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Bad Bramstedt : Vion-Schlachthof wird weiter beobachtet

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Zwischenbericht zeigt: Bei Vion hat sich in den letzten vier Monaten alles verbessert. Schmutzige Stiefel und unhygienische Schläuche machen den Kontrolleuren noch Sorgen.

shz.de von
erstellt am 11.Jun.2014 | 09:34 Uhr

Bad Bramstedt | Umweltminister Robert Habeck (Grüne) macht ernst: Engmaschig lässt er den umstrittenen Vion-Schlachthof in Bad Bramstedt kontrollieren. Nachdem dieser wegen unhygienischer Zustände und Tierquälerei im Februar ins Gerede kam und fast vier Wochen geschlossen blieb, hat die zuständige Fachaufsicht nach der Wiedereröffnung des Betriebes jetzt einen Zwischenbericht vorgelegt.

Das Ergebnis: Alles hat sich verbessert, aber es gibt noch viel zu tun. So werden beispielsweise immer noch verschmutzte Stiefel und verunreinigte Schläuche bemängelt. „Es sind engmaschige Kontrollen dokumentiert, wenn Mängel da sind, wird in der Regel veranlasst, dass sie abgestellt werden“, erklärte Habecks Sprecherin Nicola Kabel. Die an die Wiedereröffnung geknüpften Bedingungen sind so gut wie erfüllt. „Einige stehen noch aus, der Betreiber liegt hier aber im vereinbarten Zeitplan“, sagt Kabel. So soll wie vereinbart die neue Tötungsfalle spätestens bis Ende des Monats eingebaut werden. „Bis dahin bleibt die Schlachtgeschwindigkeit reduziert“. Bis Ende September soll zudem eine verbesserte Lüftungs- und Kühltechnik und Lufttrocknung installiert werden, um Kondenswasserbildung zu vermeiden.

Deutliche Besserungen sind demnach auch beim Tierschutz eingetreten. „Konkret gab es nach Aktenlage nur sehr wenige Fälle, die Sicherheitsschüsse oder eine Nachbetäubung der Tiere erforderlich machten“, heißt es in dem Bericht. Bei der Razzia im Februar hatte die Staatsanwaltschaft bei zahllosen Tieren mehrere Einschusslöcher festgestellt, die darauf schließen ließen, dass die Tiere nicht sachgemäß mit dem ersten Bolzenschuss getötet wurden. „Stichprobenartig wird jetzt täglich bei 15 abgehäuteten Rinderköpfen die Lage und Form des Einschusslochs kontrolliert“, erklärte Kabel. Es seien einige grenzwertig zu beurteilende Einschusslöcher dokumentiert worden, das bewege sich allerdings im „normalen Maß“. Möglicherweise ist das auch das Ergebnis angeordneter Nachschulungen des Personals.

Die Vorfälle in Bad Bramstedt haben inzwischen in Veterinärkreisen zu einer intensiven Diskussion über einen neuen Ethikkodex des Berufsverbandes und zu Kritik am Bundesvorstand geführt, der auf die Frage der Zeitschrift Vet-Impulse „Missstände anprangern oder ist Schweigen Gold?“ nicht eindeutig antwortete. Zahlreiche Kollegen haben sich jetzt öffentlich vor den Kollegen in Bad Bramstedt gestellt, der die Missstände öffentlich machte. Er ist seitdem angeblich krank geschrieben. Der Veterinär hatte sich, wie sein Vorgesetzter Amtsleiter Kurt Warlies in einer Pressekonferenz erklärte, „unter Missachtung des Hierarchieprinzips“ Gehör verschafft und sich mit Beweisfotos letztendlich sogar an Habeck gewandt, der die Staatsanwaltschaft einschaltete. Ähnlich wie in dem mehr als 15 Jahre zurückliegenden Fall der Tierärztin Margit Herbst, die in Bad Bramstedt erstmalig auf BSE-kranke Rinder hinwies, ihre Stelle verlor und verarmte, heißt es auch jetzt im Magazin Vet-Impulse, wer Missstände anzeige, könne kaum auf Rückhalt hoffen und gehe ein hohes persönliches Risiko ein. Aus dem Helden könne schnell ein Denunziant gemacht werden. Tierärzte aus ganz Deutschland springen dem schleswig-holsteinischen Whistleblower zur Seite, zollen ihm Anerkennung und Respekt, „weil er sich nicht dem Diktat einer Billigfleischproduktion gebeugt hat“, wie ein Kollege schreibt, und „Verbraucherschutz und Tierwohl ernst nimmt“. Etliche berichten vom enormen Druck, den Fleischindustrie, Politiker, Amtsleiter und Gewerkschaften auf die Tierärzte ausüben, um Hygienemängel und Tierquälereien unter der Decke zuhalten.

Habeck will am Ball bleiben. „Das neue System muss sich auf Dauer bewähren und gelebt werden. Da werden wir als Fachaufsicht streng drauf achten“, versprach er gestern in Kiel. Ob er diesmal die schützende Hand über den Whistleblower halten kann, wird sich zeigen. Gegen dessen Amtsleiter Kurt Wallies wurde bislang kein Disziplinarverfahren eingeleitet, obwohl er die ihm vorgelegten Beweise nicht ernst nahm und den Betrieb „mit sehr gutem Ergebnis“ kontrollieren ließ.

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