Insolvente Drogeriekette : Viele Ex-Schlecker-Frauen noch ohne Job

Die letzten Läden des insolventen Schlecker-Konzerns hatten ihre Türen am 27. Juni geschlossen. Foto: dpa
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Die letzten Läden des insolventen Schlecker-Konzerns hatten ihre Türen am 27. Juni geschlossen. Foto: dpa

Happy-End oder Jobsuche nach der Schlecker-Pleite? Vor drei Monaten schlossen die Drogeriemärkte. Auch im Norden begann für Hunderte die Suche nach neuer Arbeit. Wie ist sie ausgegangen?

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27. September 2012, 12:14 Uhr

Kiel | Drei Monate nach dem Aus der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker ist in Schleswig-Holstein und Hamburg noch mehr als die Hälfte der ehemaligen Angestellten ohne Job. 431 der insgesamt 780 früheren Schlecker-Beschäftigten seien arbeitslos, sagt Michael Trowe von der Arbeitsagentur Regionaldirektion Nord in Kiel. 249 frühere Angestellte dagegen hätten eine Neuanstellung gefunden. In Schleswig-Holstein arbeiten den Angaben zufolge 279 der 580 gemeldeten ehemaligen Mitarbeiter wieder in einem Betrieb. In Hamburg haben 70 von insgesamt 200 Betroffenen einen Job gefunden - 95 Prozent davon im Einzelhandel.
Die letzten Läden des insolventen Schlecker-Konzerns hatten ihre Türen am 27. Juni geschlossen. Bundesweit verloren rund 25.000 Menschen ihren Job - und mussten sich neue Arbeit suchen. Manche hatten dabei Glück. Edith Herbst zum Beispiel arbeitet inzwischen in Wankendorf (Kreis Plön) als Altenbetreuerin. "Die Arbeit gefällt mir noch viel besser", sagt sie. Nach der Schlecker-Pleite habe sie sich zunächst als Verkäuferin und Hilfskraft beworben. Eine Freundin habe ihr den Beruf der Altenbetreuerin empfohlen. "Als Altenbetreuerin macht man nicht den richtigen Pflegeschein, also die dreijährige Ausbildung, sondern man besucht stattdessen einen achtwöchigen Kurs", sagt Herbst.
"Was besseres hätte mir gar nicht passieren können"
Yvonne Borchert dagegen blieb der Branche treu. Sie hatte 15 Jahre lang für den Schlecker-Konzern gearbeitet, als dieser im Juni zumachte. "Die Schließung von Schlecker war schockierend", sagt sie. Inzwischen freut sie sich aber über eine Stelle als Filialleiterin im kürzlich eröffneten Designer Outlet-Center in Neumünster. "Was besseres hätte mir gar nicht passieren können", findet Borchert. Neben ihr fanden noch zwei weitere frühere Schlecker-Beschäftigte eine Stelle in dem Outlet-Center, das bei Kaufleuten in der Region auch aus Sorge vor Umsatzverschiebungen umstritten war.
Viele andere frühere Schlecker-Angestellte dagegen kämpfen immer noch darum, eine neue Arbeit zu finden. "Wie schwierig die Jobsuche auch hier bei uns ist, zeigt sich daran, dass in der Region noch mehr als die Hälfte der Frauen arbeitslos ist. Das ist eine ganze Menge", findet die stellvertretende Landesleiterin von Verdi Nord Cornelia Töpfer. Die Frauen seien durchaus flexibel und auch bereit, ganz andere Arbeiten als bisher im Drogeriemarkt zu übernehmen. "Aber es gibt einfach nicht genug Stellen, gerade im Handel", sagt Töpfer. "Es ist schwierig, die Frauen entsprechend ihrer Qualifikation auf dem Arbeitsmarkt zu vermitteln."
"Am Ende wird es für den Staat (...) jetzt teurer"
Vor allem Stellen mit vergleichbaren Bedingungen und Tariflöhnen wie bei Schlecker seien rar. "Den Frauen werden zum Beispiel Stundenlöhne von sechs Euro oder befristete 400-Euro-Jobs angeboten. Das ist kein Vergleich", sagt Töpfer. Für eine Umschulung zur Altenpflegerin oder Erzieherin, wie von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) propagiert, erfülle die große Masse die formalen Voraussetzungen nicht.
Rückblickend sagt Töpfer: "Es war ein eklatanter Fehler, nach dem Schlecker-Aus keine Transfergesellschaft zu gründen. Da hätte man viel zielgerichteter Maßnahmen ergreifen können, um die Menschen wieder in Lohn und Brot zu vermitteln. Es ist typisch, dass das bei so einem Frauenberuf nicht gemacht wird. Am Ende wird es für den Staat mit den vielen noch arbeitslosen Beschäftigten jetzt teurer."
Insgesamt sind in Deutschland von den einst 23.000 arbeitslos gemeldeten ehemaligen Schlecker-Mitarbeitern nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit von Anfang September mehr als 15.000 auf der Suche nach einem neuen Job. Bisher hätten knapp 5900 eine neue Stelle gefunden - 90 Prozent davon im Verkauf. Weitere 1900 Schleckerfrauen hätten sich aus anderen Gründen, etwa wegen Krankheit oder aus familiären Gründen, nicht länger arbeitslos gemeldet.

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