Schlachthof in Bad Bramstedt : Vion darf unter Auflagen wieder schlachten

Der Schlachthof in Bad Bramstedt ist seit Wochen gesperrt.
Der Schlachthof in Bad Bramstedt ist seit Wochen gesperrt.

Vor einem Monat wurde der Schlachthof in Bad Bramstedt gesperrt. Der Vorwurf: Hygienemängel und Tierquälerei. Der Kreis Segeberg soll öfter kontrollieren.

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27. März 2014, 15:56 Uhr

Bad Bramstedt | Das Landwirtschaftsministerium Schleswig-Holstein hat unter strengen Auflagen grünes Licht für eine Wiederaufnahme des Betriebs auf dem Schlachthof in Bad Bramstedt gegeben. Zu den Bedingungen zählen deutlich reduzierte Schlachtdurchläufe bis zum Einbau einer neuen Tötungsanlage sowie bauliche und organisatorische Verbesserungen im Schlacht- und im Zerlegebetrieb des Betreibers Vion, teilt das Landwirtschaftsministerium in Kiel mit.

Der Kreis Segeberg als zuständige Veterinärbehörde soll seine Überwachung neu aufstellen. Er soll öfter kontrollieren und „engmaschig an das Ministerium berichten“, heißt es in der Mitteilung. Auf einer Pressekonferenz in Kiel erklärte Minister Robert Habeck (Grüne) am Donnerstagnachmittag: „So, wie der Schlachtbetrieb gearbeitet hat, konnte es nicht weiter gehen. Deshalb mussten wir ein Verfahren zum Entzug der Betriebsgenehmigung einleiten lassen.“ Der Betreiber habe die Anhörung jedoch dazu genutzt, „substanzielle Verbesserungen auf den Weg zu bringen und Garantieerklärungen zu geben“, sagte Habeck. Nach einer intensiven Prüfung hätten die Fachaufsicht und der Kreis weitere Nachbesserungen verlangt. Nun seien Maßnahmen vereinbart worden, die die Bedingungen des Ministeriums erfüllen. Habeck: „Bei strikter Einhaltung kann so in Zukunft ein mängelfreier Betrieb gewährleistet werden.“

Vion hat einen Katalog von mehr als 40 Maßnahmen vorgelegt, um Verstöße gegen Tierschutz- und Hygienebestimmungen in Bad Bramstedt künftig auszuschließen. Unter anderem sollen zwei Bevollmächtigte die Einhaltung der Vorschriften dauerhaft sicherstellen. Die veraltete Betäubungsfalle soll bis Juni ausgetauscht werden. Bis dahin werden pro Stunde maximal 45 Rinder geschlachtet – bisher waren es 70. Die Betäubung der Tiere wird künftig videoüberwacht.

Bei der Hygiene sollen verbesserte Anlagen für Lüftungs- und Kühltechnik sowie Lufttrocknung bis Ende September installiert werden. Sie sollen die Bildung von Kondenswasser vermeiden. Bis dahin soll Kondenswasser per Hand entfernt werden. Eine Reihe von Hygienemängeln an Decken, Wänden und Böden wurde in den vergangenen Wochen weitgehend behoben, teilt das Ministerium mit.

Habeck kündigt Gespräche mit den Kreisen, den anderen Bundesländern und dem Bund an. „Der konkrete Fall in Bad Bramstedt hat eine Reihe von Fragen zum System Tierproduktion und Schlachtung aufgeworfen. Das Kontrollsystem muss unter die Lupe genommen werden. Wir töten Tiere, um sie zu essen, und da wir dies tun, brauchen wir auch genügend Schlachtkapazitäten in Schleswig-Holstein. Das ist schon aus Tierschutzgründen notwendig, um den Tieren lange Transportwege zu ersparen.“ Verstöße gegen Recht und Gesetz dürften aber nicht Teil des Systems werden.

Aus der Opposition kritisiert Oliver Kumbartzky (FDP): „Zu diesem Komplex stehen immer noch die Widersprüche zwischen den extrem divergierenden Aussagen der Kreisveterinärbehörde und der Landesveterinärbehörde im Raum. Hier wird wohl erst die staatsanwaltschaftliche Ermittlung Licht ins Dunkel bringen.“ Generell begrüßt er aber die neue Betriebsgenehmigung für den Schlachthof: „Dadurch wird der seit Wochen bestehende Engpass der Schlachtkapazitäten im Land zum Teil wieder aufgelöst.“

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