie, wie sie Bach in seinem Weihnachtsoratorium angelegt hat, deutlich zu machen, versetzte von Kameke jedoch ein wenig die Schwerpunkte. So lässt sich der Zauber "Vom Himmel hoch" immer wieder neu entdecken.
Seit mehr als 20 Jahren erklingt sein "Oh du Fröhliche"
Der renommierte Kirchenmusiker aus Großenaspe (Kreis Segeberg) kann dabei auf große eigene Kompositionen verweisen. Als deutscher Kulturbeitrag zur Weltausstellung Expo 2000 in Hannover haben die Berliner Philharmoniker sein Werk "In Tyrannos" welturaufgeführt. Und seit mehr als 20 Jahren erklingt als Höhepunkt der Weihnachtsgottesdienste am 24. Dezember in St. Petri in Hamburg das von ihm kompositorisch fortgeschriebene "Oh du Fröhliche".
83 Jahre alt ist von Kameke, und die Stiegen hoch zu den norddeutschen Kirchen mit ihren großartigen Orgeln werden länger und länger. Trotzdem spielt er natürlich auch am 24. Dezember wieder zur Weihnachtsmesse in der Katharinenkirche seiner Gemeinde im Neumünsteraner Umland. 1772 wurde der achteckige Sakralbau eingeweiht, 30 Jahre später erklang erstmals die Marcussen-Orgel. Nicht zuletzt dank des Einsatzes des ehemaligen Hamburger Kirchenmusikdirektors wurde sie gerade erst gründlich restauriert.
Der 83-Jährige spielt täglich mehrere Stunden
Zu Hause muss von Kameke mit einem weniger aufwendigen Instrument Vorlieb nehmen. Allerdings kann seine Digitalorgel mit drei Manualen und 50 Registern durchaus mit dem Klang der Konkurrenten in den Gotteshäusern mithalten. Orgelbauer aus dem Baunautal bei Kassel haben die Orgelpfeifentöne von den wertvollsten Orgeln in Europa abgenommen und digitalisiert. "Ein Höchstmaß an Ähnlichkeit mit den mechanischen Instrumenten wurde erreicht, obwohl ich natürlich immer eine klassische Orgel vorziehen würde", sagt von Kameke, der bis heute täglich mehrere Stunden an dem Instrument verbringt.

Für den Organisten und Musikprofessor ist die Kirchenmusik etwas, was "das Himmlische mit dem Menschen vereint". Mit der Kirchenmusik ließen sich sogar die Religionsgräben überwinden. Und gerade zu Weihnachten beseele das Liedgut die Gotteshäuser.
Die Musik-Akademie für Senioren
Trotz seines Alters ist Prof. von Kameke weiter Leiter der Musik-Akademie für Senioren (MAS), deren Programm 2009 erneut eine Fülle hochkarätiger Kongresse, Musikabende, Vorträge und Exkursionen ausweist. Es wird musiziert, es gibt Chorsingen im Sommer und Adventssingen im Dezember - und es wird gereist. Zum Beispiel zum Festkonzert mit dem Starpianisten Lang Lang im Leipziger Gewandhaus zum 200. Geburtstag von Felix Mendelssohn Bartholdy. Oder zu den Händel-Festspielen in Halle aus Anlass des 250. Todestages von Georg Friedrich Händel.
Ernst-Ulrich von Kameke, dessen große Orgelkonzerte weltweit gefeiert wurden, mochte nie nur Organist sein, der sich auf der Empore verschanzt. Er will Menschen mit der Musik "mitnehmen" und sieht dabei in den Orgeln des Landes einen "viel zu selten gehobenen Schatz". "Warum werden sie nicht in das Schleswig-Holstein Musik Festival einbezogen?", fragt er - und schreitet als Antwort auch 2009 zur Tat. Zum dritten Mal hat er in der Katharinenkirche zu Großenaspe einen einmaligen Orgelzyklus organisiert: Am 17. und 31. Januar, am 14. und 28. Februar sowie am 14. und 28. März werden jeweils sonnabends, 16 Uhr, fünf Domorganisten aus dem Norden konzertieren. Svend Prip aus dem dänischen Hadersleben macht den Anfang, Wolfgang Baumgratz aus dem Bremer Dom beendet die Reihe. Ebenso dabei Rainer Seele aus Schleswig, Paul Nacekievill aus Meldorf und Hartmut Rohmeyer aus Lübeck.
Und auch Ernst-Ulrich von Kameke wird bei diesem Zyklus an der Marcussen-Orgel sitzen. Immer wieder bieten seine Konzerte Überraschungen. So wie das Weihnachtslied "Vom Himmel hoch", das der 83-Jährige durch die "kompositorische Politur" noch kräftiger erklingen lässt, als es die Trompeter im Bachschen Weihnachtsoratorium vermögen.

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erstellt am 26.Dez.2008 | 12:07 Uhr

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